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60 Jahre Kreisgemeinschaft Elchniederung e.V. und
60 Jahre Patenschaft mit Grafschaft Bentheim

Die Kirche im Kreisort Heinrichswalde

60 Jahre Kreisgemeinschaft Elchniederung e.V.

 Im Jahre 1948 haben die Alliierten, nach dem Ende des 2. Weltkrieges 1945, das Verbot der Vereinsbildung aufgehoben. Unmittelbar danach begannen die Vertriebenen sich in Landsmannschaften und Kreisgemeinschaften zu organisieren. In der Berliner Hasenheide trafen sie sich Ende 1948 und unter spezieller Mitwirkung des Landsmannes H ├Ą s e, fr├╝her Tilsit, wurde die Kreisgemeinschaft Tilsit- Stadt, Tilsit-Ragnit und Elchniederung als ÔÇ×nichteingetragener Verein“ gegr├╝ndet. Mit auf diese Initiative hin, wurden dann die Landsmannschaft Ostpreu├čen e.V. und der Berliner Landesverband der Vertriebenen aus der Taufe gehoben. Dieses historische Ereignis sollte uns Anlass sein, der Frauen und M├Ąnnern jener Stunde zu gedenken, die sich ihrer Wurzeln in einem wunderbaren Landstreifen bewusst waren und durch ihr Handeln daf├╝r sorgten, dass viele Daten, Ereignisse, Beschreibungen und Bilder nicht verloren gingen. Sie sind f├╝r die Geschichtsschreibung von nicht zu ├╝berschauendem Wert, und wir sollten ihnen daf├╝r dankbar sein und auch unsere Kinder, Enkel und Urenkel werden ihnen diesen Dank gewiss nicht schuldig bleiben. 1949 (vor 60 Jahren) haben die Stadt Kiel f├╝r Tilsit, die Stadt Pl├Ân f├╝r Tilsit-Ragnit und der Landkreis Grafschaft Bentheim f├╝r die Elchniederung ihre Bereitschaft erkl├Ąrt, die Patenschaft zu ├╝bernehmen. Dieser Zeitpunkt wurde gew├Ąhlt, um die einzelnen Kreisgemeinschaften zu verselbst├Ąndigen. Jede Gemeinschaft w├Ąhlte einen Kreisbetreuer und begann mit der eigenen Kassenf├╝hrung. Die ersten Betreuer waren f├╝r die Stadt Tilsit Erwin Spie├č, f├╝r Tilsit-Ragnit Emil Drockner und f├╝r die Elchniederung Werner Wei├č. Die Spendenfreudigkeit der Vertriebenen gab eine gute Grundlage f├╝r die uneigenn├╝tzige Arbeit der Betreuer und diese arbeiteten nach der Devise:

Zum Wohle Europas
zum Wohle Deutschlands
zum Wohle Ostpreu├čens
zum Wohle unserer sch├Ânen Elchniederung.

