Die Gedenktafel, aufgestellt und geweiht 2014

Einweihung des Gedenksteines zur Erinnerung an die fr├╝heren Bewohner des Kreises Elchniederung am 1. August 2014

Es  war schon  im Jahr  2013  geplant worden, einen Gedenkstein zur Erinnerung an die fr├╝heren Bewohner der Elchniederung vor der Kirche  in Heinrichswalde (heute Slawsk) aufzustellen. Nachdem unser Museumsleiter, Herr Kent, ein besonders sch├Ânes Exemplar gefunden hatte, begannen die  ├ťberlegungen  und  Planungen durch  unseren leider viel zu fr├╝h verstorbenen Gesch├Ąftsf├╝hrer Hartmut Dawideit. Er stimmte mit der  Verwaltung von  Slawsk (Heinrichswalde) den Wortlaut auf der Tafel des Steins auf Deutsch und Russisch ab und verhandelte mit  einem Steinmetz aus  Heinrichswalde ├╝ber die erforderliche Arbeit und  die Kosten hierf├╝r. Es wurde sich schlie├člich f├╝r folgenden Text entschieden:

Unvergessene Heimat Ostpreu├čen
  Zum Andenken an die hier fr├╝her lebenden Bewohner der Elchniederung

Am  Freitag, dem 01. 08. 2014  um 16.30 Uhr wurde nun die Stein-Enth├╝llung  und  Einweihung vorgenommen. Es waren hierzu von russischer Seite erschienen:
Der Verwaltungs-Chef - Herr Artjukow, der Landrat - Herr Lawrikeitis und der B├╝rgermeister - Herr Malakov.
Die deutsche Seite war vertreten durch unseren Kreisvertreter - Manfred Romeike und unseren Kirchspielvertreter - Peter Westphal mit seiner ganzen Bus-Gesellschaft.
Es waren zwar kein Pfarrer, kein Chor und keine Veteranen gekommen, aber viele der jetzigen Bewohner von Slawsk (Heinrichswalde).
Nach einer Gedenkminute f├╝r Hartmut Dawideit, unserem ehemaligen Gesch├Ąftsf├╝hrer und stellvertretenden Vorsitzenden der Kreisgemeinschaft Elchniederung, wurde der noch mit der Fahne der Elchniederung verh├╝llte Stein eingeweiht. Anschlie├čend wurde  ein Kranz niedergelegt. Eine Ansprache hielten Herr Artjukow und Manfred Romeike ├╝ber die Bedeutung des Gedenksteins und die Geschichte der  Elchniederung. Die beiden Ansprachen wurden jeweils in Deutsch und Russisch ├╝bersetzt. Zum Schluss wurde das Ostpreu├čenlied von vielen der Anwesenden  mitgesungen.
Anneliese Romeike

Manfred Romeike und Herr Artjukow sowie ├ťbersetzerinnen
Herr Romeike und Herr Artjukow

Einweihung des Gedenksteines zur Erinnerung an fr├╝here Bewohner

Der Elch - Best├Ąnde in Ostpreu├čen von 1848 bis heute

Erinnerung an das ostpreu├čische Pferd - Remontekommission

Die Tilsiter Br├╝cken im Wandel der Zeit - Hans Dzieran

 

 

 

 

Der Elch das Wappentier unseres Heimatkreises und der Kreisgemeinschaft

Die ÔÇ×Preu├čische Allgemeine Zeitung“ Nr. 5 vom 10. November 2017 (Ostpreu├čenblatt/Heimatarbeit) ver├Âffentlichte nachfolgende Artikel, den wir f├╝r Sie entnommen haben.

Der nieders├Ąchsische leitende Forstdirektor Horst F. Buschalsky (62) ist ein profunder Kenner der einzigartigen Natur Ostpreu├čens, ihrer Tiere und der dortigen Jagdverh├Ąltnisse. Seinen Vortrag anl├Ąsslich der Gedenkveranstaltung zur Gr├╝ndung des Ostpreu├čischen Jagdmuseums vor 60 Jahren (siehe PAZ 43, Seite 19) ver├Âffentlicht die PAZ in mehreren Teile.

Nachfolgend die dritte Folge von ÔÇ×Jagd und J├Ąger in Ostpreu├čen - einst und heute“:

