Erinnerungen an meine Kinder- und Jugendjahre in der Elchniederung Kallningken/Herdenau und Kaukehmen/Kuckerneese

Friseurladen der Familie Unvericht in HerdenauIch, Karl E. Unvericht, wurde in Kallningken (in meinem amerikanischen Passport steht Herdenau) am 16.Mai 1926 geboren und lebte dort mit meinen Eltern und meinem Bruder Horst bis zu unserem Umzug nach Kaukehmen/Kuckerneese im November 1933. Mein Bruder Horst geb. am 20.Januar 1923 verstarb am 23.11.2005 in Kelkheim / Ts. Mein Bruder Hans-Georg geb.am 7.Januar 1925 verstarb im Alter von 8 Monaten und ist auf dem Friedhof in Herdenau begraben. Meine Schwester Annemarie, verh. Voss, wurde am 6.Juni 1936 in Kaukehmen/ Kuckerneese geboren und lebt jetzt in Kelkheim/Ts. Die einzigen im Ort vorhandenen Friseur- und BĂ€ckergeschĂ€fte wurden von meinen Vater als Friseurmeister und meiner Mutter als GeschĂ€ftsfrau der BĂ€ckerei mit einem BĂ€ckergesellen betrieben. Meine Mutter belieferte mit eigenem Pferd und Wagen die umliegenden Dörfer, bis nach Inse mit den Backwaren. Herr Mitzkat, der im Dorf ein sehr großes GrundstĂŒck besaß, war auch der Vermieter fĂŒr Wohnung und GeschĂ€ft meiner Eltern. Herr Mitzkat besaß in einem recht stattlichen Steinbau eine Gastwirtschaft mit Saal, außerdem wohnten dort der Arzt Dr. Weiss mit seiner Praxis und der Tierarzt Dr. Meier, rechts von diesem Bau waren zwei große HolzhĂ€user. Die Bewohner des ersten Hauses waren: Schuster Neumann, Hebamme Dombrowski (zeitweise), der alte Junggeselle Batschkus, ĂŒber 90 Jahre alt, damals 1930 erschien uns das uralt, er war ein wahres Unikum, das konnte ich sogar als SchulanfĂ€nger feststellen. Zur Hofseite wohnten die NachtwĂ€chter Enstip (Vater und Sohn mit Frau und Tochter Lehnchen, die ca.1919 geboren sein muss). Jede Nacht konnte man die NachtwĂ€chtersprĂŒche zur vollen Stunde hören. Heute liest man so etwas nur noch im MĂ€rchenbuch. Im zweiten großen Holzhaus waren die GeschĂ€fte meiner Eltern. Dort wohnten auch die Schneiderinnen Fehlau und die gute Dorchen Stascheit, auch ein Unikum, die wir spĂ€ter nach der Flucht im AllgĂ€u, im Nachbardorf Wildpoldried, fanden. Diese zwei HĂ€user waren genau gegenĂŒber vom Friedhof und der schönen Kirche. Links vom Stammhaus Mitzkat waren eine Kohlenhandlung, StĂ€lle, eine große WaschkĂŒche, mehrere Toiletten- HĂ€uschen (Plumps-Toilette), WC kannten wir damals nicht, dann eine GetreidemĂŒhle, alles Besitz Mitzkat. Die ganze Familie waren feine Leute. Die zweite GaststĂ€tte war Völkner, der spĂ€ter auch einen Saal baute, vermutlich fĂŒr Versammlungen, wie im dritten Reich ĂŒblich. Zeitweise wohnten wir von Anfang 1929 bis Anfang 1933 bei Schneider Margies. GegenĂŒber war ein sehr oft besuchter Schießstand, spĂ€ter wurde dort das weibliche RAD-Lager errichtet. In dem benachbarten roten Ziegelbau begann ich 1932 mein erstes Schuljahr bei Frl. Niederstrasser. Schulleiter war Herr Kiupel. Im Haus von Tier-Heilpraktiker Ruddies, Nachbarhaus von Gastwirt Völkner, wurden zwei Schulklassen von Herrn Riegert unterrichtet. In diesem Haus befand sich auch das KleidergeschĂ€ft Laatsch, weiter in der Straße nach Lappienen waren die Drogerie Huwe, Schneider Prange (Helmut Prange geb.1Kuckerneese: FriseurgeschĂ€ft Unvericht und im 2. Stock die Wohnung925 war mein SpielgefĂ€hrte), Tischlerei