Am 28. August 1955 wurde in Bad Bentheim eine Urkunde unterzeichnet, mit der der Landkreis die Patenschaft f├╝r die aus dem ostpreu├čischen Landkreis Elchniederung Vertriebenen ├╝bernahm. Mehr als 2.000 Menschen, die aus der gesamten Bundesrepublik angereist waren, nahmen an dem Festakt teil. Ziel war es neben der Schaffung einer zentralen Anlaufstelle auch, ostpreu├čisches Kulturgut zu pflegen und die Erinnerung an die alte Heimat wach zu halten. Blicken wir zur├╝ck auf die erste Ausgabe des Blattes ÔÇ×Wir Ostpreu├čen“, erkennen wir, dass am 1. Februar 1949 dieses Mitteilungsblatt der Landsmannschaft Ostpreu├čen von unserem sp├Ąteren Kreisvertreter Horst Frischmuth (ÔÇá) erarbeitet und herausgegeben wurde. Ihm m├Âchte ich an dieser Stelle Dank sagen f├╝r seinen weitsichtigen Einsatz, zumal dieser dann auch ein Zusammenfinden der Elchniederunger bewirkte und das Bewusstsein der Zugeh├Ârigkeit zu einer Gemeinschaft Gleichgesinnter st├Ąrkte. Schon damals hatte Horst Frischmuth erkannt, dass es wichtig war, wie er es w├Ârtlich im Vorwort zum ersten Heimatbrief vom Juli 1983 ausdr├╝ckte: ÔÇ× aus den Aufzeichnungen ├Ąlterer Mitb├╝rger Kenntnisse aus der Heimat zu sch├Âpfen, um der Nachwelt ein lebendiges Bild unserer Heimat aufzuzeigen.“ Weiter sagte er: ÔÇ×Der Heimatbrief soll also in erster Linie informieren und dar├╝ber hinaus in zweiter Linie f├╝r die nach uns Kommenden Dokumentation sein.“ Das, liebe Landsleute, wollen wir nicht vergessen und die Best├Ątigung f├╝r die Richtigkeit der Aussage und die Wichtigkeit des Heimatbriefes als Bindeglied, haben wir in den Jahrzehnten seit der Herausgabe erhalten. F├╝r diese Weitsichtigkeit, unbeschadet dessen, was sich sp├Ąter ereignet hat, m├Âchte ich Horst Frischmuth und denen, die sich um unsere Gemeinschaft durch ihre Mitarbeit verdient gemacht haben,  danken und ich w├╝nsche mir, dass unsere Kreisgemeinschaft auch in Zukunft Menschen findet, die sich das Heimatbewusstsein erhalten haben und durch t├Ątige Mitarbeit den weiteren Bestand, egal in welcher Form, sichern.
Manfred Grusdt, Vorsitzender der Delegiertenversammlung
und Kirchspielvertreter von Heinrichswalde

Erg├Ąnzend zum obigen Beitrag stellen wir Ihnen einen Artikel aus dem 1. Heimatbrief vor