Elchbestand in OP

1848

500 - 600

1849

11

1886

300

1900

390

1905

700

1914

800

1918

230

1920

200

1925

500

1932

1.000

1944

1.500

1945

0 :-(

1969

500

1980

1.800

2005

1.300

Aus der pflegenden und hegenden T├Ątigkeit heraus, verbunden mit praktischem, wissenschaftlich fundiertem K├Ânnen und Wissen, entwickelte sich ├╝ber vier F├Ârster- und J├Ągergenerationen in Ostpreu├čen das, was an Wildbest├Ąnden und Waldbildern seit Anfang des 19. Jahrhunderts bis 1945 aufgrund des Erfolges weit ├╝ber die Provinzgrenzen hinaus anerkennend bewundert wurde. Dabei spielen zwei Namen eine gro├če Rolle: das ist der Elchwald und das ist die Rominter Heide. Aber zur├╝ck zur Ausgangslage am Ende des 18.Jahrhunderts.
  Wenn das Elchwild sich vor der ausbreitenden Landwirtschaft in den zur├╝ckliegenden Jahrhunderten besser halten konnte als andere Gro├čwildarten, so liegt das nicht daran, dass es von den Wilderern und J├Ągern weniger gesch├Ątzt wurde; aber sein nat├╝rlicher Lebensraum warsehr viel schwerer zug├Ąnglich und es war als Verzehrer von Weichholz nicht gezwungen, auf offenes Gel├Ąne zu wechseln. Weniger vor der Ausbreitung der Landwirtschaft als vielmehr vor der Niederwald- und Moorentw├Ąsserung und den damit verbundenen Baumartenwechsel wich der Elch zur├╝ck. So ist er 1725 noch als Standwild in allen W├Ąldern ├Âstlich der Passarge (diese flie├čt von Osterode nach Norden beiFrauenburg in das Frische Haff) und westlich in den Waldgebieten um Osterode anzutreffen.
 Unter K├Ânig Friedrich I. (1701 - 1713) werden in der Kaproner Heide vor den Toren K├Ânigsbergs in seiner Regierungszeit viele Hundert Elche erlegt und FriedrichWilhelm I. l├Ąsst dort 1718  40 St├╝ck und 1731  56 St├╝ck zur Strecke bringen. Auch 1780 ist das Elch-ID71881 14-EnderElchwild in seinemVerbreitungsgebiet von 1725 noch Stand-oderWechselwild.In der Folge geht es aber rasch abw├Ąrts. In den Jahren 1790 bis 1800 verschwindet der Elch im Westen ganz. 1840 f├Ąllt der letzte masurische Elch, 1842 der letztein Preu├čisch Eylau.1852 sind die letzten Reste zwischen Angerburg und Goldap verschwunden, eben nicht nur, weil er scharf bejagt wurde, sondern vornehmlich als .Folge der Umwandlung der bis dahin vorkommenden Moore in Wiesen  und der Nieder- und Bruchw├Ąlder in Wirtschaftsw├Ąlder mit entsprechendemBaumartenwechsel.
 In der zus├Ątzlichen Folge von Siebenj├Ąhrigem Krieg, der napoleonischenBesetzungundderRevolution 1848 schrumpft der Elchbestand von 500 bis 600 St├╝ck Mitte des 18. Jahrhunderts auf nicht mehr als elf nach einer Z├Ąhlung von 1849. Von diesem niedrigsten Bestand erholte sich das Elchwild durch Schonung und Schutz bis auf 300 St├╝ck im Jahre 1886. Zur Jahrhundertwende 1900 gab es bereits 390 und1905bereitswieder700Elche.BiszumErstenWeltkriegstiegdie Zahl auf 800 an,umdurch Kriegseinwirkung und Wilderei nach 1918 wieder auf 230 zur├╝ck zugehen. DerVorsitzendederostpreu├čischenJ├Ągerschaft,Manfred von Kobylinskiregte in den 1920erJahren einElchhegeprogramm an.Forstleuteausder Elchniederung schlossensich dieser Forderung an.Die sozialdemokratischeRegierung in Ostpreu├čen unterMinisterpr├ĄsidentOttoBraun, der ein begeisterter J├Ąger war, erlie├č f├╝r das Elchwild zwischen 1920 und 1925 Schonverordnungen. Eine von Forstmeister Schirmacher, Oberf├Ârster von Nemonien, durchgef├╝hrte Z├Ąhlung ergab einen Elchbestand von weniger als 200 St├╝ck, worauf der Oberpr├Ąsident eine dreij├Ąhrige Schonung verf├╝gte. So stieg der Wildbestand bis 1925 wieder auf 500 St├╝ck an. Danach wurde in gr├Â├čeren Waldgebieten wieder eine moderate Bejagung zugelassen, weil die auch den Verbiss- und Sch├Ąlschaden zu tragen hatten. So erh├Âhte sich der Bestand bis 1932 auf rund 1000 St├╝ck und dar├╝ber hinaus auf 1500 St├╝ck. Damit war der Elchbestand in der ostpreu├čischen Elchniederung gesichert. Ansonsten gab es in Deutschland keine Elche mehr.
  So f├Ąllt der H├Âhepunkt der Elchhege in die letzten 25 Jahre von 1925 bis 1945. Danach beendet zugleich das Ende des Zweiten Weltkrieges das wertvolle Werk selbstloser J├Ąger und F├Ârtster.
  An einige Namen sei hier erinnert: es sind die Hegemeister Rodewald (Tawe), Riedel (Inse), Knoefel (Pait), Wallin (Gilge), und die F├Ârster Weber (Kastaunen II), Quednau (Siberien), Schulz (Matzgirren), der Oberf├Ârster Meyer (Tawellinken), der Waldforstmeister Wrobel, der Elchj├Ągermeister Kramer (Pait) und der Oberf├Ârster Orlowski (Tawellingken). Sie und alle Ungenannten haben sich um den Erhalt des Elchwaldes in Ostpreu├čen ├Ąu├čerst verdient gemacht. Das kann mal allerdings nicht vom letzten Jagdherrn im Elchwald sagen. Der sogenannte ÔÇ×Reichsj├Ągermeister“ G├Âring und seine Jagdg├Ąste, betrieben die Jagd auf kapitale Elchschaufler ungez├╝gelt und ma├člos. Die Nutzung der Elchschaufler war nicht mehr nachhaltig. Viele Hirsche wurden zu fr├╝h gestreckt; der zahlenm├Ą├čige Bestand konnte dadurch aber nicht mehr negativ beeinflusst werden. Aber qualitativ wurde dem Elchwild Schaden zugef├╝gt. Besonders begehrt waren die kapitalen Schaufler, von denen es aber zu wenige gab, so dass viele Elche viel zu jung gar nicht die obere Altersklasse erreichten.
  1945 war das alles zu Ende. DerElchbestandwurde┬Ěwieimmer nach Kriegen und menschlichen Katastrophen zusammengeschossen. Direkt nach dem Krieg wurde derElchbestand von russischen Soldaten ausgerottet. Seit Ende der 1950er Jahre sind aus Litauen wieder Elche in den Elchwald zugewandert. Ferner wurden inden1960erJahrenaus Wei├črussland und dem Moskauer Gebiet Elche wiedereingeb├╝rgert. Am Ende diesesJahrzehntssollen wieder 500 Elche vorhanden gewesen sein, so dass seit 1969 auch wieder gejagt werden durfte. In den Folgejahren vermehrte sich das Elchwild bis in die 1980er Jahre sehr stark auf 1800 St├╝ck. 2005 wurde ein Bestand von 1300 St├╝ck angegeben und ein j├Ąhrlicher Abschuss von 200 bis 250 St├╝ck.
  Der Forstprofessor Horst Kramer aus G├Âttingen, Sohn vom letzten Elchj├Ągermeister Hans Kramer, schildert die heutige Situation in Nordostpreu├čen in der vierten erweiterten Auflage 2006 des Buches seines Vaters ÔÇ×Elchwald - einst und heute" wie folgt:
  ,,Der heutige Zustand des Elchwaldes. seiner Landschaft, seiner W├Ąlder und seines Wildbestandes muss nicht nur den Forstmann sehr betr├╝ben. Eine jahrzehntelange Aufbauarbeit einer naturgerechten und wirtschaftlich erfolgreichen Forstwirtschaft, verbunden mit einem die Belange des Waldbaus ber├╝cksichtigenden, weltweitbekannten Jagdbetrieb, ist vernichtet worden. Der Besucher des Elchwaldes und seiner Umgebung ist nach wie vor best├╝rzt ├╝ber die Situation der D├Ârfer und der Land- und Forstwirtschaft. ...
W├Ąhrend bis vor Kurzem alle Erinnerungen an die deutsche Vergangenheit beseitigt wurden, l├Ąsst man sie heute nicht nur in K├Ânigsberg wiederaufleben. Im Elchwald wurde neben der Renovierung und Unterhaltung einiger alter Forstgeh├Âfte vor allem die Instandsetzung der Geb├Ąude von Pait (ein ehemaliges kaiserliches Jagdhaus) z├╝gig in Angriff genommen und zum Teil bereits abgeschlossen."
 