Hinz. Dessen Sohn zeigte uns zum ersten Mal in unserem Leben einen Film auf Leinwand!!! GegenĂŒber der Schule von Lehrer Kiupel war das Wohnhaus Szog, Ulrich 1926 und Hilmar 1927 geboren waren lange meine SpielgefĂ€hrten. Mit Ulrich habe ich bis zum heutigen Tage noch Verbindung, zweimal hat er mich in meinem Haus in den USA besucht. Ulrich wohnt in Hamburg, eine treue Seele! Dann kam das Postamt, an Namen erinnere ich mich Behnke, Nienke, Trunschel, Reisgies/Sahmel. Reisgies verzog spĂ€ter nach Kuckerneese, ebenso auch Familie Szogs. NatĂŒrlich erinnere ich mich an die großen Viehherden von Otto Buskies, aber besonders beeindruckte mich damals das große Personenauto, sechssitzig mit abnehmbaren Verdeck .Aber unsere Verbindung zur Außenwelt war die Kleinbahn  (Schnieffke- oder Bimmelbahn). Im Bahnhaus wohnten Rinas und Zahnarzt Skopnick. Die Polizisten waren Goldbach und Hille. Familie Goldbach verzog spĂ€ter nach Tilsit, meine Eltern hatten noch lange Verbindung zu ihnen. Am 30. Januar 1933 (ich erinnere mich ganz gut) wurde mit einem Fackelzug und Scheiterhaufen auf der Pfarrwiese der Grundstein fĂŒr das spĂ€ter folgende Elend und den Verlust der Heimat gelegt. So mussten wir alle, bei den meisten unter schwierigsten UmstĂ€nden, uns eine neue Bleibe suchen, verteilt auf ganz Deutschland, sogar in verschiedenen LĂ€ndern und auch anderen Erdteilen. Mein Vater kaufte im November 1933 in Kaukehmen/Kuckerneese am Marktplatz 7 den grĂ¶ĂŸten am Platze vorhandenen Damen- und Herrenfrisiersalon, wo er auch Obermeister der Friseurinnung Elchniederung wurde. Herdenau habe ich spĂ€ter ab und zu mit dem Fahrrad besucht. Vielleicht kann ich spĂ€ter auch ĂŒber meine Jugendzeit in Kuckerneese von November 1933 bis Oktober 1943 berichten. WĂ€hrend dieser Zeit habe ich als Sportler, speziell als Leichtathlet, an vielen Turnieren teilgenommen. Im Weitsprung war ich Gaumeister von Ostpreußen (mein Vater war es 1919).Meine Bestleistung bei diesen Turnieren war im Weitsprung 7,22m; meine Bestleistung im 100m-Lauf waren 10.9 Sek. Vom 12. Oktober 1943 bis 10.Januar 1944 RAD in Ruß, vom 25.Januar 1944 als Grenadier in Gumbinnen, Ostfront-Einsatz, Verwundung Ersatztruppenteil Ingolstadt, am 8. Mai 1945 Kriegsende und in amerikanischer Gefangenschaft, entlassen 31.7.1945 ins AllgĂ€u, wo meine Mutter bei Kempten evakuiert war. Ab 1950 Arbeit auf Rhein-Main Flughafen Frankfurt/M. Ab 15.Oktober 1950 Beginn Laufbahn Deutsche Lufthansa, 1954 bis 1960 LH Hamburg. Übrigens 1951 in Frankfurt geheiratet, 3 Söhne geboren, 1953 und 1955 in Hamburg und 1959 in Frankfurt/Höchst. 1958 versetzte mich die Lufthansa fĂŒr kurze Zeit nach New York, dann 1960 nach Tucson/Arizona als Administrations- und Business-Manager zum LH-Jet-Flugtraining, 1970 in gleicher Position zur LH-Fliegerschule- Außenstelle nach Phönix-Goodyear, wo ich mit 65 Jahren im Mai 1991 in Pension ging. Diese Fliegerschule existiert heute noch. Wir blieben hier in Arizona/USA wohnen, weil alle Familienmitglieder amerikanische BĂŒrger geworden sind und natĂŒrlich 5 Enkel und 5 Urenkel in Arizona geboren wurden und auch hier wohnen.
Kurt E. Unvericht  8965 W. Sierra Pinta Drive Peoria/AZ.85382-8693 Tel: v. Deutschland:001/623/566-4643  E-Mail: deucekm@cox.net
Aus Heimatbrief Nr. 53 von Pfingsten 2011