Nach dem neuen Anfang Elchniederunger in Berlin
von Werner Wei├č, Heinrichswalde

Als Ende 1944 die russischen Armeen sich unserer ostpreu├čischen Heimat n├Ąherten und bis zur Memel und dem Kurischen Haff vordrangen, suchten auch tausende von Frauen, Greisen und Kindern aus der Elchniederung zu Fu├č, in Trecks oder ├╝ber die Ostsee ihren Weg in Rettung und Geborgenheit. Eine Schilderung der Strapazen, der Entbehrungen und der Menschenverluste w├Ąhrend des Fluchtweges w├╝rde hier sicher zu weit f├╝hren. Obgleich Berlin zum Sperrbezirk erkl├Ąrt war, und die Trecks um Berlin herumgeleitet wurden, waren doch viele Vertriebene, darunter auch Elchniederunger, nach Berlin eingesickert. Die so schwer vom Leid getroffenen Landsleute kamen in eine Stadt, die selbst durch diesen wahnsinnigen Krieg in einem nicht vorstellbaren Ma├če geschlagen war. War es noch Berlin, das w├Ąhrend und nach der deutschen Katastrophe von 1945 die ersten Vertriebenen aus dem deutschen Osten aufnahm? Eine von allen Schrecknissen des Weltunterganges heimgesuchte, zerschlagene Stadt. Berlin und die Berliner waren sich jedoch ihrer Aufgabe als deutsche Hauptstadt bewusst. Etwas wie Ordnung bahnte sich erst an, als westliche Truppenverb├Ąnde einzogen, und die vier Sektoren sich abgrenzten.
Aber der Hunger blieb, die K├Ąlte , die ├Âde w├╝st gewordener, ausgepl├╝nderter Wohnungen, die physische und seelische Vereinsamung der Menschen. Es gab keine Gemeinschaft, keine Bindung mehr zwischen den nur allm├Ąhlich aus Grauen auftauchenden ├ťbriggebliebenen. Wer half, wer konnte helfen? Berlin und den Berlinern sei es zur Ehre gesagt: Sie, die selbst allerschwerst gelitten hatten – sie waren bereit zu helfen , den Menschen aus dem deutschen Osten eine neue Heimat zu geben. Es erwies sich, dass Berlin von Anfang an bem├╝ht war, den Vertriebenen gleiches Recht wie den eigenen B├╝rgern zu geben, und darum ist Berlin den Vertriebenen zwar nicht wirkliche Heimat, auch nicht nur Notheimat geworden sondern Wahlheimat, die sie nur mit der wirklichen Heimat im Osten vertauschen m├Âchten. Umgekehrt bew├Ąhrten sich die Heimatvertriebenen in jeder Notsituation, die Berlin zu bestehen hatte, gleichwertig den Alteingesessenen.
Berlin, das die Millionenzahl seiner Einwohner aus Zuwanderern aller deutschen St├Ąmme, zumeist aus Schlesien, Pommern, West- und Ostpreu├čen hingenommen und ins Berlintum eingeschmolzen hatte - wieviel Wahrheit liegt in dem Ausspruch: "Berliner ist man nicht – Berliner wird man"  Dieses Berlin wurde das Becken f├╝r einen Zustrom von nahezu 200.000 in der Heimat wohlversorgten, durch die Vertreibung zu Bettlern gewordenen Deutschen aus dem Vertreibungsgebiet im Osten. Und diese Vertriebenen trugen und tragen das Bild der Heimat unaustilgbar in ihrem Herzen, dies ist der innerliche Reichtum, den ihnen niemand nehmen kann. Dies ist es auch, was die Vertriebenen zusammengef├╝hrt hat. Das nat├╝rliche