Erinnerung an das ostpreu├čische Pferd

Das Heeres-Remonteamt - Neuhof-Ragnit

   Wie kein anderes deutsches Pferd verk├Ârperte das ostpreu├čische Warmblut mit seiner ranken Gestalt, seinen langen, schlanken Beinen, der breiten Brust, dem sch├Ân geschwungenen Hals und seinem zierlichen Kopf Adel und Sch├Ânheit. Es zeichnete sich durch Z├Ąhigkeit, H├Ąrte, Ausdauer und Gen├╝gsamkeit aus und stellte damit einen Pferdetypus dar, der den besonderen klimatischen Verh├Ąltnissen Ostpreu├čens in idealer Weise entsprach.
  Es war der Tierliebe und Pferdeleidenschaft der ostpreu├čischen Gutsbesitzer und Z├╝chter zuzuschreiben, dass solche herrlichen Gesch├Âpfe in fortgesetzter Reinheit gesichert wurden. Der eigentliche Z├╝chter aber war der kleine ostpreu├čische Bauer, der seine zwei bis drei Pferde hielt. Von ihm lie├č sich der gro├če Z├╝chter und auch der Z├╝chter mit einem kleineren Stutenbestand die Absatzfohlen liefern, um die Zahl ihres Fohlenjahrganges zu vervollst├Ąndigen und dann sp├Ąter die richtige Anzahl Remonten* liefern zu k├Ânnen.
  So ist es nur zu verst├Ąndlich, dass sich das ostpreu├čische Pferd ob seiner hervorstechen┬ş den Eigenschaften im In- und Ausland einer gro├čen Beliebtheit erfreute. Der hervorragende Ruf dieses Warmblutes weckte aber auch das ganz besondere Interesse des Milit├Ąrs.
  In Ostpreu├čen gab es f├╝nf Heeres-Remonte├Ąmter. Das Heeres-Remonteamt Neuhof┬ş Ragnit war mit seinen Gutsbetrieben das gr├Â├čte unter ihnen. Es lag ungef├Ąhr auf halber Wegstrecke zwischen Ragnit und Tilsit, inmitten einer reizvollen Landschaft. Das Hauptgut Neuhof-Ragnit und die Vorwerke Klein-Neuhof und Kraken (Krakonischken) bildeten die Inspektion 1, der zuletzt Remonteamtsinspektor Goldmann vorstand. Zur Inspektion 2, die von meinem Schwiegervater, Remonteamtsoberinspektor F├Ârster, geleitet wurde und dem ich eine Reihe detaillierter Angaben f├╝r diesen Bericht verdanke, geh├Ârten die Vorwerke Schalau (Paskalwen) mit dem angegliederten Gut Girschunen, Damnitzhof (Gudgallen) und Heidenanger (Bambe). Von den 1.500 ha landwirtschaftlicher Nutzfl├Ąche entfielen etwa 900 ha auf Ackerland und 600 ha auf Gr├╝nland, wovon ungef├Ąhr die H├Ąlfte als Wiesen im gro├čen Memelbogen zwischen Georgenhof und Ragnit lagen.

  Welche Aufgabe hatten nun die Heeres-Remonte├Ąmter?
  Allj├Ąhrlich imFr├╝hjahr wurden in der Presse Termine bekanntgegeben, zu denen Dreij├Ąhrige f├╝r das Milit├Ąr aufgekauft werden sollten. Die Z├╝chter brachten ihre Pferde an die vereinbarten Orte und f├╝hrten sie auf diesen RemoRemntierungskommission - Pferdepr├╝fstandntem├Ąrkten einer Remontierungskommission, die zumeist aus dem “Remontepr├Ąses”, zwei Offizieren, einem Veterin├Ąr und dem Zahlmeister bestand, zur Musterung vor. Der Milit├Ąrtierarzt untersuchte Augen und Gebiss, nahm die Hufe in Augenschein, stolzierte um das Pferd herum und musterte jede Stelle des K├Ârpers genau. An der Trense wurde das Pferd dann vorgef├╝hrt, zuerst im Schritt, dann im Trab. Dabei beobachtete die Kommission insbesondere die Gangart. Nach der Musterung und Untersuchung wurde dann f├╝r die als tauglich befundenen Pferde sofort der endg├╝ltige Preis festgesetzt.
  Diese Remonteankaufskommissionen suchten aber auch G├╝ter auf. F├╝r einen solchen Gutsbetrieb war der ÔÇ×Remontetag" immer ein gro├čes Erlebnis. Er brachte Abwechslung in das t├Ągliche Einerlei, aber auch die Anerkennung der z├╝chterischen Leistung des jeweiligen Besitzers, die nicht nur in ideeller Weise zu Buche schlug, sondern sich insbesondere in klingender M├╝nze auszahlte. Schon Tage vorher wurden die Remonten besonders reichhaltig gef├╝ttert, getr├Ąnkt und solange gestriegelt, bis das Fell wie Seide gl├Ąnzte. Sie wurden regelrecht ÔÇ×aufgeputzt". Pferdepfleger schnitten den Tieren Schweif und M├Ąhne und k├Ąmmten das Haar sorgf├Ąltig aus. Im Stall gab es ein Gro├čreinemachen. Nach dem Ausmisten wurde frisches Stroh gesch├╝ttet, die St├Ąlle durchgel├╝ftet. Der Gutshof wurde gefegt und geharkt. Alles sollte den besten Eindruck vermitteln, wenn die Kommission anr├╝ckte. Die zu einem guten Preis gekauften Pferde kamen dann in die Remonte├Ąmter, wo sie auf den Milit├Ąrdienst vorbereitet wurden.