Kinder- und Jugendjahre in Herdenau und Kuckerneese von Karl. E. Unvericht (USA)

Mittelschule in Kreuzingen von Cuno Welsch
mit vielen Namen von Lehren und SchĂŒlern

Fritz Janz - Eine Geschichte aus der Elchniederung – Ostpreußen von Trude Janz Ostpr. Plattdeutsch

 

 

 

 

 

 

Mittelschule Kreuzingen von Cuno Welsch

Kreuzingen Mittelschule 1943Nach Ostern 1938 kam ich in die Mittelschule Kreuzingen (Skaisgirren). Sie war in der Tilsiter Straße. Nach der einklassigen Volksschule in Grenzberg (Groß Asznaggern) mit Herrn Lehrer Kurt PRICKLER war fĂŒr mich alles neu und ungewohnt. In meiner Klasse kannte ich außer meinem Vetter Gerhard KOPP keinen weiteren MitschĂŒler.
 Nach kurzer Zeit fielen mir zwei Ă€ltere SchĂŒler auf. Es waren die Söhne von Familie GRODSZINSKY, einem offensichtlich jĂŒdischen TextilgeschĂ€ft, Stoffe und Oberbekleidung. Die beiden Jungen waren in der Schule nicht gut angesehen. In den Pausen standen sie allein  irgendwo herum. Sie liefen oder tobten nicht mit anderen Jungen und hatten auch kaum Freunde. Ich habe mir immer Gedanken gemacht, warum sie nicht gut angesehen waren. Im November 1938 wurde das TextilgeschĂ€ft Grodszinsky ausgerĂ€umt. Die Waren und Möbel lagen auf der Straße. Die beiden Jungen kamen nicht mehr in unsere Schule.
In der Mittelschule kann ich mich an folgende Lehrer erinnern: Rektor SCHILLAK, spÀter Schulrat KLEIN, Herr PAMPE, Herr KRICKLIES, Herr INTAT, FrÀulein ACKERMANN, FrÀulein RIEL. SpÀter gab es noch Herrn ALSHUT, Herrn HUNDRIESER, FrÀulein von WILLMS, Frau Neubert, FrÀulein BECKER, Herrn SCHNABEL.
Im ersten Schuljahr war Herr PAMPE unser Englischlehrer. Von der zweiten Klasse FrĂ€ulein Ottilie RIEL, genannt „Tiela“. Sie war sehr streng und ein bisschen Oberlehrer. In den ersten Jahren wurden die Pausen mit einer Handglocke eingelĂ€utet. Das war Tielas Amt, ein SchĂŒler, meistens ich, musste dafĂŒr sorgen, dass die Handglocke vor der Englischstunde auf ihrem Schreibtisch stand. DafĂŒr musste ich die Glocke aus der Klasse holen, in der Tiela vorher unterrichtet hatte. Vergessen? Unmöglich! In einer anderen Klasse ist Tiela einmal so stark mit dem Fuß auf den Boden getreten, dass das Fußbodenbrett brach und ein Loch im Fußboden entstand. Die Lehrerin war in der ganzen Schule nicht sehr beliebt, weil sie so streng war. Wir mussten viel lernen. In der sechsten Klasse wurde nur noch Englisch gesprochen. Unsere Klasse hatte inzwischen ein freundschaftliches VerhĂ€ltnis zu Tiela. Sie war auch unsere Klassenlehrerin. Nach einer Klassenarbeit hatten wir als Hausaufgabe die „Berichtigung“. Dann sollten die Schulhefte abgegeben und in den Schrank gelegt werden. Das war am ersten April. An dem Tag hieß es: Ich kann dich zum Narren machen wie ich will. Tiela sollte einmal der Narr sein! Zwei MĂ€dchen in der ersten Reihe unserer Klasse, Ruth WITTÖSCH und Erika WIXWAT , standen hintereinander auf und sagten: „Ich habe mein Heft vergessen.“ Tiela wollte gerade mit dem fĂ€lligen „Donnerwetter“ beginnen, da riefen beide: „April, April!“ Tiela lachte und sagte: „Heute vergessen wir Vokabeln und Grammatik. Wir lesen englische LektĂŒre.“
