Der Sommer 2019, ein denkw├╝rdiger Sommer in Slawsk - fr├╝her Heinrichswalde!

 

Meine Winterreise in die Elchniederung 2019

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Sommer 2019, ein denkw├╝rdiger Sommer in Slawsk - fr├╝her Heinrichswalde!

Was machte diesen Sommer so denkw├╝rdig? Es gab bei unserem Besuch eigentlich zwei gro├če Ereignisse, das Stadtfest von Slawsk am 2. und 3. August 2019 sowie das 2. Baltische Feld vom 27. und 28. Juli 2019. Barbara Dawideit & Eduard Kondratow & Igor Rudenkow (verdeckt) geben den Weg frei
Das Besondere zur Er├Âffnung des Stadtfestes war die feierliche ├ťbergabe eines Elches aus Hufeisen, ├╝ber 600 Hufeisen ostpreu├čischer Pferde, durch unsere Kreisgemeinschaft an den Rayon Slawsk und damit f├╝r die Bev├Âlkerung des Kreises. Vorausgegangen waren dazu eine Abstimmung mit den Kirchspielvertretern unserer Kreisgemeinschaft zum Erwerb dieses Elches sowie eine vertragliche Vereinbarung zur ├ťbergabe und zum Erhalt dieses Kunstwerkes mit der Administration des Rayons Slawsk im Februar dieses Jahres. Nachzulesen im Artikel von Frau G. Bastemeyer ÔÇ×Meine Winterreise in die Elchniederung“. Alle Veranstaltungen in Slawsk fanden unter Teilnahme der ├Ârtlichen Bev├Âlkerung sowie offiziellen Vertretern der Administration aus Kaliningrad (K├Ânigsberg) und Moskau statt.

Was ist denn nun das Bedeutende oder Denkw├╝rdige daran? Unser Kreis Elchniederung hatte fr├╝her und auch heute einen Elchkopf im Wappen und es gibt in Ostpreu├čen zwei Elchdenkmale, einen in Tilsit (Sowjetsk) und einen weiteren in Gumbinnen (Gussew). Mit diesem Elch aus Hufeisen des K├╝nstlers Alik Mikschta gibt es nunmehr einen dritten Elch im ehemaligen Ostpreu├čen. Nicht zu Unrecht wurde von der lokalen Presse mit stolz betont, der Elch bleibt bei uns! F├╝r den Rayon auch deshalb von Bedeutung, weil der K├╝nstler auch aus diesem Kreis stammt. Dass es zu diesem Denkmal f├╝r den Rayon Slawsk - unseren Heimatkreis kam, verdanken wir besonders dem pers├Ânlichen Einsatz unserer Gesch├Ąftsf├╝hrerin Barbara Dawideit und dem Landrat von Slawsk Igor Rudenkow.

Der Elch steht vor dem Verwaltungsgeb├Ąude der Administration von Slawsk. Hier fand am Vorabend des Stadtfestes auch die feierliche Einweihung des Denkmals statt. Gew├╝rdigt wurde diese Feierlichkeit mit Beitr├Ągen des Landrates I. Rudenkow, des B├╝rgermeisters Eduard Kondratow, des Museumsdirektors W. Kent, unserer Gesch├Ąftsf├╝hrerin B. Dawideit und nicht zuletzt vom K├╝nstler A. Mikschta. Im Anschluss an die Einweihung ging es gemeinsam zum renovierten Kulturhaus der Stadt (fr├╝her Hotel ÔÇ×Deutsches Haus“), in welchem die feierliche Kulturveranstaltung zum Stadtfest stattfand. Neben Auszeichnungen zur Neugestaltung der Stadt erhielt auch Barbara Dawideit eine Urkunde f├╝r ihren pers├Ânlichen Einsatz um die Verdienste zur freundschaftlichen Entwicklung unserer Gemeinschaften.