In Schalau standen immer zwischen 70 und 90, in Damnitzhof ungef├Ąhr 120 Remonten. Der Zweck der ├ťbung im Einzelnen war der, die aus verschiedenen St├Ąllen kommenden Tiere an die Gemeinschaft mit anderen Pferden zu gew├Âhnen. Dazu wurden sie zu Gruppen von 20 Pferden in einem Stall untergebracht. In dieser Vorbereitungszeit fand auch die Durchseuchung statt. Dar├╝ber hinaus wurde die k├Ârperliche Entwicklung gef├Ârdert durch gleichm├Ą├čige F├╝tterung, Bewegung der Pferde in eigens daf├╝r hergerichteten Bewegungsbahnen, Abh├Ąrtung und regelm├Ą├čige Hufpflege. Allein ein Viertel der in Ostpreu├čen aufgekauften Pferde stand im Heeres-Remonteamt Neuhof-Ragnit und den dazugeh├Ârigen Vorwerken.
  Nach der einj├Ąhrigen Vorbereitungszeit fand dann auf dem Amt die Remontemusterung statt, bei der schon ├╝ber die Verwendung des Pferdes entschieden und die Verteilung vorgenommen wurde. Allj├Ąhrlich im Sommer hie├č es dann Abschied nehmen, wenn die Kommandos verschiedener Reiterregimenter aus der Provinz und aus dem Reich kamen, um die Remonten abzuholen.
  Der landwirtschaftliche Betrieb gestaltete sich im Gro├čen und Ganzen wie der einer Dom├Ąne. Angebaut wurden insbesondere Kartoffeln und Getreide (Hafer, Roggen, Weizen). Die Roggen- und Weizenertr├Ąge wurden verkauft, der Hafer diente den Remonten als Futter.
  Das Gras auf den ausgedehnten Memelwiesen wurde zweimal im Jahr gem├Ąht. In Heidenanger f├╝hrten diese Arbeit beispielsweise einzelne Bauern durch, denen von vornherein mit Pf├Ąhlen abgesteckte Parzellen in der Gr├Â├če von vier Morgen zugeteilt waren. Nach dem ersten Schnitt setzten sie das Heu dann in gro├če Haufen auf, und zwar 10 Haufen pro Parzelle. Je zwei der Haufen wurden ihnen dann jeweils als Deputat von dem Inspektor des Remonteamtes zugeteilt, die sie sofort mit langen B├╝schen markieren mussten. Die verbleibenden acht Heuhaufen wurden von ihnen mit ihren Fuhrwerken in die zum Amt geh├Ârende Feldscheune eingefahren. Von Schalau, Neuhof-Ragnit und Damnitzhof aus verbrachte man das Heu dann im Winter viersp├Ąnnig mit gro├čen Schlitten in die heimischen St├Ąlle, wo es den Pferden als Rauhfutter diente. Von dem zweiten Schnitt (Grummet) erhielten die Bauern f├╝r die F├╝tterung ihres Milchviehs sechs bis acht Heuhaufen. Das verbleibende Heu kam dem Deputatvieh auf dem Hauptgut und auf den Vorwerken zugute.

  Was die ├Ârtliche Lage und die damit im Winter und Fr├╝hjahrverbundenen Schwierigkeiten anbelangt, stellte das Vorwerk Kraken eine Besonderheit erster G├╝te dar. Es lag im ├ťberschwemmungsgebiet der Lankaswiesen, dort wo die Memel durch den Rombinus** in einem gro├čen Bogen in Richtung Tilsit abgedr├Ąngt wurde. ÔÇ×Hier wohnten vier lnstmannsfamilien" , so berichtet Remonteamtsinspektor Goldmann, ÔÇ×welche zur Bewirtschaftung und im Sommer zur Remontebetreuung ein gewisses Einsiedlerleben f├╝hrten." Und der ehemalige Beamte f├Ąhrt fort: ÔÇ×Sie bewohnten ein massives Mehrfamilienhaus, auf einem Hochkeller aufgestockt, um die Bewohner w├Ąhrend einer Hochwasserperiode vor Sch├Ąden an Leib und Gut m├Âglichst zu bewahren. Das Fr├╝hjahrshochwasser 1943 drang aber doch bis in die Wohnr├Ąume, da ein au├čergew├Âhnlich hoher Pegelstand herrschte.
  Das Deputatvieh wie K├╝he, Schafe und Gefl├╝gel, aber auch ein Wirtschaftsgespann von vier Pferden wurden bei hohem Wasserstand und Eisgang auf dem Boden eines massiven Remontestalls untergebracht. Die Belegschaftsfamilien mussten sich schon vor Weihnachten mit einem erheblichen Vorrat des t├Ąglichen Bedarfsversehen. Diese so abseits wohnenden Familien waren ohnehin auf eine recht autarke Hauswirtschaft eingerichtet. Die Hauptnahrungsg├╝ter kamen aus Hausschlachtung und eigener Milch┬ş bzw. Butterversorgung und Brotbacken. H├╝hner deckten den t├Ąglichen Eierbedarf, und an G├Ąnsen, Enten und Puten mangelte es auch nicht, um eine abwechslungsreiche K├╝che zu erm├Âglichen.
  Stand das Hochwasser nicht h├Âher als 50 bis 60 Zentimeter ├╝ber dem Wiesengel├Ąnde und dem Zufahrtsweg zum Hauptgut, war eine Verbindung mittels Gespann oder Schlepper noch m├Âglich. Bei h├Âherem Wasserstand erm├Âglichte ein Kahn, in den letzten Jahren mit Motor, einen Personen- und Versorgungsverkehr, zu dem auch die ├ťberfahrt der schulpflichtigen Kinder zur amtseigenen Schule geh├Ârte. In schweren Krankheitsf├Ąllen mussten auch Arzt und Hebamme diese Kahnpartie mitmachen. Fast drei Kilometer war die Strecke lang."