Gesp├╝r, das aus der Haltung , einer Geste, einem Wort den Gef├Ąhrten im Leid erkannte, wirkte zuerst zwischen Fl├╝chtlingen aus der gleichen Provinz , der gleichen Landsmannschaft. So fanden sich Vertriebene aus engeren Bezirken, nicht nur solche, die einander von daheim schon nah oder fl├╝chtig kannten, sondern auch solche, die bisher einander fremd waren, zusammen. Da durch Befehl der Alliierten jede Bildung von Vereinen und Verb├Ąnden verboten war - insbesondere der argw├Âhnische Vertreter der Sowjets hielt streng darauf , dass keine "Gefahr" durch Zusammenschluss Vertriebener aufstieg - konnten sich auch die Vertriebenen nicht zu Gemeinschaften zusammenschlie├čen.
Hier waren es die Kirchen beider Konfessionen, die sich zuerst der Vertriebenen annahmen. So, wie d i e Kirchen daheim Mittelpunkt der Gemeinde waren, fanden sich in Berlin die Vertriebenen in der Kirche zusammen, die ihnen Trost gab, sie sozial betreute und bei der Suche nach den n├Ąchsten Angeh├Ârigen und Familienzusammenf├╝hrung vorbildliche Arbeit leistete.
Als 1948 die Alliierten das Verbot der Vereinsbildung aufhoben, begannen auch die Heimatvertriebenen sich zu organisieren. Einem durch Mundpropaganda verbreiteten Aufruf folgend, trafen sie sich Ende 1948 in der Hasenheide, in der Hand ein Schild mit den Namen des Heimatkreises oder der Heimatgemeinde. Hier war es das gro├če Verdienst des Landsmannes H├Ąse, fr├╝her Tilsit, der die Tilsiter um sich sammelte und sich auch der Landsleute der Nachbarkreise Tilsit - Ragnit und Elchniederung annahm. Schon nach kurzer Zeit wurde die Kreisgemeinschaft Tilsit - Stadt , Tilsit - Ragnit und Elchniederung als nicht eingetragener Verein gegr├╝ndet. Mit auf die Initiative unserer Kreisgemeinschaft hin wurden dann die Landsmannschaft Ostpreu├čen e.V. und der Berliner Landesverband der Vertriebenen e.V. aus der Taufe gehoben.
Gleich nach der Gr├╝ndung nahmen die einzelnen Kreise Verbindung zu ihren Landsleuten und der Stadt-.bzw. Kreisvertretung im Bundesgebiet auf. Da nur wenige Landsleute in Lohn und Brot standen, konnte auch nur ein geringer Beitrag erhoben werden. Gro├č waren aber die Aufgaben, die auf die Kreisgemeinschaft zukamen, erstaunlich gro├č war aber auch die Spendenfreudigkeit der Landsleute. Der Schwerpunkt der Arbeit lag in der ersten Zeit auf den Gebieten der sozialen Betreuung, Zusammenf├╝hrung der Familien, Wohnraumbeschaffung, Hilfe bei Rentenverfahren und sp├Ąter beim Lastenausgleichsverfahren und vielem mehr.
Ein besonderes Anliegen der Kreisgruppe war - und ist es bis heute geblieben - die Betreuung unserer Landsleute in Ostberlin und in Mitteldeutschland. Ein weiterer Schwerpunkt war und ist die kulturelle Betreuung. Seit Bestehen wird jeden Monat nach einem lange vorher festgelegten Terminkalender ein Kreistreffen durchgef├╝hrt, bei dem ein gutes Unterhaltungsprogramm angeboten wird. Heimatpolitische Vortr├Ąge , Gedichte, Dia-und Filmvorf├╝hrungen halten die Erinnerung an die Heimat wach, machen aber gleichzeitig die heranwachsende Generation sowie Einheimischen, die zu unseren Treffen kommen und sich dort wohlf├╝hlen, mit der Heimat vertraut. Dampferfahrt, Erntedankfest und Weihnachtsfeier dienen Brauchtumspflege, und der anschlie├čende Tanz sorgt f├╝r Stimmung und gute Laune.