Viele Jahre spÀter bin ich mehrmals nach England, Amerika und Kanada privat in Urlaub gefahren. Dort konnte ich mich in englischer Sprache, die ich dank Tiela in der Schule gelernt hatte, gut verstÀndigen.
Eine andere Lehrerin war FrĂ€ulein Grete ACKERMANN, genannt „Schachtel“. Sie unterrichtete Mathematik, Biologie und andere FĂ€cher. Der Acker-Schachtelhalm war eine Heilpflanze, die sie gut beschreiben konnte. Daher der Name Schachtel. In Mathematik konnte die Schachtel viele LehrsĂ€tze geduldig erklĂ€ren. Wir lernten Dreisatz, unbekannte X-Gleichungen, Pythagoras bis zu den Logarithmen.
Der Lehrer Herr ALSHUT erschien im grĂŒnen Anzug mit langen schwarzen Lederstiefeln. Am Anfang seiner Unterrichtsstunde musste ein 30 cm langes Holzlineal auf seinem Schreibtisch liegen. Das brauchte er zur Bestrafung der SchĂŒler, die Fehler machten. Bevor man mit dem Lineal einen Schlag auf die Backe bekam, fragte Herr ALSHUT: „Hast verdient?“ Wenn man sich seiner Schuld bewusst war, hieß die Antwort „Ja“. Bei „Nein“ mit einer guten BegrĂŒndung bekam man eine Gutschrift fĂŒr den nĂ€chsten Fehler. Da musste man ganz schnell, bevor der Schlag Sommer 1948 in HH ehemaliger Mittelschule ausgefĂŒhrt wurde, sagen: „Ich habe eine gut“. Der Schlag auf die Backe war nicht schmerzhaft, er war auch nur symbolisch gemeint. Einmal hatte Herr ALSHUT Pausenaufsicht. Er musste dafĂŒr sorgen, dass alle SchĂŒler die KlassenrĂ€ume verließen und auf dem Schulhof spazieren gingen. Ich hatte mein FrĂŒhstĂŒcksbrot vergessen und rannte deshalb zurĂŒck in unseren Klassenraum. An der TĂŒr prallte ich mit Herrn Alshut, der eine stattliche Figur hatte, zusammen. Das Holz-Lineal steckte in seinem Stiefelschaft. Prompt kam die Frage: „Hast verdient?“ Antwort: „Ja“. Patsch, hatte ich eine weg.
In Erdkunde unterrichtete uns Herr INTAT , der „Igel“. Er war streng, aber wenig humorvoll. Der Igel kannte Deutschland von Ost- und Nordsee bis zu den Alpen und vom Saarland bis zum Memelland. Viele StĂ€dte und deren Bedeutung, Landschaften und FlĂŒsse. Der Lehrer erklĂ€rte, und wir mussten Stichworte mitschreiben. In der nĂ€chsten Erdkunde-Stunde sollten wir möglichst genau wissen, was er uns erzĂ€hlt hatte. Als wir Deutschland im Kopf hatten, stĂŒrzten wir uns auf die anderen Kontinente und LĂ€nder der Welt.
Eine Geschichte, die ich nicht selbst erlebt habe. Erdkunde: Die Weltkarte wird aufgehĂ€ngt. Der Lehrer fragt: „Wer kann mir auf der Karte Amerika zeigen?“ Willi meldet sich. Er wird nach vorn gerufen, nimmt den Zeigestock und zeigt Amerika. Der Lehrer sagt: „Gut, und wer hat Amerika entdeckt?“ Er erwartet die Antwort: Kolumbus. Die SchĂŒler rufen aber: „Der Willi!!“
Noch einmal „Willi“ auf Plattdeutsch:

Wille Pille foor noah Szille
Fer e Fennisch Schniefke hoale
Fer e Fennisch krech er nich
Un e Dittke had er nich
Wille Pille Àrgerd sich.

In der Tilsiter Straße, in der NĂ€he unserer Schule, gab es eine BĂ€ckerei. Da konnte man Brot, Brötchen und Kuchen kaufen. FĂŒr 10 Pfennig gab es drei Brötchen. Herr PAKSCHIES, der Kirchendiener (?) der evangelischen Kirche, kam in die BĂ€ckerei und sagte: „Ich hĂ€tte gern fĂŒr 10 Pfennig Brötchen.“ Die VerkĂ€uferin reichte ihm die TĂŒte mit den Brötchen. Da fragte Herr Pakschies: „Was kostet der Spaß?“ Antwort der VerkĂ€uferin: „10 Pfennig. Wir SchĂŒler, die in dem Laden waren, fanden das lustig. Wenn einer fĂŒr 10 Pfennig Brötchen kaufte, fragte er hinterher: „Was kostet der Spaß?“
Von der Tilsiter Straße gab es rechts eine Abzweigung nach Schillen, die Schiller Straße. Da hatte Herr Richard DIECK (Dyck?) ein SchreibwarengeschĂ€ft und Kreuzingen Mittelschule 1993Schulbedarf. Meine FĂŒllfederhalter-Tinte war alle, und ich ging in das GeschĂ€ft. Ich stellte das leere Tintenfass auf den Ladentisch und sagte: „Bitte auffĂŒllen.“ Herr Dieck sah das Tintenfass und sagte: „Das Tintenfass ist nicht ausgewaschen, da gieße ich keine neue Tinte hinein. Das Auswaschen kostet 5 Pfennig extra.“ Ich sagte: „Das bezahle ich nicht.“ „Dann bekommst du keine Tinte“, sagte der Ladeninhaber. Ich nahm das leere Tintenfass vom Ladentisch und ging zur TĂŒr. Herr Dieck war Ă€rgerlich. Er kam eilig hinterÂŽm Ladentisch hervor und ging mit großen Schritten zur TĂŒr. Er öffnete diese und bat mich mit einigen unfreundlichen Worten hinaus. In der NĂ€he der Apotheke gab es noch ein SchreibwarengeschĂ€ft. Dort bekam ich meine Tinte.
Anfang Dezember 1943 kam ein hoher Offizier der Deutschen Wehrmacht in unsere Klasse. Er sagte: „FĂŒr die Jungen der JahrgĂ€nge 1926 und 1927, deren Namen ich anschließend verlesen werde, ist heute der letzte Schultag in dieser Schule.“ Es waren: Gerhard KOPP, Erhard RAUSCHNING, Alfred OHLENHOLZ, Werner ULLOSAS, Siegfried ROSE und Cuno WELSCH. „Diese Jungen sind ab morgen als Marinehelfer nach Gotenhafen dienstverpflichtet.“ Im MĂ€rz 1944, am Ende des Schuljahres, erhielt ich das Entlassungszeugnis der anerkannten Mittelschule Kreuzingen.
Cuno WELSCH, Aurikelweg 18, 53840 Troisdorf, Tel. 02241 - 804368

Fritz Janz - Eine Geschichte aus der Elchniederung – Ostpreußen
von Trude Janz

On dat Lewe jing wieder. De eenem de andre, manchem jefull et, manchem ne Fritz Janzch. On doa wĂ€r ook de Fritz Janz – de heet joa ook so, oaber opp jenne Derper wĂ€re joa alle Maniste irgendwie verwandt. He wĂ€r stell on ruhig, wĂ€r ook nech stark, oarbeit ook nech schnell –  oaber he moakt seine Oarbeit, on eck wĂ€r tofreede met em. Wi beide verdroage ons goot.
             De Joahre verjinge, eck weet nech mehr wievĂ€l Joahre he wĂ€r – denn kĂ€m de Krieg on de Ruß, on et wurd emmer gruuliger. On he foahr emmer Sinnoawend noa Huus, on weekĂ€wer (die Woche ĂŒber) wĂ€r he doa oppem Hoff. Mondags morje om sess wĂ€r he emmer oppem Hoff, on Sinnoawends Meddag foahr he noa Huus noa Kuckerneese. He wĂ€r jung verfriet, vĂ€l hadd he nech verdeent, on em fehlt eent dat andre. E schwerer Anfang wĂ€r et joa. De Joahre jinge hen, on