Gruppenfoto vor dem Hufeisenelch des K├╝nstlers A. Mikschta nach der feierlichen Einweihung
Die Tafel am  HufelchDer Hufeisenelch vor dem Verwaltungsgeb├Ąude des Rayons Slaws

Das Stadtfest selbst ist wie schon in den letzten Jahren ein H├Âhepunkt im kulturellen Leben der Stadt, welches ├╝ber die Kreisgrenzen hinaus bekannt und beliebt ist. Die ├Âffentlichen Reden sind gepr├Ągt von den freundschaftlichen Beziehungen der Stadt zu Partnergemeinden in Polen, Litauen und Wei├črussland, dem Elisabeth-Kloster, der Hauptstadt des Oblastes , den f├╝hrenden russischen Parteien und nat├╝rlich unserer Vertretung. Zum Stadtfest k├Ânnen sich besonders K├╝nstler der Region, Ch├Âre und Jugend- und Kindergruppen pr├Ąsentieren. Auch die Reisaktivit├Ąten unserer Kreisgemeinschaft werden terminlich so gelegt, dass der Besuch des Stadtfestes erm├Âglicht wird. In diesem Jahr war Peter Westphal mit seiner Reisegruppe sowohl zur Einweihung des Denkmals als auch beim Stadtfest anwesend.Einger├╝stete Kirche August 2019

Wenn ich eingangs auf zwei gro├če Ereignisse hinwies, so m├Âchte ich auf ein weiteres Ereignis von besonderer Reichweite aufmerksam machen: Die Renovierung der Kirche von Heinrichswalde wurde in diesem Sommer begonnen. Der russische Staat stellt daf├╝r 138 Millionen Rubel zur Verf├╝gung. Bedenkt man, dass der sowjetische Staat zugelassen hat, dass die meisten kulturhistorischen Objekte, darunter besonders die Kirchen geschliffen wurden und die meisten Kirchen nur in Fragmenten existieren, so k├Ânnen wir uns ├╝ber diese Ma├čnahme ehrlich freuen. Kirchen bzw. Kirchengrundst├╝cke, die 2011 durch ├ťbertragung an die russisch-orthodoxe Kirche aktiv gottesdienstlich genutzt und renoviert wurden, bleiben erhalten. In unserem KreisVor der Austellung unseres Kreises mit W.Nienke, B.Dawideit, N.Mikschtat, L.Lobakina; A.Mikschtat ist das gegenw├Ąrtig die ev. Kirche von Kreuzingen (Bolschakowo).