Unsere flei├čigsten Besucher waren bis zum Bau der Mauer unsere Landsleute aus dem sowjetischen Machtbereich. Durch das W├Ąhrungsgef├Ąlle: 1 Westmark = 4 b i s 5 Ostmark - waren diese Menschen in finanziellen N├Âten. Hier konnten wir durch Verzehrbons und Zusch├╝sse helfen. Durch den Bau dieser unseligen Mauer ist es unseren Landsleuten - bis auf Rentnerbesuche - versagt, an unseren Heimattreffen teilzunehmen. Durch Zusch├╝sse und Spenden k├Ânnen wir aber ihnen zu Ostern und zu Weihnachten Liebespakete zusenden. Diesen Paketaktionen messen wir eine gro├če Bedeutung bei. Unsere Landsleute in Ostberlin und in der DDR wissen, dass sie nicht vergessen sind , dass es Landsleute gibt , die ihre Sorgen und N├Âte kennen und sic h ihrer annehmen. Viele Briefe, oft unter Tr├Ąnen geschrieben, sind der Beweis daf├╝r.
Unser besonderer Dank geb├╝hrt unserem Patenkreis , dem Landkreis Grafschaft Bentheim, und den dort gelegenen Textilfabriken, die durch finanzielle Unterst├╝tzung und Textilspenden unsere Hilfsaktion kr├Ąftig unterst├╝tzen. Nachdem Kiel f├╝r Tilsit, Pl├Ân f├╝r Ragnit und der Landkreis Grafschaft Bentheim f├╝r die Elchniederung die Patenschaften ├╝bernommen hatten , machten sich die Heimatkreise selbst├Ąndig. Jeder Heimatkreis hat nunmehr seinen eigenen Kreisbetreuer und seine eigene Kassenf├╝hrung. Die Gemeinschaft war aber so eng zusammengewachsen, dass die monatlichen Kreistreffen weiterhin von den drei Heimatkreisen gemeinsam durchgef├╝hrt werden. Dieser Gemeinschaftssinn hat sich bew├Ąhrt. So sind wir die einzige Gemeinschaft, die es geschafft hat, einen eigenen Frauenchor zu gr├╝nden, der nun schon seit mehr als zwanzig Jahren nicht nur b e i unseren Kreistreffen sondern auch bei anderen Veranstaltungen Freude bereitet und das alte deutsche Volkslied lebendig werden l├Ąsst. Unsere Arbeit ist von der Landesgruppe Berlin der Landsmannschaft Ostpreu├čen sowie vom Berliner Landesverband der Vertriebenen als beispielgebend anerkannt worden. Das liegt daran, dass die drei Heimatkreise auf Gedeih und Verderb zusammenhalten, dass diese in vielen  Jahren t├Ątigen Kreisbetreuer: Erwin Spei├č f├╝r Tilsit - Stadt , Emil Drockner f├╝r Tilsit - Ragnit und Werner Wei├č f├╝r die Elchniederung vorbildlich zusammenarbeiten, in den Reihen der Mitglieder viele Idealisten sind und aktiv mitmachen und die gro├če Aufgabe, die wir zu erf├╝llen haben, kennen und immer uneigenn├╝tzig daf├╝r einstehen
zum Wohle Europas
zum Wohle Deutschlands
zum Wohle Ostpreu├čens
zum Wohle unserer sch├Ânen Elchniederung.
Heimatbrief Nr.1 Juli 1983