wie de Krieg emmer nĂ€hjer kĂ€m, doa secht he: „Eck well nech mehr bliebe, eck hebb keeneLost, eck goah noa Huus!“ - „Joa Fretz“, segg eck, „dat verstoah eck!“
             On miene Kinder wĂ€re joa all e beetke gretter (grĂ¶ĂŸer), mien Jung Fritz wĂ€r ook all enjesegnet, he wĂ€r en de landwertschaftliche Lehr on hadd vĂ€r eenem Joahr de PrĂŒfung jemoakt. On denn hadd eck de Hermine – Johanne wĂ€r noch nech so stark – on Elisabeth wĂ€r ook doa, bi de wĂ€r et, als bekĂ€m se nech jenooch satt to Ă€te.
On denn bleef wi met dem Fretz ut Kaukehme (Kuckerneese) emmer opp eenem Huupe on wi verdroage ons goot – hernoa wurd de Fretz noch enjetoage enne Krieg met siene schlechte Oo Fritz Janz 1. von Linksrge, on es bet Moskau jewese.
Fritz Janz 1. von Links             Na joa, on so wĂ€r et met dem Fretz, keenmoal hadd eck Malheur met em, ook nuscht. On nu sehch he joa miene feine Farlels: „ Ach, Fruu Janz, kann eck nech zwee Farkel kriege?“ „Jo, Fretz eck foahr di noa Huus de Farkel, goah hen on weeg se aff de Farkel, eck koam sehne, wat se weege, eck schriew an!“ On de Fretz freit seck, on he wull doch siene Fruu segge: „Wi hebbe nu onsre eegene Farkel!“ He foahrt met de Farkels noa Huus.
             „Weete Se, wat nu mien Fruu secht?“ ÂŽFritz du brengst mi de Farkel, met wat sull eck Fritz Janz 2. von linksse nu futtere?‘ “ „Joa“, segg eck, „Fretz, mit wat wellst du se futtere? Eck hebb opp mienem Spieker noch Mehl, eck heb ook noch Jetreeggdt (Getreide) doa, moahl di aff wievĂ€l du bruckst, Gertrud Janz geb. Wedler on weeg ook aff, du kannst e Sack nehme, load die oppe Melkwoage opp on foahr et di noa Jonischke hen!“
             Fritz weecht (wiegt) aff de SĂ€ck, eck koam met dem Zeddel on de Bliesteft on schriew opp. He hadd alles jenau affjewoage, nech een Pund mehr ook nech een Pund weniger. „Jetzt, Fretz, hol di dat alles fein noa Huus!“ Oh, de Fruu hĂ€t seck jefreit! „Fruu Janz“ sĂ€d he dat eene dat andere Moal, „wat send dat fere feine Farkel! Oaber, Fruu Janz, Se hebbe nech eenmoal jesecht, eck sull betoahle!“ Eck segg: „Fretz, ei, wenn du de Farkel krepeert wĂ€re. Du wĂ€rst emmer goot, du hĂ€st nech eenmoal wat metjenoame, wat eck nech wußt. Du hĂ€st, gesecht on hĂ€st et affgewoage, eck bruckt bloß sehne, ob et stemmt!“ - „Joa, Fruu Janz, se send goot!“ - „Joa, oaber ook alle Oarbeider send nech so trie (treu)!“
             Joa, on dat es ook noa dem Krieg so jebleewe. On noa dem Krieg, wie de Fretz miene Adress fund, schreew he mi, ob eck mi noch besenne kunn, wie he bi mi jewese es on wie lang. He bruckt dat fer seine Rente. „Ei, joa, Fretz, dat weetst du joa, met solche Sache on met Geldsache, doa weet eck Bescheed!“ On doa hĂ€t he emmer schon to Huus jesecht: „Fruu Janz, Se brucke goar nech noasehne, wenn se mi segge, denn weet eck, denn gloow eck dat. Se hebbe e goodet JedĂ€chtnis!“
             He hĂ€t mi ook noch besocht wie he jesunder wĂ€r. Sein Brooder woahnt bi LĂŒbeck, on wenn he toriggkĂ€m, denn kĂ€m he vĂ€rbi. Et kloppt oawends anne DĂ€r, wi schloape schon: „War ju oppmoake?“ Eck segg: „Wat es doa los?“ - „Na, wer ward et send, de Fretz es doa!“ - „Na joa“, segg eck, „boawe oppe Lucht (Bodenkammer, Bodenzimmer) steiht noch e Bedd!“ Na joa, denn bleew he acht Doag fein hier. Na joa, on jetzt, wer nech kemmt, es de Fretz. On seine Fruu schreew: „De Fretz es ganz blind jeworde on kann ook schlecht goahne!“


Aus dem Buch:                   Ulrich Tolksdorf
                                           Eine Ostpreußische VolkserzĂ€hlerin
                                            Trude Janz
                                            ISBN 3-7708-0695-6

Bilder Privatbeitz:              Gerhard Janz
                                           Forchenhain 23
                                           72160 Horb am Neckar

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Geschichten vor 1945
Histories before 1945

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