Das zweite gro├če Ereignis war das 2. Baltische Feld (Baltischkoje Polje) in der N├Ąhe von Talpaki (Talplaken). Dazu wurde eine riesige Ackerfl├Ąche langfristig vorbereitet. Das 1. Baltische Feld fand vor zwei Jahren erstmalig in der N├Ąhe von Kaliningrad statt. Im vergangenen Jahr musste die Veranstaltung wegen der afrikanischen Schweinepest abgesagt werden. Jedenfalls war die Veranstaltung, man kann fast sagen das Fest, in diesem Jahr ein gelungenes Ereignis, hatte eine ungeheuer gro├če Besucherresonanz. In Spitzenzeiten gab es aus Richtung K├Ânigsberg bzw. Tilsit kommend Staus von 10 km L├Ąnge. Auf dieser Veranstaltung  stellen die Kreise ihre Leistungsf├Ąhigkeit vornehmlich landwirtschaftlich zur Schau. Hinzu kommen kulturelle Auftritte.  Dann gab es Rodeo Wettk├Ąmpfe, tierische Leistungsschauen (z.B. Milchk├╝he mit Eutern, wie man sie bei uns kennt), Leistungspfl├╝gen u.m. Von der Bev├Âlkerung hoch anerkannt war der volkst├╝mliche Besuch des Gouverneurs des Oblastes Kaliningrad, Anton Alichanow, der jedem Kreis seine Audienz erwies und auch den Sonderschauen einen Kurzbesuch abstattete. Diese Veranstaltung dr├Ąngte mir den Vergleich zur ÔÇ×Internationalen Gr├╝ne Woche Berlin“ auf, ein wenig zumindest auf nationaler Ebene. Nat├╝rlich wurden auch viele Produkte, z.B. Fr├╝chte, Honig, eingelegte Gurken, Salate, aber auch kunstgewerbliche Waren, zum Verkauf angeboten. Erg├Ąnzend m├Âchte ich meine Meinung zum Embargo bez├╝glich landwirtschaftlicher Produkte wie folgt vertreten. F├╝r den Kaliningrader Oblast oder das n├Ârdliche Ostpreu├čen wie bei uns oft f├Ąlschlich publiziert, hat es bis dato sehr positive Auswirkungen gehabt. Riesige Obstplantagen wurden angelegt, die Feldwirtschaft wurde angekurbelt, die Tierzucht wurde nicht nur quantifiziert, sondern auch wesentlich qualifiziert, Gew├Ąchshausanlagen wurden gebaut, die Bodenmelioration wird wieder verst├Ąrkt durchgef├╝hrt. All dies merkt man auch in den Kaufh├Ąusern (Magazine - gro├če und kleine), in denen mehr und mehr regionale Produkte in guter Qualit├Ąt angeboten werden. Private Reisen lohnen, Quartiere in allen Preislagen sind ausreichend vorhanden, die Stra├čen sind meist gut und wie gesagt es gibt fast alles und mit eigenem Pkw ein bSeckenburg-Boot-Routeesonderes Highlight – 1 Liter Benzin kostet 0,65 ÔéČ J. Wir beraten Sie gern.

Boot-LandschaftNach den offiziellen Veranstaltungen g├Ânnten wir uns wieder einmal einen Bootsausflug. Mit dem Boot ging es von Seckenburg (Sapowednoje) auf der Gilge, die heute etwas langweilig Matrossowka (Matrose) hei├čt, ├╝ber den Seckenburger Kanal (Primorskij Kanal, dann auf dem Nemonienstrom /Wiepe (Njemonin) und weiter auf der Timber bis zu einem verwaisten F├Ąhranleger in der H├Âhe des ehemaligen Dorfes Franzrode. Von Franzrode existiert nun wirklich nichts mehr, mit M├╝he kann am noch Fundamentreste entdecken. Dazu muss man nat├╝rlich bereit sein durch Brennnesseln zu stapfen und begleitend von M├╝cken und Bremsen attackiert zu werden. Haben wir aber gemachtL. Wesentlich ist aber, man f├Ąhrt durch eine malerische Flusslandschaft, hin und wieder sieht man vielleicht Angler, die Fl├╝sse mit ihren Wasserv├Âgeln geh├Ârten uns. Auf dem F├Ąhranleger versuchten wir zu angeln, Besucher vor uns hatten Ger├Ąte zum Grillen sowie selbstgebastelte Sitzgelegenheiten mit Tisch hinterlassen. So haben wir nach einem rustikalen Picknick mit gegrillten W├╝rstchen gest├Ąrkt den R├╝ckweg angetreten. An der Flusskreuzung Gilge/Seckenburger Kanal machten wir noch einen Abstecher nach Gilge (Matrosowo) bis zum Kurischen Haff. In Gilge kann man sogar in der Pension bei Frau Elena Ehrlich oder einem neuen Hotel ├╝bernachten. Kleiner Tipp: Die Karten von Blochplan (hier Nordostpreu├čens Norden) sind mit ihren deutschen und russischen Ortsnamen (alte und neue Namen) eine wichtige Orientierungshilfe.

Im Beitrag von G. Bastemeyer erfahren Sie auch, wie herrlich unser Ostpreu├čen selbst im Winter ist. Mallorca, ├ägypten, T├╝rkei oder Thailand kann doch jeder. Im Februar 2020 k├Ânnten wir uns treffen!

