Wappen des Kreises Elchniederung

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Die Kirche im Kreisort Heinrichswalde
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Bundesstraße 1: Hinweisschild an der Grenze wurde neu gestaltet

Hinweisschild Bundesstraße 1Aachen - „Blass und heruntergekommen hat es mit der Zeit ausgesehen, einfach nicht mehr schön“, sagte Karl-Heinz Kelch, Vorsitzender der Ostpreußen in Aachen. Von ihnen stammte auch die Idee, das Hinweisschild am deutsch-nieder- ländischen Grenzübergang in Vaals an der Bundesstraße 1 nach zehn Jahren zu ersetzen. Diese Erneuerung der ältesten Ost-West-Ver- bindung wurde durch die Kreisgemeinschaft Elchniederung gesponsert. „Als preußische Staatsstraße verband die Reichsstraße 1 Aachen mit Berlin und Königsberg. Sie führte quasi bis zu unserer Heimat. Wir sind alle gerne Aachener, doch im Herzen sind wir alle Ost- und Westpreußen, erklärte Karl-Heinz Kelch, als das neu gestaltete Schild jetzt vorgestellt wird. „Die B 1 ist Teil der längsten West-Ost-Verbindung Europas. Die geographische und geschichtliche Bedeutung möchten wir auch jüngeren Generationen näher bringen, sagte der Landesvorsitzende von Nordrhein-Westfalen, Jürgen Zauner. Zahlreiche Vorsitzende aus ganz Deutschland sind angereist, um das neue Hinweisschild zu sehen. Annelies Kelch, Gattin des Aachener Vorsitzenden, verpflegt sie mit Königsberger Klopsen, holländischem Käse, Aachener Printen und Berliner Buletten, da alle „einen Teil der Bundesstraße 1 darstellen“. Im Juli 1961 wurde das Schild erstmals aufgestellt und erinnerte zunächst an die ehemalige Reichsstraße 1. Mit dem Schild und der Formulierung waren jedoch nicht alle Bürger einverstanden“, sagt Karl-Heinz Kelch. So wurde es mehrmals besprüht und abgeschraubt. 1999 wurde der Text schließlich mit Hilfe der Stadt und der RWTH Aachen neu verfasst und wieder angebracht. „Mit dem neuen Schild wird die Geschichte nun weitergeschrieben. Es bringt zum Ausdruck, dass man diese uralte Handelsstraße nicht vergessen soll“, sagt Karl-Heinz Kelch und stößt zur Feier des Tages nach ostpreußischer Manier mit echtem Meschkinnes an.
Kreisvertreter Manfred Romeike (Aus Heimatbrief Nr. 50)

Wirtschaft   02. 02. 2010   Atomkraftwerk kurz vor Baubeginn

Atomkraftwerk-RagnitDie Größe des zukünftigen AKW lässt sich an dessen Modell erahnen. Foto: I.S.

Spätestens Anfang März sollen Bauarbeiten am zukünftigen AKW bei Neman (ehem. Ragnit) in Angriff genommen werden - genauer: Lunino (ehem. Hohensalzburg), ca. 15 südöstlich von Ragnit.

Mit der Aushebung der Baugrube werden ortsansässige Firmen beauftragt. Die Situation auf dem einheimischen Arbeitsmarkt wird dadurch wesentlich verbessert: bis zu neuntausend Bewohner aus der Stadt und Umgebung können Arbeit bekommen. Diese Angaben wurden bei einer Zusammenkunft der Gebietsregierung mit Beamten der russischen Atomkraftbehörde, Rosatom, verlautbart.

Die Spezialisten von Rosatom kamen ins Gebiet Kaliningrad, um ortsansässige Baufirmen mit Anforderungen, die an technisch komplizierte, unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen zu errichtende Industrieobjekte wie AKWs gestellt werden, bekannt zu machen.

Zur Information: Planungen zufolge soll der erste Energieblock des AKW Baltijskaja schon 2016, der zweite 2018 ans Netz gehen. Die Ros-atom-Spezialisten sind überzeugt, dass durch die Inbetriebnahme des Atomkraftwerkes Baltijskaja nicht nur der Eigenbedarf des Gebietes an Strom voll gedeckt wird, sondern auch die Wirtschaft der Region einen mächtigen Entwicklungsimpuls erfahren soll.

Es können davon in erster Linie solche Wirtschaftszweige wie Bauindustrie, Kfz-, Schiffs- und Eisenbahnverkehr profitieren. Es ist offensichtlich, dass mit dem AKW auch neue Arbeitsplätze entstehen und im Gebiet ansässige Firmen neue Aufträge erhalten werden. Abgesehen von Arbeitskräften, die während der Bauphase beschäftigt werden, sollen noch ca. 2.400 Menschen als Personal des Kernkraftwerkes einen stabilen und gut bezahlten Job bekommen. Eine neue Stadt mit 30.000 Bewohnern soll ebenfalls gebaut werden. Der Lohn der sog. “Atomschiki” wird durchschnittlich 40.000 Rubel/Monat (~ 950 €) betragen. Der Durchschnittslohn in Kaliningrad beträgt ~ 21.000 Rubel/Monat.

Des weiteren sollen bis zu mehreren Hundert anderer Fachleute zu regelmäßigen technischen Überholungen von Maschinen und Anlagen des Kernkraftwerkes herangezogen werden, so die Pressestelle der Gebietsregierung.
Aus: Nachrichten aus Kaliningrad Nr. 2 - Februar 2010 - 18. Jahrgang - Königsberger Express

Bericht zum Regionaltreffen der KG Kreis Elchniederung, Tilsit-Ragnit sowie der Stadtgemeinschaft Tilsit
am 24.04.2010 im Hotel “Haus Union” in Oberhausen.

Am Samstag, dem 24.04.2010, fand ein Nachbarschafts-Treffen der Heimatkreise Elchniederung, Tilsit-Ragnit und Stadtgemeinschaft Tilsit im Ruhrgebiet statt.