Das Heeres-Remonteamt Neuhof-Ragnit wurde von Oberst Perl-M├╝ckenberger geleitet.
Der leitende landwirtschaftliche Beamte war Amtmann Stottmeister.

 *Remonte – frz. Ersatzpferd, hier: drei-und vierj├Ąhrige Pferde, die f├╝r die j├Ąhrlich ausgemusterten Pferde ben├Âtigt wurden.
**Rombinus – heiliger Berg der Litauer aus heidnischer Zeit 

Die Tilsiter Br├╝cken im Wandel der Zeiten   Hans Dzieran 2017

   Im Oktober dieses Jahres sind es 110 Jahre, seitdem die K├Ânigin-Luise-Br├╝cke entstand. Anlass genug, um an das eindrucksvolle Tilsiter Bauwerk und an ihr Schicksal zu erinnern. Und an die wechselvolle Geschichte des Br├╝ckenschlags ├╝ber den Memelstrom.
   Schon seit der Ordenszeit besa├č Tilsit dank seiner geografischen Lage eine gro├če Bedeutung f├╝r Wirtschaft und Verkehr. Hier war der Schnittpunkt zweier bedeutender Handelswege. Das war einmal der m├Ąchtige Memelstrom als Wasserstra├če und zum anderen die Landverbindung ins Baltikum, die genau an dieser Stelle den geeigneten ├ťbergang ├╝ber die Memel fand, denn ├Âstlich von Tilsit erschwerten diluviale Steilh├Ąnge und im Westen die sumpfige Niederung des Deltas eine Strom├╝berquerung.
   Die Menschen, die h├╝ben und dr├╝ben am Memelstrom lebten, betrachteten den Fluss nie als Grenze. Er stellte f├╝r sie eine zentrale Achse und ein gemeinsames Element dar. Von Anbeginn war die Verbindung zwischen den beiden Ufern ein besonderes Anliegen.
   Die ├ťberquerung der Memel wurde im Mittelalter mit Hilfe von F├Ąhren bewerkstelligt. Die erste F├Ąhrverbindung lie├č Herzog Albrecht um 1600 errichten. Sie wurde rEine h├Âlzerne Schiffsbr├╝cke war der Vorl├Ąufer der K├Ânigin-Luise-Br├╝ckeeichlich genutzt und reichte schon bald nicht mehr aus. Nach dringenden Bitten der Stadt erhielt man die herzogliche Genehmigung zum Bau einer eigenen F├Ąhre, der sogenannten Stadtf├Ąhre. Mehr als hundert Jahre transportierten die beiden F├Ąhren Personen und Waren ├╝ber den Strom. Doch sie hatten gro├če M├╝he, den st├Ąndig wachsenden Handelsverkehr zu bew├Ąltigen, zumal bei Eisgang und Hochwasser der ├ťbergang zum Erliegen kam. Nur bei Dauerfrost erlaubte das tragf├Ąhige Eis eine Verbindung zwischen beiden Ufern.
   Abhilfe konnte nur eine Br├╝cke schaffen. Es waren ausgerechnet die Ereignisse des Siebenj├Ąhrigen Krieges, die zum Bau einer Br├╝cke ├╝ber den Memelstrom f├╝hrten. Die Russen hatten 1758 Tilsit erobert und hielten Ostpreu├čen vier Jahre lang besetzt. Nicht nur wirtschaftliche Gr├╝nde, sondern vorrangig milit├Ąrstrategische Erfordernisse machten den Bau einer Flo├čbr├╝cke durch russische Pioniertruppen notwendig. Die Br├╝cke stand allerdings nur vier Jahre und  wurde beim Abzug der Russen wieder zerst├Ârt.
   Die Tilsiter hatten inzwischen den Vorteil einer Br├╝cke kennen und sch├Ątzen gelernt und wurden beim K├Ânig vorstellig. Friedrich der Gro├če willigte ein und  gab den Bau einer Br├╝cke in Auftrag. Sie wurde im Jahre 1767 in Betrieb genommen. Es war eine 340 m lange Schiffsbr├╝cke, die auf 36 Pontons ruhte. Sie erm├Âglichte einen aufbl├╝henden Handel und Wandel.

 
 
Bild 1  Eine h├Âlzerne Schiffsbr├╝cke war der Vorl├Ąufer der K├Ânigin-Luise-Br├╝cke.
             Sie existierte 140 Jahre lang        Foto Archiv

   An Markttagen und zu Zeiten des Tilsiter Jahrmarkts kamen nicht nur die Bauern aus den diesseits des Stroms gelegenen D├Ârfern in die Stadt, sondern genau so viel Fuhrwerke str├Âmten von jenseits der Memel ├╝ber die Br├╝cke auf den Tilsiter Markt.
   Lebhafter Verkehr herrschte auch w├Ąhrend der Heuernten. Zahlreiche Landwirte hatten ihre Wiesen auf der rechten Memelseite und transportierten das Heu ├╝ber die Br├╝cke zum Tilsiter Heeresproviantamt oder auf ihre H├Âfe.
   Von gro├čem Nachteil war, dass die Br├╝cke bei den enorm anwachsenden Warenstr├Âmen zweimal t├Ąglich auseinandergeschwenkt werden musste, um Schiffe, Boydaks und Holzfl├Â├če durchzulassen. Und vor Beginn des Winters wurde sie v├Âllig abgeschwenkt und ruhte bis zum Fr├╝hjahr im Tilszelehafen. Der Verkehr ├╝ber die Memel wurde dann von der K├Âniglichen Trajektanstalt notd├╝rftig mit Hilfe von F├Ąhrk├Ąhnen oder -schlitten durchgef├╝hrt. Bei starkem Eisgang oder Hochwasser kam der Verkehr v├Âllig zum Erliegen. Deshalb brachte der Bau einer Eisenbahnbr├╝cke ├╝ber den Memelstrom im 1905. W├Ąhrend des Br├╝ckenbaus verband eine Pontonbr├╝cke beide UferJahre 1875 eine gewisse Erleichterung. Sie verf├╝gte nicht nur ├╝ber einen Gleisk├Ârper, sondern  auch ├╝ber eine Fahrbahn f├╝r Fuhrwerke, die au├čerhalb der Zugverkehrszeiten genutzt werden durfte.
  