Paka – bis bald, wie der Russe zum Abschied sagt!
 Ihr Wolfang Nienke – Webmaster und neuerdings Kirchspielvertreter f├╝r die Haffd├Ârfer Inse –Tawe –LoyeFolkloregruppe
Karte: Blochplan  Nordostpreu├čens Norden
BrotangeboteVerschiedene HonigsortenGem├╝se

Barbara Dawideit & Eduard Kondratow & Igor Rudenkow (verdeckt) geben den Weg frei

Gruppenfoto vor dem Hufeisenelch des K├╝nstlers A. Mikschta nach der feierlichen Einweihung

Die Gilge bei Seckenburg

Vor der Austellung unseres Kreises mit W.Nienke, B.Dawideit, N.Mikschtat, L.Lobakina; A.Mikschtat

Meine Winterreise in die Elchniederung

Seit Jahren ist in mir der Wunsch gewachsen, das Land meiner Vorfahren einmal im Winter zu erleben, bei Schnee und Eis. Ich habe mich deshalb riesig gefreut, dass miDer Hufeisen-Elch noch vor dem winterlichen Anwesen von Nadja und Alik Mikschta in Slawsk (Heinrichswalde)ch B├Ąrbel Dawideit und Wolfgang Nienke im Auto mitgenommen haben.

Am 1. Februar 2019 morgens um 5.30 Uhr ging das Abenteuer in Tellsch├╝tz- Zwenkau bei Leipzig los. Ich hatte mir wegen des Winterwetters Sorgen gemacht, aber die Stra├čen waren ├╝berall ger├Ąumt und frei, in Deutschland, in Polen und in Russland. ├ťber Walcz (fr├╝her Deutsch Krone) und Jastrow ging es immer weiter Richtung Osten. Im fr├╝heren Schlochau machten wir Pause in einem sehr sch├Ânen Restaurant. Ich habe dort Kartoffelpuffer mit saurer Sahne gegessen und leckeren Cappuccino getrunken.  Bei Grzechotki (Mamonowo II/Heiligenbeil) haben wir die polnisch- russische Grenze problemlos schnell hinter uns gebracht. Erst auf dem letzten St├╝ck der Fahrt, kurz vor Heinrichswalde, wurde die Stra├če winterlich glatt. Und so kamen wir nach 12 1/2 Stunden Fahrt um 16 Uhr MEZ und 17 Uhr Heinrichswalder Zeit, in Slawsk, dem ehemaligen Heinrichswalde, im heutigen Oblast Kaliningrad, an. Unser Quartier bei Nadja und Alik liegt in unmittelbarer N├Ąhe des Krankenhauses von Heinrichswalde in einer ruhigen Nebenstra├če. Wir wurden wieder wunderbar von Nadja bewirtet, wie schon bei meinem Besuch im Jahr 2015. Gegen meinen Husten bekam ich sofort einen Lindenbl├╝tentee mit Honig.Kirchenschiff Heinrichswalde. Gesehen von der Holztreppe.

Die Zeit ist uns hier in Slawsk um eine Stunde voraus. Wir warteten am Abend dieser langen Tagesreise noch bis um Mitternacht auf Dieter Wenskat, den Kirchspielvertreter f├╝r Kreuzingen und Gowarten, der eigentlich zeitgleich mit uns ankommen wollte. Wir hatten keine Nachricht von ihm und machten uns gro├če Sorgen.