Wir, die Elchniederunger, hatten uns für den Westen der Republik entschieden; das war richtig, wie die stattliche Besucherzahl von 190 Personen, davon 76 Elchniederunger, ausdrückt. Zuerst erfolgte ein musikalischer Auftakt und die Totenehrung. Danach konnten die Kreis-bzw. Stadtvertreter die Landsleute begrüßen mit Schilderungen über die jetzige Situation in der ehemaligen Heimat. Der Ossian-Chor unter der Leitung von Herrn Brosch trug gekonnt einige schöne Lieder vor und erhielt starken Beifall.
Der Landesvertreter der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen, Herr Jürgen Zauner, hielt dann seinen Vortrag. Anschließend sang noch einmal der Chor. Es folgte das Mittagessen und viele anregende Gespräche.
Später stellte die Bürgermeisterin von Oberhausen, Frau Albrecht-Mainz, ihre Stadt vor.
Nach den Schlussworten des Kreisvertreters der Elchniederung, Manfred Romeike, und dem Ostpreußenlied ging der schöne Tag unter Landsleuten mit vielem Plachandern zu Ende.
Manfred Romeike

Festakt zum 60. Jahrestag der Charta der  Heimatvertriebenen

In Stuttgart haben die deutschen Heimatvertriebenen mit einem  Festakt an die Verabschiedung ihrer Charta vor 60 Jahren erinnert.  Vertriebenen-Präsidentin Steinbach würdigte die Bedeutung des Dokuments  für die friedliche Entwicklung in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg.  Zugleich forderte sie erneut, den 5. August zu einem 'Nationalen  Gedenktag für die Opfer der Vertreibung' zu machen. Bundestagspräsident  Lammert betonte, die Charta sei von historischer Bedeutung. Sie habe  innenpolitisch radikalen Versuchen den Boden entzogen und außenpolitisch den Kurs der Einigung und Versöhnung vorbereitet. An der Feier nahmen  auch Innenminister de Maiziäre und Vizekanzler Westerwelle teil.

Gewaltloses Streben nach  Gleichberechtigung

Die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, erinnerte  bei MDR INFO an die Bedeutung der Charta und die fast Übermenschliche  Leistung, die die Vertriebenen damit erbracht hätten. Mit der Charta  hätten sie zum friedlichen Wiederaufbau beigetragen. Zugleich erneuerte  Steinbach die Forderung ihres Verbandes, den 5. August zum Gedenktag für Vertriebene zu erklären. Die Vertriebenen hätten ihn verdient, weil sie sich um Deutschland verdient gemacht hätten.

Streit um nationalen Gedenktag

Im Gegensatz dazu sprach sich Bundestagspräsident Norbert Lammert gegen  einen nationalen Gedenktag für die Opfer der Vertreibungen aus. Der  CDU-Politiker sagte im RBB-Inforadio, er halte das Anliegen zwar nicht  von vornherein für unberechtigt. Es gebe jedoch inzwischen so viele  routinemäßige Jahrestage, dass der eigentliche Zweck solcher Gedenktage  damit eher versperrt als wirklich akzentuiert werde.

Linke und Grüne kritisieren Charta

Grüne und Linke im Bundestag nutzten den Jahrestag zur Kritik. Der  Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, sagte, die  Erklärung sei historisch einseitig. Sie beschränke die Problematik zu  sehr auf das Schicksal der deutschen Vertriebenen. Die Innenexpertin der Linken, Ulla Jelpke, sprach von einem "Dokument des Revanchismus". Ein  Bekenntnis zu Versöhnung und Frieden sei nur schwer herauszulesen. Die  Verbrechen der Deutschen im Zweiten Weltkrieg und der Holocaust würden  komplett verharmlost.
Sie können in fast jeder Tageszeitung Artikel mit Würdigungen, Kommentaren, Kritiken finden. Hiermit sei nur grundsätzlich daran erinnert, dass diese Charta bereits vor 60 Jahren beschlossen und veröffentlicht wurde.

Freitag, 10.12.2010
Neuer Checkpoint: Kaliningrad rückt näher an Europa
Ein Monument an der Schengen-Grenze: Das neue Grenzterminal Mamonowo-2 (Foto: TV/.rufo)
 Kaliningrad. Im Gebiet Kaliningrad ist der neue Grenzübergang  Mamonowo-2 eröffnet worden. Der moderne Komplex soll die langen  Wartezeiten an der Grenze zwischen Russland und der EU künftig deutlich  verkürzen.
Mamonowo-2 soll die Belastung der drei bestehenden Grenzübergänge  zwischen Russland und Polen deutlich senken. Bislang mussten die  Kaliningrader oft stundenlang im Stau vor der Grenze stehen, um nach  Polen zu kommen. Am neuen Grenzübergang, ausgestattet mit der modernsten Technik, geht es zumindest bislang noch ohne größeres Anstehen.
18 Jahre für Realisierung des Grenzübergangs
Der  Grenzübergang ist ein Gemeinschaftsprojekt von EU und Russland. Lange  hat es gedauert, ehe das Projekt realisiert wurde. Die ersten Pläne  dafür wurden schon 1992 aufgestellt. Doch bis 2006 hat es gedauert, ehe  die Bauarbeiten überhaupt begonnen haben. 2008 wurde der Grenzübergang  auf polnischer Seite fertig gestellt, nun ist auch Russland fertig.
Beide Seiten haben je etwa 13 Mio. Euro zur Finanzierung beigetragen.  Dafür wurde ein gigantischer Komplex errichtet, der sogar über eine  eigene Wärme- und Stromversorgung verfügt.
24 Spuren für Abfertigung
Für die staugeplagten Autofahrer  dürften aber speziell die 24 Spuren, die eine Abfertigung von 4.000  Fahrzeugen pro Tag ermöglichen, ein sichtbarer Beweis dafür sein, dass  das Geld gut angelegt ist. Immerhin ist die Abfertigungskapazität von  Mamonowo-2 dreimal so hoch wie in Bagrationowsk, der bislang als größter Grenzübergang zwischen Russland und Polen galt.
Schlagloch-Slalom auf der alten Reichsautobahn
Künftig sollen über Mamonowo-2 50 Prozent des gesamten Güter- und  Personenverkehrs zwischen beiden Ländern abgewickelt werden Dafür muss  allerdings noch die Qualität der Straße im Gebiet Kaliningrad selbst  verbessert werden.
Dabei handelt es sich um die Jahrzehnte lang im Dornröschen-Schlaf  liegende ehemalige “€žReichsautobahn Berlin” - €“Königsberg”, die bislang von  der Grenze unterbrochen war. Das letzte Teilstück vor der Grenze ist  zwar gut asphaltiert, doch 15 Kilometer hinter dem Terminal endet der  glatte Asphalt und die Autofahrer erwartet ein Schlagloch-Parcours.