60 Jahre Patenschaft mit der Grafschaft Bentheim

ÔÇ×Vertriebene bauten den deutschen Staat mit auf“

Den Dank der Kreisgemeinschaft f├╝r die 60-j├Ąhrige Zusammenarbeit ├╝berbrachte deren Vorstandsvorsitzender Manfred Romeike.
Von Rolf Masselink

Bad Bentheim. Vor 60 Jahren, am 28. August 1955, hatte der Landkreis Grafschaft Bentheim auf der Bentheimer Freilichtb├╝hne offiziell seine Patenschaft mit dem ehemaligen ostpreu├čischen Landkreis Elchniederung besiegelt. Der geh├Ârte seit 1945 zum sowjetisch besetzten Teil Ostpreu├čens und heute zu Russland, die ehemalige Kreisstadt Heinrichswalde wurde 1946 zu Slawsk.
Weil manche der gefl├╝chteten oder vertriebenen ehemaligen Elchniederunger in der Grafschaft Bentheim eine neue Heimat gefunden hatten, begannen Anfang der 1950er Jahre Gespr├Ąche ├╝ber eine Patenschaft. Sie m├╝ndeten 1955 in einen offiziellen Patenvertrag. Der habe auch ÔÇ×Hoffnungen beschrieben, die sich dann nicht erf├╝llt haben“, sagte am Sonnabend der Pr├Ąsident des Deutschen roten Kreuzes und ehemalige Bundesinnenminister Dr. Rudolf Seiters beim Festakt zum 60-j├Ąhrigen Bestehen der Kreispatenschaft. Als Festredner der Feierstunde im Forum des Bad Bentheimer Burggymnasiums stellte Seiters die Leistungen der Fl├╝chtlinge und Vertriebenen beim Aufbau des neuen, freien deutschen Staates und ihre ÔÇ×wichtige Br├╝ckenfunktion“ bei der Auss├Âhnung mit Deutschlands ├Âstlichen Nachbarn heraus.
Nach dem Zusammenbruch 1945 sei ÔÇ×aus Tr├╝mmern und Ruinen“ eine stabile Demokratie entstanden, so Seiters. Die Integration von zw├Âlf Millionen Fl├╝chtlingen und Vertriebenen aus den fr├╝heren Ostgebieten sei ein Kraftakt gewesen, habe aber ÔÇ×keinen sozialen Sprengstoff“ dargestellt. Im Gegenteil. ÔÇ×Ohne die Leistungen dieser Fl├╝chtlinge und Vertriebenen w├Ąre diese Bundesrepublik nicht das geworden was sie ist.“
ÔÇ×Wer keine Herkunft hat, hat auch keine Zukunft“, postulierte der DRK-Pr├Ąsident und betonte den Stellenwert der Erinnerungsarbeit an 800 Jahre deutsche Kultur und Geschichte im Osten. Seiters lobte auch den ÔÇ×wesentlichen Beitrag“ der Vertriebenen f├╝r die Selbstbestimmung der V├Âlker. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs seien sie eingetreten f├╝r Vers├Âhnung und Verst├Ąndigung.
Krieg, Flucht und Vertreibung seien auch heute Alltag auf unserer Welt, warnte Seiters und schlug den Bogen ├╝ber die Arbeit des DRK-Suchdienstes bis hin zur Deutschen Einheit. Der DRK-Suchdienst habe in 70 Jahren 21 Millionen Schicksale gekl├Ąrt, noch immer seien aber 1,3 Millionen Schicksale ungekl├Ąrt. Seiters erwartet aber weitere Erfolge, nachdem nun auch russische Organisationen ihre Archive zunehmend f├╝r den Suchdienst ├Âffnen. ÔÇ×Das h├Âchste Gut f├╝r die Menschen ist die Freiheit“, schloss Seiters und erinnerte an die Wiedervereinigung.
Zuvor hatte Landrat Friedrich Kethorn die Patenschaft mit der Kreisgemeinschaft Elchniederung gew├╝rdigt als Chance, Vorurteile abzubauen, voneinander zu lernen und einander zu verstehen. Die Kreisgemeinschaft habe auch entscheidenden Anteil daran, dass nach dem Ende des Kalten Kriegs eine neue Partnerschaft mit dem heutigen russischen Rayon Slawsk entstand. Im Jahre 2001 hatte die Grafschaft einen offiziellen Partnerschaftsvertrag mit Slawsk geschlossen. Seitdem gab es verschiedene Austauschprogramme.
Im gerade beschlossenen k├╝nftigen Grafschafter Kreis- und Kommunalarchiv auf dem Nordhorner NINO-Gel├Ąnde werde die Dokumentation der nun 60-j├Ąhrigen Patenschaft mit der Kreisgemeinschaft Elchniederung ÔÇ×einen w├╝rdigen Platz finden“, versprach Kethorn.
Den Dank der Kreisgemeinschaft f├╝r die 60-j├Ąhrige Zusammenarbeit ├╝berbrachte deren Vorstandsvorsitzender Manfred Romeike. Er erinnerte an die Anf├Ąnge und die Geschichte der Patenschaft. Und er berichtete von der Entwicklung seit dem Ende des Kalten Kriegs, als die Elchniederunger erstmals ihre fr├╝here Heimat wieder besuchen durften. Die Kreisgemeinschaft begr├╝├če ausdr├╝cklich die Zusammenarbeit zwischen Grafschaft Bentheim und dem heutigen Rayon Slawsk. Seit 2012 gebe es auch eine Partnerschaft der Kreisgemeinschaft mit dem dortigen Heimatmuseum.
Verlesen wurde beim Festakt ein Gl├╝ckwunschbrief des Verwaltungschefs des Rayon Slawsk, Sergey Artiukhov. Darin w├╝rdigt er die freundschaftlichen Beziehungen, die Partnerschaft und die Erinnerung an die gemeinsame Geschichte. Die Einladung, an den Feierlichkeiten teilzunehmen, hatten die f├╝hrenden Vertreter des Rayon bereits beim j├╝ngsten Besuch der Grafschafter Kreisspitze im Oktober 2014 abgelehnt. An diesem Datum stehe auch Slawsk ganz im Zeichen der Feiern zum 70. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion ├╝ber Nazi-Deutschland.

Der Sticker f├╝r das Treffen
Das Programm der Patenschaftsfeier
Landrat Friedrich Kethorn
Kreisvertreter Manfred Romeike
Pr├Ąsident des Deutschen roten Kreuzes und ehemalige Bundesinnenminister Dr. Rudolf Seiters