Am n├Ąchsten Tag hatten wir uns mit Lidia, unserer Dolmetscherin, und mit Wladeslaw Kent, dem Leiter des Museums, in der ehemaligen Friedrichstra├če verabredet. Herr Kent zeigte uns seine Sch├Ątze, von der alten Schulbank ├╝ber steinerne Kanonenkugeln (gefunden bei Kaukehmen/Kuckerneese) bis zu Brotkarten und anderen Dokumenten des 20. Jahrhunderts aus deutscher Zeit. Anschlie├čend waren wir in der nahegelegenen Kirche, in der mein Gro├čvater Ernst Loerke 1878 getauft wurde. Vom Wohn- und Gesch├Ąftshaus seiner Eltern, des Kaufmanns Louis Loerke und der K├Âllmertochter Friederike Lessing, in der Friedrichstra├če Nr. 66, musste man nur ├╝ber die Stra├če gehen - schon war man am gro├čen Eingangsportal der evangelischen Kirche. In der Kirche steige ich mit Herrn Kent die  Holztreppe nach oben. Der Blick auf das Kirchenschiff in seiner ganzen Gr├Â├če ist ├╝berw├Ąltigend, aber danach habe ich Angst, nie mehr nach unten zu kommen auf dieser wackeligen "H├╝hnerleiter".

Es wird zum zweiten Mal Abend seit unserer Ankunft in Heinrichswalde. Unser Dieter ist immer noch nicht da. Unsere Sorgen werden immer gr├Â├čer. Letzte empfangene Nachricht: man l├Ąsst ihn mit seinen vielen Hilfsg├╝tern nicht nach Russland einreisen. Seit 1. Januar 2019 darf man nur noch 25 kg pro Person nach Russland einf├╝hren- und das inklusive eigenem Gep├Ąck! Dann steht Dieter kurz vor 20 Uhr strahlend in der T├╝rGottesdienst. Mit Honigschnaps und s├╝├čem Sekt begie├čen wir unser aller Erleichterung.

Die Folge bei mir am n├Ąchsten Morgen: Ein Brummsch├Ądel. Um 10 Uhr sind wir zum Gottesdienst im Gemeindehaus in der Leninstra├čeeingeladen. Er wird von Lidia Lobakina und Wolfgang Nienke gestaltet und mit Musik untermalt, gespielt von der ehemaligen Direktorin der Musikschule. Mir f├Ąllt auf, wie sauber und adrett die Heinrichswalder gekleidet sind. Ich werde an meine Kindheit und alte Fotos von damals in "Sonntagskleidung" erinnert. Mir wird zum ersten Mal bewusst, dass diese Zeit bei uns vorbei ist. Bez├╝glich der Kleidung 1 Heinrichswaldegeht es bei uns in Deutschland doch recht l├Ąssig zu, mit Ausnahme von besonderen Festlichkeiten. Nach dem Gottesdienst tagt der Kirchenverein. Von den 37 Mitgliedern sind 13 anwesend. Danach sind wir zu einem kleinen Imbiss eingeladen. Auch hier in der K├╝che des Gemeindehauses alles supersauber und ordentlich.

Um 15 Uhr geht unser Programm weiter. Wir fahren zum Kaffeetrinken zu Schwester Barbara und Schwester Helena in das Kinderheim in der Offiziersstra├če. Sie leben dort noch mit 6 Kindern zusammen. Die anderen sind inzwischen schon selbst├Ąndig und ausgezogen.

Am n├Ąchsten Morgen, dem 4. Februar 2019, ist alles wei├č. ├ťber Nacht sind 15 cm Neuschnee gefallen. Auf meinen Wunsch hin machen wir uns auf die Suche nach der einstigen Mennonitenkirche der Memelniederung in Adlig Pokraken. Die Kirche lag malerisch in einem Bogen der Schalteik (Gro├če Selse) im Ort Grietischken, der von 1938 bis 1945 Grieteinen genannt wurde. Schon seit dem Jahr 1831 trafen sich die Mennonitenkirche Gutshs Adl PokrMennoniten hier zum sonnt├Ąglichen Gottesdienst, parallel dazu auch in Plauschwarren. Seit 1893 fanden die Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen der Mennoniten der Memelniederung und der sonnt├Ągliche Gottesdienst nur noch in Adlig Pokraken statt.