Kaliningrads Gouverneur Nikolai Zukanow verspricht allerdings auch hier Besserung. —Die Straße wird zweifellos  repariert. Außerdem besprechen wir jetzt die Reparatur der so genannten  Berliner Brücke über den Pregel. Es wird ein Auftragnehmer ausgewählt  und innerhalb von drei Jahren wird die Brücke gebaut”, sagte der  Gouverneur.
Entnommen aus Kaliningrad-Aktuell (siehe Externe Links)

Holocaust-Denkmal in Jantarny eröffnet

In den Himmel gestreckte Hände erinnern am Ostseestrand von Palmnicken an das Massaker von 1945. (Foto: vesti.ru)Kaliningrad. Das Massaker von Palmnicken (heute Jantarny) war eines der letzten Nazi-Gräuel im Zweiten Weltkrieg. Erst über 60 Jahre nach Kriegsende wurde nun ein Monument an der Stelle des Verbrechens aufgestellt.
Hände, die sich gen Himmel recken und verzweifelt versuchen, sich am Leben festzuklammern: Das mehrere Meter hohe steinerne Denkmal des aus Danzig stammenden israelischen Bildhauers Frank Meisler symbolisiert den verzweifelten Überlebenskampf von über 3.000 jüdischen KZ-Häftlingen, die in der Nacht vom 31. Januar auf den 1. Februar 1945 von SS-Wachleuten am Ostseestrand von Palmnicken ermordet wurden.
Neben Meisler nehmen an der Trauerzeremonie u. a. Russlands Oberrabbiner Berl Lasar, Kaliningrads Gouverneur Nikolai Zukanow, aber auch deutsche, polnische und litauische Vertreter aus Kultur und Politik teil.
„Weder können wir noch haben wir das Recht, dieses grausige Verbrechen, das vor 66 Jahren geschehen ist, zu vergessen“, erklärt Zukanow. Dabei schien es jahrzehntelang so, als sei diese Untat tatsächlich vergessen worden.

Gnadenloser Todesmarsch ans Eis der Ostseeküste

Als die Rote Armee Ende 1944 an die deutschen Reichsgrenzen vorstieß, mussten Tausende Arbeitssklaven, herbeigeschafft aus dem KZ Stutthof, in Ostpreußen Gräben schanzen. Das sollte den Vormarsch der sowjetischen Truppen verlangsamen. Als die sowjetische Offensive begann, wurden die ostpreußischen Außenlager des KZ Stutthof aufgelöst.
Über 5.000 machten sich von Königsberg, dem heutigen Kaliningrad, auf einen Todesmarsch Richtung Ostseeküste. Wer bei der eisigen Kälte nicht Schritt halten konnte, stolperte oder sich nach dem Schnee bückte, um zu trinken, wurde von den Wachmannschaften gnadenlos erschossen.

Opfer des Massakers sind junge jüdische Frauen


Die meisten der Opfer waren junge jüdische Frauen zwischen 18 und 40 Jahren. Etwas mehr als 3.000 – die genaue Zahl ist bis heute nicht bekannt – kamen wohl am 26. Januar zerlumpt, verfroren und halbverhungert in Palmnicken an. Eine Verpflegung war nicht vorgesehen, die SS-Trupps wollten sie lebendig in einem Bernsteinbergwerk einmauern.

Doch unerwartet regt sich Widerstand in der Gemeinde: Paul Feyerabend, Reservemajor aus dem Ersten Weltkrieg und Direktor der Staatsgüter, die zum Bernsteinwerk gehören, will den Massenmord verhindern. Die Frauen können in der Werksschlosserei übernachten. Feyerabend lässt Essen an die Gefangenen verteilen.

Mit Maschinengewehrsalven ins Meer getrieben

Solange er lebe, werde es in Palmnicken kein zweites Katyn geben, erklärt er. Die SS-Truppen fügen sich nur zeitweise. Feyerabend wird unter einem falschen Vorwand mit seinen Reservisten an die Front geschickt. Die Wachmannschaften haben nun freie Hand: In der Nacht treiben sie die Gefangenen an den Ostseestrand und jagen sie mit Maschinengewehr-Salven ins eisige Meer.
Nicht alle Frauen sterben sofort. Viele werden in der Nacht nur angeschossen und quälen sich noch tagelang, andere ertrinken zwischen den Eisschollen oder erfrieren. Nur 21 Menschen überleben das Massaker von Palmnicken.

Ein vergessenes Verbrechen

Zwei Wochen später ist die Rote Armee da. Der neue sowjetische Kommandant verspricht, der Ermordeten ständig zu gedenken. Die deutschen Einwohner Palmnickens müssen die Leichen per Hand in ein Massengrab umbetten. Doch als die Deutschen 1948 aus der Gegend vertrieben werden, gerät auch die Geschichte der jüdischen Frauen in Vergessenheit.
Als Bernsteingeologen in den 60er Jahren am Strand auf Gebeine stoßen, nehmen sie an, es handle sich um sowjetische Soldaten. Es wird ein Gedenkstein „Ewiger Ruhm den Helden“ aufgestellt und es werden vier Birken gepflanzt.