Doch um die Jahrhundertwende wurde immer deutlicher, dass ein moderner Br├╝cken├╝bergang geschaffen werden musste, der den wachsenden Anspr├╝chen von Handel, Verkehr und Schifffahrt gerecht wurde. Den Bem├╝hungen von Oberb├╝rgermeister Pohl, Landrat von Schlenther und des Tilsiter B├╝rgervereins war es zu verdanken, dass der Staat als Bauherr gewonnen werden konnte. Das Projekt schuf Baurat Kersies, erg├Ąnzt durch den Geheimen Oberbaurat Anderson. Im Sp├Ątherbst des Jahres 1904 begann die Herstellung der sieben massiven Br├╝ckenpfeiler aus Naturstein. Sie schufen die Voraussetzung, der starken Str├Âmung und den Schwemmsandb├Âden der Uferregion Paroli zu bieten. Im Folgejahr brachte die Firma Beuchelt & Co den Stahlbau auf. Die fachwerkartige, harmonisch gegliederte Konstruktion gew├Ąhrleistete eine hohe Belastbarkeit der Br├╝cke. Drei elegante Stahlbogen von je 105 Meter L├Ąnge schwangen sich ├╝ber den Strom mit einer  mittleren H├Âhe von 19 Metern.
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             
Bild 2   1905. W├Ąhrend des Br├╝ckenbaus verband eine
                                                                                                                                                                                                           Pontonbr├╝cke beide Ufer.  Foto Archiv 


Einweihung der K├Ânigin-Luise-Br├╝cke durch Prinz Friedrich Wilhelm von Preu├čen.   Die Gesamtbreite der Br├╝cke betrug 12,55 Meter; die Breite der Fahrbahn 7,20 Meter. An der S├╝dauffahrt befand sich ein 12 m breiter Schiffsdurchlass mit einer Zugbr├╝cke. Die auf dem ersten Br├╝ckenpfeiler befindlichen Maschinenh├Ąuschen erm├Âglichten das Hochziehen und Senken der einarmigen Klappe in jeweils einer Minute.
   Die harmonisch gegliederte Br├╝cke hatte eine Gesamtl├Ąnge von 416 Metern. Beeindruckend  war das stadtw├Ąrtige Br├╝ckenportal. Es bestand aus Sandstein und war von zwei T├╝rmen flankiert, die in ihrer barocken Gestaltung der benachbarten Deutschordenskirche angepasst waren. Das Portal wurde zum Wahrzeichen der Stadt und fasziniert noch heute ihre Besucher. Ein Bronzerelief der K├Ânigin Luise mit der darunter befindlichen Inschrift K├ľNIGIN LUISE-BR├ťCKE kr├Ânte das Portal. Der bildnerische Schmuck der Br├╝cke wurde nach Entw├╝rfen des Regierungsbaurats F├╝rstenau durch den Bildhauer Walter aus Berlin-Friedenau ausgef├╝hrt.
   Die Baukosten der Br├╝cke beliefen sich auf rund 1,8 Millionen Mark und entsprachen der veranschlagten Summe. Die Finanzierung ├╝bernahm im Wesentlichen das Reich. Provinz und Kommune beteiligten sich mit je 10 %.

 Bild 3 Einweihung der K├Ânigin-Luise-Br├╝cke durch
            Prinz Friedrich Wilhelm von Preu├čen.  Foto Archivbruecke9

    Der 18. Oktober 1907 war ein denkw├╝rdiger Tag. Prinz Friedrich Wilhelm von Preu├čen war nach Tilsit gekommen, um die neue Br├╝cke einzuweihen. Zw├Âlf Uhr mittags hatten sich Ehreng├Ąste und Beh├Ârdenvertreter auf der Br├╝cke eingefunden. Tausende von Tilsitern s├Ąumten den Platz vor der Br├╝cke. Ein S├Ąngerchor intonierte ÔÇ×Lobe den Herren“ und ÔÇ×Die Himmel r├╝hmen des Ewigen Ehre“. Die Festredner erinnerten an das einhundert Jahre zur├╝ckliegende Ereignis des Tilsiter Friedens. Er hatte Tilsit in der Weltgeschichte ber├╝hmt gemacht. Seitdem stand die Stadt in allen Schulb├╝chern und Reisef├╝hrern. Hier auf dem Memelstrom gab es das historische West-Ost-Treffen von Kaiser Napoleon und Zar Alexander. Die wahre Heldin f├╝r die Tilsiter aber war und blieb K├Ânigin Luise. So war es nur logisch, dass die Br├╝cke ihren Namen erhielt. Nach dem Taufzeremoniell wurde  das Bauwerk feierlich seiner Bestimmung ├╝bergeben. Voller Begeisterung str├Âmten die Menschen auf die Br├╝cke.  Viele nutzten auch Dampferfahrten, um die Br├╝cke vom Strom aus in Augenschein zu nehmen. Bis in die Abendstunden feierte die begeisterte Menge bei den Kl├Ąngen eines Promenadenkonzerts die Br├╝ckenweihe.


                                                                                                                                                                                                                   
Bild 4   Anl├Ąsslich der Br├╝ckeneinweihung wurde
   Um 1935. Die K├Ânigin-Luise-Br├╝cke in friedlichen Zeiten                                                                                                                                                                                                                              diese Gedenkmedaille gepr├Ągt    Foto Archiv

    Zur Erinnerung an das denkw├╝rdige Ereignis wurde eine Medaille herausgegeben. Sie hatte einen Durchmesser von 5 cm und trug auf der Vorderseite eine Abbildung der Br├╝cke mit dem Datum der Einweihung und dem Schriftzug ÔÇ×K├Ânigin Luise-Br├╝cke ├╝ber die Memel, Tilsit“. Auf der R├╝ckseite befand sich ein Portr├Ąt der K├Ânigin Luise.
  