Heute ist dort nichts mehr vom ehemaligen Gotteshaus zu sehen. Wir halten auf der Stra├če, die nach Pokraken (Weidenau) f├╝hrt, und stapfen auf der linken Stra├čenseite durch einen Graben und hohen Schnee. 1948 hat die Mennonitenkirche noch gestanden. Niemand wei├č, wann sie endg├╝ltig verschwand, wann der letzte Stein abtranEv Kirche Pokrakensportiert wurde und mit ihm ein wichtiges Kapitel der Geschichte der Mennoniten, die sich aus der ganzen Memelniederung hier regelm├Ą├čig mit ihren Pferdefuhrwerken einfanden.

Weiter geht es nach Pokraken, von 1938-45 Weidenau und heute Leninskoje genannt, zur Ruine der evangelischen Kirche. Sie also steht wenigstens noch. Ich habe eine besondere Beziehung zu ihr, denn mein Ur- Ur- Gro├čvater Johann Albert LEPA (1825 - 1892) war hier nicht nur 38 Jahre lang k├Âniglicher Schullehrer, sondern auch der erste Pr├Ązentor der Kirchengemeinde Pokraken. Er soll ma├čgeblich zum Bau dieser Kirche beigetragen haben, deren Vollendung er nicht mehr erlebte. Das Kirchendach ist schon lange eingest├╝rzt, der Rest h├Ąlt sich beharrlich und sieht schneebedeckt heute malerisch aus, umgeben von wei├čgepuderten B├Ąumen.

Zur├╝ck in Heinrichswalde, gehe ich nachmittags mit B├Ąrbel Dawideit auf eisglatten Wegen in Richtung der ehemaligen Friedrichstra├če, an der damals wie heute fast alle Gesch├Ąfte des Ortes liegen. So ├Ąhnlich wie im heutigen Slawsk wird es im Winter auch damals in Heinrichswalde ausgesehen haben, als mein Gro├čvater, der sp├Ątere Oberkonsistorialrat Ernst Loerke (1878 - 1947), als kleiner Junge, der viel zu fr├╝h beide Eltern verloren hatte, hier entlangging.

Autos-Sturmwarner-2         7 Inse Kurisches Haff 5.2.19      Eisschollen

Am n├Ąchsten Morgen wird es abenteuerlich. Wir fahren mit unserem Gastgeber Alik Miksta in seinem Ford- Bus zum Kurischen Haff. Es geht ├╝ber Brittanien und die Gilgebr├╝cke bei Sk├Âpen. Dort steht keine Wache mehr, aber es kann jetzt im grenznahen Bereich ├╝berall Kontrollen geben! Wir sehen Milit├Ąr an uns vorbeifahren, werden in dem Auto mit russischem Kennzeichen jedoch nicht kontrolliert. Vorbei geht es an Kaukehmen (Kuckerneese), an Wolfgang Nienkes Heimatort Kallningken (Herdenau), der fr├╝her von der Kirche auf ihrem H├╝gelchen neben der Stra├čenkreuzung beherrscht wurde. Heute liegen dort nur noch wenige traurige Mauerreste. Dann kommen wir im Elchwald vorbei am "Jagdschloss" Pait, das leider wohl wieder dem Verfall preisgegeben ist, nachdem sich J├╝rgen Leiste von dort zur├╝ckgezogen hat. Einsam und malerisch liegt es in der Einsamkeit, aber auch die Schneedecke kann nicht dar├╝ber Gaby im Schilfhinwegt├Ąuschen, dass eins der D├Ącher nicht mehr dicht ist.