Augenzeuge bringt vergessenes Unrecht wieder ans Licht

Erst in den 90er Jahren wird das lange vergessene Massaker wieder aufgerollt: Martin Bergau, ein zur Tatzeit 16jähriger Augenzeuge der Nazi-Verbrechen, hat die Erlebnisse in seinem Buch „Der Junge von der Bernsteinküste“ verarbeitet.
Bei einem Besuch seiner alten Heimat klärt er auch die Behörden über das Massengrab auf. Es dauert noch einmal über zehn Jahre, ehe nun ein Denkmal an die Opfer des Nazi-Regimes erinnert. Auch Bergau ist bei der Eröffnung des Monuments dabei.

Aus Russland-Aktuell
Montag, den 31.01.2011      
                       http://www.kaliningrad.aktuell.ru/

Unser Kirchspielvertreter Dr. Günter Spilgies regt ausgehend von obiger Meldung über die Einweihung des Holocaustdenkmals in Palmnicken/Jantarny eine Diskussion zur “Charta der deutschen Heimatvertriebenen” an. Hierzu äußerte er seine Meinung wie folgt:
Zum Massaker in Palmnicken.
Diese Thema hat mich schon mehrmals interessiert. Erstens weil ich dort ganz in der Nähe gewesen sein muss, als das passierte. Am 26. Januar 1945 waren die Russen bis an das Frische Haff nördlich von Königsberg vorgedrungen und hatten damit den Fluchtweg zwischen Königsberg und Pillau abgeschnitten. Meine Mutter mit 5 Kindern und Großeltern wurden in Nautzwinkel am Frischen Haff im Samland mit anderen Dorfbewohnern auf dem Dorfplatz zusammengetrieben und in tiefem Schnee in der Nacht nach Metgethen getrieben, dort haben wir das berüchtigte Massaker in Metgethen erlebt und überlebt. Der Weg nach Pillau wurde später von Deutschen Militär wieder freigekämpft. Wir bewegten uns immer hinter der russischen Front. Es gelang uns aber nicht, wieder in deutsch besetztes Gebiet zu gelangen, so dass wir erst im Oktober oder November 1948 Ostpreußen verlassen konnten.

Ich frage mich immer, was hat die KZ-Aufseher, offensichtlich noch in ausreichender Mannschaftsstärke, angetrieben, diesen Elendszug bis an die samländische Steilküste gewalttätig zu begleiten. Es gab doch wichtigere Dinge zu tun, entweder den Weg nach Pillau freizukämpfen, um das eigene Leben zu retten, oder sich den fliehenden Massen nach Pillau anzuschließen. Angeblich erhielt das Verbrechen an der Samlandküste mit dem Buch von Martin Bergau "Der Junge von der Bernsteinküste", erschienen 1994, erst in den 90er Jahren eine begrenzte Öffentlichkeit. Das stimmt so nicht. Völlig übersehen, auch von der Wochenzeitung "Die Zeit", wird das Buch "Wenige" von Michael Horbach, erschienen 1964 im Kindler-Verlag. Dort ist das Massaker bis in viele Einzelheiten beschrieben. Das Massaker von Palmnicken ist bereits in den 50er Jahren in der Jerusalemer Gedenk- und Forschungsstelle dokumentiert. Nach dem Erscheinen des Artikels "Endlösung am Bernsteinstrand" in "Die Zeit" Nr. 45 vom 2. Nov. 2000 haben wir einen Leserbrief an "Die Zeit" geschrieben, auf das Buch von Horbach hingewiesen und die Frage gestellt, was denn die Anwürfe gegen das "Ostpreußenblatt" beabsichtigen. Unser Leserbrief wurde in der "Zeit" nicht veröffentlicht und wir haben auch keine Antwort erhalten. Mitten im Text des Zeit-Artikels steht plötzlich der Satz: "Die aus dem Bundeshaushalt unterstützte Landsmannschaft Ostpreußen und ihr Ostpreußenblatt haben bis heute jede Kenntnisnahme verweigert und Berichte über das Massaker nicht in ihr Archiv aufgenommen". Und am Ende des Artikels steht: Und vielleicht, vielleicht wird eines Tages sogar das Ostpreußenblatt den Mut finden, seinen Lesern zu berichten, was in der Nacht des 31. Januar am Palmnicker Bernsteinstrand geschah. Diese versteckten Angriffe gegen die "Ostpreußen" macht mich wütend, als ob "die Ostpreußen" das Massaker begangen hätten.

Zu "Charta der deutschen Heimatvertriebenen"
Anfang August erschien in www.welt-online.de ein Artikel von Ralph Giordano:
Vertreibung - und davor?
Die "Charta der deutschen Heimatvertriebenen" ist kein Dokument der Versöhnung, sondern der Verdrängung. Wir sollten uns von ihr verabschieden, (siehe hier)

In fast identischem Wortlaut ist der Artikel unter dem Titel "Verräterische Leerstelle" bereits vor einem Jahr in der Zeitschrift "Jüdische Allgemeine", 05.08.2010, Ausg.31 erschienen. Offensicht haben der Artikel in der ersten Veröffentlich und auch eine Erwiderung von Rolf Josef Eibicht keine ausreichende Resonanz erreicht. Deshalb startete Ralph Giordano einen neuen Versuch in der "Welt". Die Frage ist, wen will Giordano mit seinem Artikel angreifen oder treffen? Die Vertriebenen? Vielleicht nach dem Motto: Die Vertriebenen sind selbst schuld an der Vertreibung, wie das zur Zeit eine gern geübte Praxis ist, denn die Vertriebenen sind in der Masse heute keine ernst zu nehmende Wählerschaft mehr, damit ein geeignetes Ziel, um Profil zu gewinnen.
 
Die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen hat eine moderate Erwiderung verfasst (siehe hier).