60 Jahre Patenschaft Grafschaft Bentheim – Elchniederung

Vom 8. bis 9. Mai 2015 wurde im nieders├Ąchsischen Bad Bentheim das 60j├Ąhrige Jubil├Ąum der Patenschaft zwischen der Grafschaft Bentheim und der Kreisgemeinschaft Elchniederung gefeiert.
Die Feierlichkeiten begannen bereits am Freitagabend. Mitglieder der Kreisgemeinschaft und des F├Ârdervereines Nordhorn, ├╝ber den die Grafschaft Bentheim in der Elchniederung gr├Â├čtenteils aktiv ist, trafen sich im Forum des Burg-Gymnasiums zum gegenseitigen n├Ąheren Kennenlernen. Bei einem gem├╝tlichen Umtrunk, den der Grafschafter  Landrat Friedrich Kethorn mit einer kleinen Begr├╝├čungsrede er├Âffnete, kam man ins Gespr├Ąch.
Die offizielle Patenschaftsfeier begann am Samstagmorgen mit einem stimmungsvollen Auftritt des Signor-Chores, einem M├Ąnnerchor aus der Grafschaft. Friedrich Kethorn, Landrat der Grafschaft Bentheim, begr├╝├čte besonders den mit 91 Jahren ├Ąltesten  Gast der Jubil├Ąumsfeier, Herrn Heinz Gardeick. Au├čerdem erw├Ąhnte er, dass die Kirchspielvertreterin Irmgard F├╝rstenberg als einzige Anwesende am 28. August 1955 die Unterzeichnung des Patenschaftsvertrages auf der Bad Bentheimer Freilichtb├╝hne miterlebt hat. Der Landrat schilderte in seiner Begr├╝├čungsrede, wie sich die Patenschaft im Laufe der Jahre entwickelte. 2001 hat die Grafschaft auch einen offiziellen Partnerschaftsvertrag mit dem Rayon Slawsk geschlossen. Mittlerweile existieren mehrere Austauschprogramme zwischen den beiden Landkreisen. Friedrich Kethorn k├╝ndigte an, dass die Dokumentation der langj├Ąhrigen Patenschaft zwischen dem Landkreis Grafschaft Bentheim und der Elchniederung einen w├╝rdigen Platz im gerade beschlossenen zuk├╝nftigen Grafschafter Kreis- und Kommunalarchiv erhalte.
Manfred Romeike, der Vorstandsvorsitzende der Kreisgemeinschaft Elchniederung, ├╝berbrachte in seinem Gru├čwort den Dank der Kreisgemeinschaft f├╝r die langj├Ąhrige erfolgreiche Zusammenarbeit. Er w├╝rdigte das Engagement seiner Vorg├Ąnger, welche die Beziehungen zur Grafschaft und zum F├Ârderverein Nordhorn ma├čgeblich gepr├Ągt haben.  Von den ehemaligen Aktiven konnte er Hans-Dieter Sudau und Reinhard Nikstadt pers├Ânlich bei der Jubil├Ąumsfeier begr├╝├čen. Auch die Kreisgemeinschaft pflegt intensive Kontakte zum Rayon Slawsk, so wurde z. B. im ehemaligen Heinrichswalde ein Deutsch-Russisches Museum eingerichtet.
Der Festredner der Patenschaftsfeier, Dr. Rudolf Seiters, betonte als DRK-Pr├Ąsident besonders die Aufgaben und Erfolge des Suchdienstes, mit dem das Deutsche Rote Kreuz bis heute ungekl├Ąrten Schicksalen aus dem Zweiten Weltkrieg nachgeht. Dieser Suchdienst hat im Laufe der Zeit viele Familien, die durch Flucht und Vertreibung getrennt wurden, wieder zusammengef├╝hrt.
Der Festakt endete mit einem Gru├čwort des Landrates des Rayons Slawsk, Herrn Sergeij Artiukhov. Es wurde von Lydia Lobakina, die mit einigen anderen G├Ąsten aus Russland angereist war, in deutscher und russischer Sprache vorgelesen.
Die Feier klang mit einem gemeinsamen Imbiss und vielen angeregten Gespr├Ąchen aus.

04-20150509-Bad_Bentheim
Dr. Rudolf Seiters, Friedrich Kethorn, Barbara Dawideit u. Manfred Romeike
Der Signorchor umrahmte die Feierstunde
Gru├čwort des Landrates des Rayons Slawsk, Herrn Sergeij Artiukhov wurde von Lydia Lobakina vorgetragen