Die ersten sieben Jahre nach der Einweihung trug die K├Ânigin-Luise-Br├╝cke zu einem enormen Wirtschaftsaufschwung bei. Doch dann drohte Ungemach. Der erste Weltkrieg brach aus. Um die Russen am Eindringen nach Ostpreu├čen zu hindern, wollte das Milit├Ąr die Br├╝cke sprengen. Nur durch das Verhandlungsgeschick des Oberb├╝rgermeisters blieb die Br├╝cke unversehrt.
   Als nach wenigen Wochen die Russen abziehen mussten, waren sie es, die die Br├╝cke zerst├Âren wollten. Ein k├╝hner Vorsto├č von Hauptmann Fletcher rettete die Br├╝cke.
   Der Vertrag von Versailles machte die Memel zum Grenzstrom. Das jenseitige Memelland annektierten die Litauer. Mitten auf der Br├╝cke kennzeichneten die Wappen mit dem deutschen Adler und dem litauischen Reiter den Grenzverlauf. Von nun an bestimmte zwei Jahrzehnte lang dDas traurigste Kapitel in der Geschichte der K├Ânigin-Luise-Br├╝cke: Am 22. Oktober 1944 wurde die Br├╝cke von deutschen Pionieren gesprengt.er kleine Grenzverkehr das Bild auf der Br├╝cke.

 Bild 5    Um 1935. Die K├Ânigin-Luise-Br├╝cke in friedlichen Zeiten    Foto Archiv

   Im M├Ąrz 1939 erlebte die K├Ânigin Luise-Br├╝cke einen denkw├╝rdigen Tag. Nach Verhandlungen mit der litauischen Regierung kam das Memelland wieder zur├╝ck nach Deutschland. Die Grenzwappen auf der Br├╝cke wurden abmontiert und Soldaten der Tilsiter Garnison marschierten unter dem Jubel der Menschen h├╝ben wie dr├╝ben ├╝ber die Br├╝cke ins befreite Memelland.
   Zwei Jahre sp├Ąter zogen erneut Wehrmachtskolonnen ├╝ber die Br├╝cke. Der Feldzug gegen die Sowjetunion hatte begonnen. Die Br├╝cke musste in den n├Ąchsten Jahren vorrangig milit├Ąrische Aufgaben erf├╝llen, bis im Oktober 1944 noch einmal deutsche Truppenteile die Br├╝cke ├╝berquerten, diesmal aber in umgekehrter Richtung. Die Wehrmacht zog sich auf das s├╝dliche Memelufer zur├╝ck und bezog dort eine Abwehrstellung. Am 22. Oktober kam damit f├╝r die K├Ânigin-Luise-Br├╝cke das Aus. Sie wurde von einem Pioniertrupp des Heeres gesprengt und sollte das weitere Vordringen der Russen stoppen.


                                                                                                                                                         
Bild 6  Das traurigste Kapitel in der Geschichte der K├Ânigin-Luise-Br├╝cke:
                                                                                                                                                                     Am 22. Oktober 1944 wurde die Br├╝cke von deutschen Pionieren gesprengt.
                                                                                                                                                                     Foto Kragenings 

   F├╝r die Rote Armee war nach der Einnahme von Tilsit  der Bau eines neuen  ├ťbergangs ├╝ber die Memel von absoluter Dringlichkeit.  Sowjetische Pioniere hatten b1947. Bau einer Br├╝cke in Holzkonstruktion. Diese Br├╝cke existierte 18 Jahre.ereits in der Vorbereitungsphase der Offensive Holz in den W├Ąldern des Memellandes eingeschlagen und Pfosten und Balken f├╝r den Br├╝ckenbau vorbereitet. In k├╝rzester Frist entstand eine provisorische Pfahlbr├╝cke, mit deren Hilfe Truppenverst├Ąrkungen und Nachschub f├╝r die weiteren Kampfhandlungen herangef├╝hrt werden konnten. Ihre Lebensdauer war allerdings kurz. Sie wurde im Fr├╝hjahr 1946 von Wassermassen und Eisschollen weggerissen.
  
Es galt nun, eine dauerhaftere L├Âsung zu schaffen und die gesprengte Luisenbr├╝cke wiederherzustellen. Spezialisten aus dem namhaften Kiewer Schwei├činstitut kamen nach Tilsit und zerlegten mit Schneidbrennern die im Wasser liegenden Br├╝ckenteile. Die alten Br├╝ckenpfeiler wurden saniert und neue betoniert. Gleichzeitig begann die Fertigung einer Holzkonstruktion unter milit├Ąrischem Kommando. Die Ordenskirche wurde zum S├Ągewerk umfunktioniert. Hierher lieferte ein Transportbataillon in rascher Folge Langholz aus dem Trapp├Âner Forst an. Ein Bauregiment war mit dem Zuschneiden der h├Âlzernen Bogenteile und des Fahrbahnbelags besch├Ąftigt und nahm die Montagearbeiten vor. Zeitweilig waren 3000 Soldaten beim Br├╝ckenbau eingesetzt. Bereits im Juli 1947 war die neue Br├╝cke fertiggestellt. Sie sah mit ihren drei h├Âlzernen Bogen der alten Luisenbr├╝cke t├Ąuschend ├Ąhnlich. Die Freigabe f├╝r den Verkehr nahm der Kommandeur des Baltischen Wehrbezirks vor. Am erhalten gebliebenen Portal wurde das Portr├Ąt der K├Ânigin Luise demontiert und durch das Staatswappen der Sowje┬áK├Ânigin-Luise-Br├╝cke heute┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬áFoto Rosenblumtunion ersetzt.
Bild  7    1947. Bau einer Br├╝cke in Holzkonstruktion.
               Diese Br├╝cke existierte 18 Jahre.   Foto Boiko

   18 Jahre lang rollte der Verkehr ├╝ber das neue Bauwerk. Der st├Ąndig steigende G├╝terverkehr mit immer schwerer werdenden Fahrzeugen forderte seinen Tribut. Zuletzt ├Ąchzte und wackelte der Bohlenbelag bedenklich. Den Rest besorgte 1965 ein Schwimmkran, der beim Durchfahren die Br├╝cke mit seinem Ausleger besch├Ądigte. Sie musste f├╝r den Verkehr gesperrt werden und wurde noch im gleichen Jahr abgerissen.
  