Für unsere Leser haben wir beide Artikel  nachfolgend eingefügt, damit Sie sich eine eigene Meinung bilden bzw. Entscheidung treffen können, zur Diskussion in Bad Nenndorf oder auf dieser Homepage.

Vertreibung - und davor?

Die "Charta der deutschen Heimatvertriebenen" ist kein Dokument der Versöhnung, sondern der Verdrängung. Wir sollten uns von ihr verabschieden.   Von Ralph Giordano


Am 5. August 1950, also vor 61 Jahren, wurde im Weißen Saal des Stuttgarter Neuen Schlosses auf einer Kundgebung in Anwesenheit von Mitgliedern der ersten Bundesregierung, der Kirchen und der Landesparlamente eine Urkunde aus der Taufe gehoben. Seither wird sie fast unisono gepriesen als "wegweisendes Dokument der deutschen Nachkriegsgeschichte", "beeindruckendes Zeugnis menschlicher Größe und Lernfähigkeit", kurz als "document humaine von historischem Gewicht": die "Charta der deutschen Heimatvertriebenen".

Tatsächlich ist sie ein klassisches Zeugnis deutscher Verdrängungskünste, ein Paradebeispiel geschichtlicher Selbstentsorgung. Findet sich in ihrem Text doch kein Wort von dem, was der Vertreibung vorangegangen war - als habe sie in einem historischen Vakuum stattgefunden. Die apokalyptische Vorgeschichte der Vertreibung wird ausgeblendet. Dabei rauchten 1950 die Massengräber noch, waren die Wunden, die der deutsche Angriff auf Europa geschlagen hatte, noch frisch. Wer aber nach ihren Urhebern sucht, der fahndet vergebens. Die "Charta" kappt jede Kausalität zwischen Ursache und Wirkung, ignoriert die Chronologie des Schreckens und exkulpiert damit die Primärverantwortlichen für Vertreibung und Heimatverlust - Hitler und das nationale Kollektiv seiner Anhänger.

Die Berührungsängste gegenüber der Nazizeit sind mit Händen zu greifen. Kein Wunder, wenn man sich anschaut, wer damals dem Bund der Vertriebenen (BdV) aktiv angehörte und oft genug das große Wort führte - erklärte Antisemiten, bekennende Revanchisten, ehemalige SS-Sturmbannführer, sogenannte Volksgruppenführer, einstige "Umsiedlungskommissare", ja, Mitarbeiter der Berliner Mordzentrale Reichssicherheitshauptamt - eine unvollständige Liste.

Verstörend die Dreistigkeit, mit der sich damals schwer belastete Anhänger des Naziregimes im BdV tummeln konnten. Was Wunder also, dass in der "Charta" jeder Hinweis auf deutsche Verbrechen fehlt. Eine Gruppe taucht in ihr überhaupt nicht auf - die Vertriebenen der ersten Stunde, also die irrtümlicherweise Emigranten genannten vor allem jüdischen Deutschen, die nach 1933 aus berechtigter Furcht um Leib und Leben geflohen waren. Bezeichnenderweise ist den Vätern der "Charta" der Gedanke an sie gar nicht erst gekommen. Der Blick der Verfasser ist ausschließlich auf deutsches Leid begrenzt. Was in zwei Kernsätzen der "Charta" kulminiert. Der eine:
"Die Völker der Welt sollen ihre Mitverantwortung am Schicksal der Heimatvertriebenen als der vom Leid der Zeit am schwersten Betroffenen empfinden." Am schwersten? Können da vielleicht auch Überlebende mithalten, die ihre Familien im Gas verloren hatten, Juden, Polen, Sinti und Roma? Welche Arithmetik liegt dieser Selbsterhöhung zugrunde, wie wird hier ge- und verrechnet? Aber es kommt noch schlimmer, mit dem zweiten Kernsatz: "Wir Heimatvertriebenen verzichten auf Rache und Vergeltung."

Was, um Himmels willen, soll das heißen? Darf man fragen, wer da von deutscher Rache und Vergeltung verschont geblieben ist? Und wie sie sich
geäußert hätte, wenn nicht hochherzig auf sie verzichtet worden wäre? Noch einmal einschlagen auf die Bevölkerung von Ländern, die gerade von
deutscher Herrschaft befreit worden waren? Die Wahrheit: Hier wird auf etwas "verzichtet", was gar nicht ausführbar gewesen wäre, wird ein realitätsfernes Konstrukt aufgezäumt, dessen einziger Sinn darin besteht, die hohe Moralität seiner Erfinder zu preisen. Das, und nichts anderes, steckt hinter dem stets im Brustton großmütigen Verzeihens vorgetragenen Gewaltverzicht, der Deutschland zum Gläubiger, gerade entokkupierte Länder aber zu Schuldnern der Geschichte machen will. Dieser von innerer Unaufrichtigkeit gezeichnete "Verzicht" ist der eigentliche Skandal der "Charta".

Stiehlt Kritik an ihr nun den Vertriebenen etwas von dem ungeheuren Leid, das ihnen widerfahren ist? Natürlich nicht! Auch heute noch machen einen die Bilder von 1945 fassungslos: Menschen mit kleiner Habe unterwegs, weg vom geliebten Zuhause; Menschen verprügelt, niedergeschlagen und im Winter auf offene Güterwagen verladen, darunter Kinder, die entsetzt in die Welt verfeindeter Erwachsener blicken; ein Fresko aus Schmerz, Verzweiflung und Tod. Ich will jedes Recht haben, auch über deutsches Leid zu weinen, ohne mich deshalb schämen zu müssen. Was den Strom meiner Tränen nicht um eine mindert, die ich vergossen habe und bis an mein Ende vergießen werde über die Kinder des Holocaust.

Kein Verbrechen von Deutschen rechtfertigt Verbrechen an Deutschen. Die heutigen Staatsmänner in Mittel- und Osteuropa wären deshalb gut beraten, auch da nicht zurückzuschrecken, wo die Geschichte des eigenen Landes nach 1945 nun ihrerseits Gegenstand schmerzhafter Aufarbeitung wird. Aber: Keine Geschichte der Vertreibung ohne ihre Vorgeschichte, und keine Vorgeschichte der Vertreibung ohne ihre Geschichte - die Humanitas ist unteilbar. Dieses Prinzip ist von den Verfassern der "Charta" vorsätzlich missachtet worden. Deshalb muss sie mehr als 60 Jahre danach endlich überdacht und aus der Ecke blinder Verdrängung in eine aufgewecktere Gegenwart transponiert werden. Was also wird mit dem 5. August 2011? Wieder nur die tradierte Lobpreisung, das dröhnende Schweigen über die Vorgeschichte, mit dem Tenor "Deutschland - das eigentliche Opfer der Geschichte"?

Nach meiner Kenntnis steht die heutige Führung des BdV auf einem anderen Bewusstseinsstand als die von 1950. "Hitler hat die Büchse der Pandora geöffnet" und "Der Holocaust ist ein singuläres Verbrechen, gegen das die Vertreibung nicht aufgerechnet werden kann". Das hat niemand anderer gesagt als die Präsidentin des BdV, Erika Steinbach. Zu einer Distanzierung von der "Charta" hat man sich aber noch nicht durchgerungen. Ohne diesen Quantensprung bleibt das "Grundgesetz der Vertriebenen" jedoch, was es seit über 60 Jahren ist: ein Hemmnis auf dem Wege zur Versöhnung.
http://www.welt.de/print/die_welt/debatte/article13525166/Vertreibung-und-davor.html

WELT: Steinbach antwortet auf Giordano-Kommentar vom 10. 08. 2011

Für ein geeintes Europa    Gastkommentar von Erika Steinbach

Die Charta der Heimatvertriebenen ist ein Dokument der Versöhnung. Es gibt darin weder Schuldzuweisungen noch Aufrechnung. Wohl ist es wahr,dass niemand ein Recht auf "Rache und Vergeltung" hat. Das unterstreiche ich nachdrücklich. Aber dieser Satz war von den wenigen Autoren an das Millionenheer der Vertriebenen als Botschaft, als Mahnung gerichtet. Er  hatte in der damaligen Zeit einen tiefen Sinn. Wie sah denn Deutschland und die Lage der Heimatvertriebenen 1950, im Jahr der Verkündigung der Charta, aus? Das Land lag noch weitgehend in Trümmern. Zu den obdachlosen und hungernden Einheimischen waren in den Westen Deutschlands bis zu diesem Zeitpunkt achteinhalb Millionen Vertriebene gekommen. Ohne jede Habe und zutiefst traumatisiert. Abgelehnt und häufig genug geschmäht von den Einheimischen. Die  Proklamation der Charta am 5. August 1950 war die erste gemeinsame politische Willenserklärung der Vertriebenen. Politik und Medien sahen dieser Veranstaltung mit Spannung, aber auch mit Sorge entgegen. Es gab Befürchtungen, dass sich die Entwurzelten radikalisieren könnten.

"Die Verzweiflung der Vertriebenen ist nicht zu beschreiben", berichtete die "Neue Zürcher Zeitung". Sie habe sich nur deshalb noch nie in Verzweiflungsakten geäußert, weil sie gepaart sei mit einer aus Hoffnungslosigkeit geborenen Apathie. Ruhe und Ordnung seien jedoch nur unter einer dünnen Decke bewahrt, die jederzeit brechen könne. Dieser Befund beschrieb die Realität. Der überwiegende Teil der Vertriebenen fristete zu dieser Zeit das Leben in Lagern und Notunterkünften. Über ein Drittel der Arbeitsfähigen war ohne Arbeit, ein weiteres Drittel berufsfremd oder als Hilfsarbeiter weit unter eigener Qualifikation tätig. Zu diesem Zeitpunkt, im Jahre 1950, waren sie offenkundig die "vom Leid dieser Zeit am schwersten Betroffenen" in Deutschland. Umgeben von weitgehender Mitleidlosigkeit. Die Menschen begannen die Geduld zu verlieren. Der offensive, so sehr kritisierte Satz "Wir verzichten auf Rache und Vergeltung" war nicht nur eine Botschaft nach außen, sondern vielmehr noch eine Aufforderung nach innen. Er war an die Schicksalsgefährten selbst gerichtet, solche Gefühle im Herzen nicht wachsen zu lassen, ihnen zu widerstehen.

Dieser Botschaft ist der Satz angefügt: "Dieser Beschluss ist uns ernst und heilig im Gedenken an das unendliche Leid, welches im Besonderen das letzte Jahrzehnt über die Menschheit gebracht hat." In diesen Worten sind alle Menschen aller Völker umfangen. Wer auch immer beklagt, dass die Opfer des Nationalsozialismus ausgeblendet seien, hat diesen Satz überlesen.

Die wegweisende, ihrer Zeit vorauseilende Botschaft der Vertriebenen damals aber war das postulierte Engagement für ein friedliches und geeintes Europa. "Wir werden jedes Beginnen mit allen Kräften unterstützen, das auf die Schaffung eines geeinten Europa gerichtet ist, in dem die Völker ohne Furcht und Zwang leben können. Wir werden durch harte, unermüdliche Arbeit teilnehmen am Wiederaufbau Deutschlands und Europas" ist als Selbstverpflichtung postuliert.