Eine zeitgem├Ą├če und dauerhafte L├Âsung musste her. Es entstand eine n├╝chterne Betonbr├╝cke in Stahl-Kastentr├Ągerkonstruktion. Interessen des Denkmalschutzes blieben unber├╝cksichtigt. Nur das s├╝dliche Br├╝ckenportal erinnerte an den einstigen Stolz der Stadt. Aber selbst dieser Anblick unterlag nach dem Zerfall der Sowjetunion erheblichen Einschr├Ąnkungen. Mit der neuen Zollgrenze zu Litauen entstand im Jahre 1992 vor dem Portal ein gro├čes Abfertigungsterminal.


                                                                                                                                                                                         
 Bild 8  K├Ânigin-Luise-Br├╝cke heute       Foto Rosenblum

 Im Verlauf der europ├Ąischen Osterweiterung erhielt die Br├╝cke zur Jahrtausendwende von der EU den Status ÔÇ×Br├╝cke des Friedens“ verliehen. Davon k├╝ndet am Memelufer ein Gedenkstein in englischer, litauischer und russischer Sprache. Eine Inschrift in deutscher Sprache sucht man vergeblich – an die deutsche Vergangenheit der Br├╝cke sollte wohl nicht erinnert werden.
   Immerhin gelangte das Br├╝ckenportal im Jahre 2003 auf die Liste der kulturhistorischen Denkm├Ąler. Die damit einhergehenden Restaurierungsarbeiten durch die St. Petersburger Firma Ekorem fanden ihren H├Âhepunkt mit der Anbringung des Portr├Ąts der K├Ânigin Luise am urspr├╝nglichen Ort. Auch f├╝r die Sanierung der arg ramponierten Fahrbahn flossen finanzielle Mittel. Die litauische Firma ÔÇ×Viadukt“ trug einen neuen Asphaltbelag auf und erneuerte Gehwege und Gel├Ąnder.
  
Dennoch wurde bald klar, dass die K├Ânigin-Luise-Br├╝cke den Anforderungen an einen modernen Schwerlastverkehr nicht mehr gewachsen war. Die Notwendigkeit einer neuen Br├╝cke ├╝ber den Memelstrom zeichnete sich ab. Sie sollte den grenz├╝berschreitenden Transit- und G├╝terverkehr fl├╝ssiger gestalten. Auch galt es dringend Abhilfe zu schaffen wegen der sich in den Stra├čen der Stadt stauenden und auf die Zollabfertigung wartenden Trucks, die mit L├Ąrm und Abgasen eine unzumutbare Belastung f├╝r die Anwohner darstellten.

 

Nach langwierigen russisch-litauischen Verhandlungen zum Bau einer neuen Br├╝cke ├╝ber den Memelstrom unterzeichneten Regierungsvertreter beider Seiten im Jahre 2011 ein entsprechendes Abkommen. Es sah vor, die Br├╝cke bei Dubki, 5 Kilometer ├Âstlich von Tilsit, zu bauen. Dubki ist das fr├╝here Paskallwen. Weil der Teil auf litauischer Seite wegen des zu querenden ├ťberschwemmungsgebiets erheblich l├Ąnger ausfallen musste, gab es zun├Ąchst Streitigkeiten bei der Aufteilung der Baukosten. Die vereinbarte Regelung sah vor, dass Russland 15 Mio ÔéČ, Litauen 17 Mio ÔéČ und die Europ├Ąische Union 10 Mio ÔéČ ├╝bernimmt.
   Verkehrsminister Igor Lewitin gab seinerzeit bekannt, dass im Zusammenhang mit dem Br├╝ckenbau auch eine Umgehungsstra├če und ein neues Abfertigungsterminal entstehen wird. Als Termin f├╝r die Fertigstellung wurde das Jahr 2014 genannt. In Tilsit atmete man auf. Endlich sollte der Schwerlastverkehr aus der Stadt verschwinden. Nach  Inbetriebnahme der neuen Br├╝cke sollte die K├Ânigin-Luise-Br├╝cke nur noch dem Fu├čg├Ąngerverkehr und Reisebussen vorbehalten bleiben.bruecke10-

                                      Bild 9 Seit 2015 ├╝berspannt die neue Br├╝cke grenz├╝berschreitend den Memelstrom   Foto M├╝ller

    Die Bauarbeiten wurden z├╝gig in Angriff genommen. Es gelang, sowohl die Zubringerstra├čen auf russischer wie auf litauischer Seite als auch die neue Br├╝cke vor zwei Jahren fertigzustellen. Der Bau wurde als v├Âlkerverbindendes Symbol der grenz├╝berschreitenden Zusammenarbeit und als wichtiger Bestandteil des transeurop├Ąischen Korridors auf dem Abschnitt Danzig-Kaliningrad-Riga geb├╝hrend gefeiert.
   Doch seit Fertigstellung der Br├╝cke ist sie in einen Dornr├Âschenschlaf gefallen. Noch ist kein einziges Fahrzeug ├╝ber die Br├╝cke gerollt. Man hatte wohl nicht rechtzeitig an die Einrichtung eines Grenz- und Zollabfertigungsterminal gedacht. Erst im Juli 2015 – die Br├╝cke war bereits fertig – erfolgte die Grundsteinlegung f├╝r eine supermoderne Abfertigungsanlage mit einer Durchlasskapazit├Ąt f├╝r 4000 Fahrzeuge pro Tag. Seitdem m├╝ht sich die Firma ÔÇ×Rosgranstroj“, die Arbeiten bis zur Fu├čball-EM im n├Ąchsten Jahr abzuschlie├čen und die Br├╝cke f├╝r den Verkehr freizugeben. Es geh├Ârt schon ein starker Glaube dazu, um bis dahin endlich Fahrzeugkolonnen ├╝ber die neue Br├╝cke rollen zu sehen.
Dieser Beitrag wurde im Tilsiter Rundbrief Nr 101 ver├Âffentlicht. Die Ver├Âffentlichung hier erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors Herr Hans Dzieran.  

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