Erika Steinbach ist seit 1998 Präsidentin des Bundes der Vertriebenen. Sie antwortet auf einen Essay des Publizisten Ralph Giordano, den wir am
4. August auf dieser Seite veröffentlich haben. 
http://www.welt.de/print/die_welt/debatte/article13536128/Fuer-ein-geeintes-Europa.html

                                         Landsmannschaft Ostpreußen, Landesgruppe M-V
                                  17389 Anklam, Hirtenstr. 7a, Tel. 09371 - 245 688

 

                                                                   Presseinformation  

                                                                    Tag der Ostpreußen
                              Besucher-Rekord beim 17. Landestreffen der Ostpreußen in Schwerin
Schwerin – Draußen an den Masten wehten einladend große Ostpreußen-Fahnen - und drinnen umarmten sich die Menschen: Zum 17. Landestreffen der Ostpreußen am  29. September 2012 waren fast 2.400 Besucher in die große Sport- und Kongresshalle nach Schwerin gekommen, mehr als je zuvor. Die Stadt war vor 16 Jahren bereits Gastgeberin der ersten landesweiten Veranstaltung, die im jährlichen Wechsel auch in Neubrandenburg und Rostock stattfindet. Die Organisatoren hatten zuvor ca. 70 Zeitungen angeschrieben und über 2.500 Einladungen verschickt. Zahlreiche Vorankündigungen waren auch in den Heimatbriefen der ostpreußischen Kreisgemeinschaften erschienen. Erfreulich war, dass der NDR die Veranstaltung filmte und am Abend einen Kurzbericht im Nordmagazin ausstrahlte. Für einen reibungslosen Ablauf sorgten 30 ehrenamtliche Helfer aus Anklam, Schwerin und Neubrandenburg. Viele Gäste reisten gruppenweise an - drei Busse kamen allein aus Anklam und Umgebung und je ein Bus aus Wismar, Oranienburg und Hamburg. Dicht an dicht reihten sich die Pkw auf den Parkplätzen, selbst Kennzeichen aus Leipzig, Augsburg, Stuttgart und Köln waren darunter. Die Teilnehmerlisten belegten, dass Ostpreußen aus allen 16 Bundesländern gekommen waren, über 400 davon zum ersten Mal.  HambSo füllte sich die große Halle bald bis zum letzten Platz. Trotz Maximalbestuhlung fanden Spätankömmlinge nur noch auf den Rängen eine Sitzgelegenheit. Ganz selbstverständlich steuerten die Besucher ihren Plätzen zu. Denn die Tische waren wieder mit anderthalb Meter großen selbstgefertigten Tafeln aller 40 ostpreußischen Heimatkreise ausgeschildert - von Memel bis Neidenburg, von Fischhausen bis Goldap. Die dazugehörigen Anwesenheitslisten lagen gleich daneben; so konnten sich die Landsleute anhand der Eintragungen leicht finden.

Feierstunde
Zum Auftakt intonierte das Wehrbereichsmusikkorps Nr. 1 Neubrandenburg einen Festmarsch. Von den Landsleuten mit stehendem Applaus begrüßt, zogen die Fahnen aller ostpreußischen Heimatkreise in die Halle ein. Es sind zum Teil Geschenke der heutigen polnischen, russischen und litauischen Verwaltungen in Ostpreußen, welche die alten deutschen Wappen wieder verwenden. Sichtlich erfreut über den Rekordbesuch, eröffnete der Landesvorsitzende der Ostpreußen, Manfred Schukat, das Jubiläumstreffen zum 20-jährigen Bestehen der Landsmannschaft in Mecklenburg-Vorpommern und begrüßte alle Landsleute und Ehrengäste auf das herzlichste, darunter etliche Heimatkreisvertreter. Das geistliche Wort sprach Pfarrer Philip Kiril Prinz von Preußen aus Oranienburg, Ur-Urenkel des letzten deutschen Kaisers, über den treffenden Bibeltext: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ (Hebräer 13, 14). Der bedeutendste Heimatlose, Jesus Christus, hat durch sein Leiden, Sterben und Auferstehen für uns den Weg in die himmlische Heimat, zu Gott gebahnt. Pfarrer Philip von Preußen sprach mit den Ostpreußen das Vaterunser und sang den Kanon „Meine Hoffnung und meine Freude“. Zum Totengedenken mit dem ergreifenden Gedicht von Agnes Miegel „Es war ein Land“ und dem Choral „Wohin soll ich mich wenden“ aus der Deutschen Messe von Franz Schubert erhoben sich die Teilnehmer und stimmten danach gemeinsam in das Ostpreußenlied ein. Es folgten die offiziellen Grußworte und Ansprachen der Ehrengäste: Justizministerin Uta-Maria Kuder, zugleich Schirmherrin und Förderin des Landestreffens, begrüßte es, dass die Erinnerung an die Heimat lebendig bleibt, denn sie ist ein Teil der deutschen Geschichte. Traditionen bewahren heißt nicht Asche, sondern die Glut weiterzugeben. Die Landesgruppe der Ostpreußen könne sich ihrer weiteren Unterstützung sicher sein. Dieses Treffen hat das Justizministerium M-V mit 10.000 Euro gefördert. Die versammelten Ostpreußen dankten es der Ministerin mit stürmischem Applaus. Sodann hieß der Schweriner Stadtpräsident Stephan Nolte die Ostpreußen mit freundlichen Worten in der Landeshauptstadt willkommen, während der Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Hacker versicherte, weiter die Belange der Vertriebenen zu vertreten.
Erstmals war der Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, Stephan Grigat, zum Landestreffen nach Mecklenburg-Vorpommern gekommen. Sein Credo angesichts der überfüllten Halle: Ostpreußen lebt ! Auch wenn das Land als deutsche Provinz verloren ist und seine Bewohner den Totalverlust von Heimat und Eigentum hinnehmen mussten, hat Ostpreußen eine Zukunft. Die Landsmannschaft selbst ist in der Heimat aktiv – sie unterstützt die deutschen Vereine in Ermland und Masuren sowie im Memelland, unterhält Verbindungsbüros in Allenstein und Memel und organisiert kommunalpolitische Kongresse mit polnischen, russischen und litauischen Verwaltungen. Nötig bleibt aber, Ostpreußen im Bewusstsein der Öffentlichkeit, besonders der Jugend, lebendig zu halten. Dazu soll auch das geplante Zentrum gegen Vertreibungen in Berlin dienen. Mit einem Zitat von John F. Kennedy appellierte Stephan Grigat abschließend an seine Landsleute: „Frage nicht, was Deutschland für Dich tut – frage, was Du für Ostpreußen tun kannst!“ Für seine Rede erhielt der Sprecher viel Beifall. Grüße direkt aus der Heimat überbrachten Magdalena Piklaps vom Verein der Deutschen im Memelland und Barbara Rużewicz vom Dachverband der deutschen Vereine in Ermland und Masuren. Beide gratulierten Manfred Schukat zum 20-jährigen Jubiläum der Ostpreußen-Landesgruppe Mecklenburg-Vorpommern, überreichten liebevoll gefertigte Andenken und luden herzlich zum Besuch der Heimat ein. Der Landesgeschäftsführer der Deutschen Kriegsgräberfürsorge, Karsten Richter, zeichnete die Landesgruppe der Ostpreußen zum zweiten Mal mit der Anerkennungsplakette des Volksbundes in Gold aus, weil deren Reisegruppen auch in diesem Jahr wieder 15 Kriegsgräberstätten im Osten besuchten und die Arbeit der Kriegsgräberfürsorge unterstützen. Alle Redner erhielten für ihre Ausführungen nicht nur den Applaus der versammelten Ostpreußen, sondern auch Original Königsberger Sekt. Die gemeinsam gesungene Nationalhymne beendete die Feierstunde. Das Wehrbereichsmusikkorps Nr. 1 stellte mit flotten Märschen und Polka-Weisen noch einmal sein exzellentes Können unter Beweis. Die Spendensammlung während dieses Benefizkonzertes erbrachte etwa 1.500 Euro zugunsten der Deutschen Kriegsgräberfürsorge, die auch mit einem Informationsstand präsent war. Bei Nachforschungen konnten gleich sechs Soldatenschicksale für die Angehörigen aufgeklärt werden. Als der Startschuss zum Mittagessen folgte, hatte die Gastronomie der Halle ausreichend Portionen vorbereitet, die Ausgabe klappte zügig. Dicht umlagert wurden auch die Anklamer Verkaufsstände mit Heimatliteratur, Landkarten und Bärenfang, letzterer mit Rekordumsätzen von 4.500 Flaschen. Der Stand des Ostpreußenblattes (PAZ), ein Bernsteinverkauf und die Handarbeiten der Schweriner Ostpreußenfrauen vervollständigten das Angebot.


Ostpreußen hoch 3

Am Nachmittag gab es ein kulturelles Nonstop-Programm vom Feinsten: Den Reigen eröffnete der 50-köpfige Landchor Brüsewitz mit musikalischen Grüßen aus Mecklenburg. Anlässlich des Jubiläums waren 130 Mitwirkende aus allen drei Teilen Ostpreußens angereist. Aus dem Memelland kamen die Chöre „Heide“ aus Heydekrug (Šilutė), „Lied der Heimat“ aus Memel (Klaipėda) und die Musikgruppe des Hermann-Sudermann-Gymnasiums Memel extra nach Schwerin mit je zwei Tagen Hin- und Rückreise. Ihre deutschen, litauischen und ostpreußischen Volkslieder  und –tänze konnten sich hören bzw. sehen lassen und vermittelten heimatliche Atmosphäre. Aber auch die Chöre „Stimme der Heimat“ Lötzen und „Warmia“ Heilsberg hatten die weite Anreise aus Masuren und dem Ermland nicht gescheut, um in Schwerin dabei zu sein – sie gaben ihr Bestes und regten die Zuhörer zum Mitsingen und Schunkeln an. Zu den flotten Tänzen der Jugendgruppe „Tannen“ aus Osterode bildeten die Schülerinnen aus Memel spontan eine Polonaise durch den Saal – die Stimmung stieg. Inzwischen war auch der russische Kant-Chor Gumbinnen in der Schweriner Halle angekommen. Unter der Leitung von Tatjana Matwejewa boten die Sängerinnen und Sänger eine bunte Folge russischer und internationaler Volkslieder und geistlicher Choräle, aber auch deutsche und vor allem ostpreußische Volks- und Heimatlieder. Große Resonanz von seinen alten und neuen Fans erhielt ebenso Ostpreußen-Sänger Bernd Krutzinna alias BernStein aus Kiel, der den gesamten Nachmittag professionell und zügig moderierte. Auch der Shanty-Chor „De Klaashahns“ aus Rostock-Warnemünde trug mit seinem maritimen Programm sehr zum Gelingen des Treffens bei, manches Pärchen schwenkte dazu sogar das Tanzbein. Kaum einer wollte nach Hause gehen, die meisten Besucher waren bis zum Höhepunkt geblieben - dem „Großen Finale“, zu dem 180 Mitwirkende auf die Bühne gerufen wurden. Ministerialrat Ulrich Hojczyk vom Justizministerium M-V sprach der Landesgruppe der Ostpreußen seine Anerkennung aus, solch ein Programm auf die Beine zu stellen. Dann wurde mit gegenseitig gereichten Händen noch einmal das Ostpreußenlied angestimmt. Ehe die Busse abfuhren, dankte Manfred Schukat in seinem Schlusswort allen Landsleuten für ihr Kommen sowie den Helfern für ihren enormen Einsatz. Er lud die Ostpreußen ein zum 18. Landestreffen am 5. Oktober 2013 im Jahn-Sport-Forum Neubrandenburg. Im nächsten Jahr sind auch wieder zahlreiche Heimatfahrten geplant. So ging ein Tag zu Ende, der den Ostpreußen im Land viel zu geben hatte: Große Wiedersehensfreude war zu beobachten, Kontakte wurden geknüpft und Anregungen mit nach Hause genommen. Es war wohl das bisher schönste Landestreffen, und wer nicht dabei war, hat etwas versäumt. Das Echo einer Ostpreußin aus Neumünster brachte es auf den Punkt: „Mir ging das Herz auf!“
             Friedhelm Schülke, Anklam
17. Ostpreußentreffen 2012 in Schwerin

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