Dann kommen wir in Inse an, parken nahe am Schilf noch hinter dem Sturmmast, wo Autos im Sommer gar nicht mehr fahren k├Ânnen. Jetzt stehen dort auf der gefrorenen Fl├Ąche die Autos der Eisangler. Von der Sch├Ânheit der Landschaft sehe ich zun├Ąchst nichts, denn auf dem vereisten Weg ist es spiegelglatt und mir zudem etwas unheimlich. Wir sehen Anh├Ąufungen von ├╝bereinandergeschobenem Eis und in weiter Ferne auch die Eisangler als kleine Punkte in der Landschaft. Erst auf dem R├╝ckweg genie├če ich, ziemlich erleichtert, die magische, fast schon mystische Stimmung dieses Wintermorgens mit einer fahlen Sonne, die sich ├╝ber der unendlichen Weite im Eis des zugefrorenen Haffs spiegelt. Es ist ein unvergessliches Erlebnis f├╝r mich! Als wir durch das Fischerdorf Inse fahren, zeigt mir B├Ąrbel Dawideit den Fundort des Taufsteins aus der Kirche von Inse, der heute in Heinr8 altes Hebewerk bei Rogainen 5.2.19ichswalde im Gemeindehaus steht.

Das Abenteuer geht weiter. Auf der Suche nach einem Elch oder wenigstens Elchspuren fahren wir wieder ├╝ber Gro├č Krauleiden zur├╝ck und halten dann beim ehemaligen Hebewerk von Rogainen/ Forstamt Sibirien. Die Stra├če liegt auf einem angesch├╝tteten Damm. Es ist sogar auf der Stra├če anstrengend, im Schnee zu Fu├č voranzukommen. Wir sehen keinen Elch. Ich kehre vorzeitig um und lasse die Einsamkeit der Landschaft auf mich wirken. In H├Âhe des Hebewerks steht ein Fischreiher malerisch am Wasser.

Auf dem R├╝ckweg nach Slawsk halten wir noch kurz bei der ehemaligen Schule von Bogdahnen. Sie ist auch im Schnee ein h├╝bsches Fotomotiv mit dem Brunnen vor der Haust├╝r und dem Friedhofsh├╝gel gleich nebenan. Eigentlich unfassbar, dass sie fast 75 Jahre nach Kriegsende so gut erhalten ist und unersch├╝tterlich dort steht.Elchsucher

Am n├Ąchsten Tag, dem 6. Februar, brechen wir noch einmal hoffnungsvoll auf zur "Elchpirsch". Dieses Mal geht es in das Gro├če Moosbruch. Fahrt ├╝ber Klemenswalde, Neusorge (Maskoje) und Gro├č Friedrichsdorf und dann weiter ├╝ber Liedemeiten (Gerhardsweide im Kirchspiel Kreuzingen, heute Ochotnoe) nach Osseningken (Gr├╝nau). Vor einem auffallend sch├Ânen alten Haus, 1912 erbaut, treffen wir einen Armenier, der dort wohnt und J├Ąger ist. Er gibt unserem Fahrer und F├╝hrer Alik Tipps f├╝r die Suche nach Elchspuren. Dieter Wenskat meint, das h├╝bsche Haus sei fr├╝her das Haus des Bauern Buttkus gewesen.

Bei Wasserburg gehen wir F├╝nf - Barbara Dawideit, Wolfgang Nienke, Dieter Wenskat, Alik und ich - auf einem verschneiten Damm in den Wald. Ich kehre nach einer halben Stunde um und warte im Wagen auf die eifrigen "J├Ąger". Nahe Lauknen (Hohenbruch, heute Gromowo) halten wir dann noch einmal. Alle kommen wieder erfolglos zur├╝ck; ich beobachte derweil vom Auto aus einen Sch├Ąferhund, der auf sein Herrchen odElchvertrager sonst etwas Nettes zu warten scheint, mitten auf der Stra├če. Im Naturschutzgebiet des Gro├čen Moosbruch starten wir f├╝r heute unseren letzten Versuch, marschieren wieder durch den Schnee, neben uns Moor, Birken und Gestr├Ąuch. Nur kein Elch! Wir gehen bis zu einem Hochsitz und sch├Ânen bunten Schautafeln zur Geschichte dieser Region und Landschaft, mitten in der Einsamkeit.

In Gromowo fahren wir noch beim Moosbruchhaus von J├╝rgen Leiste vorbei. Wir haben Gl├╝ck, ihn anzutreffen, denn er wollte gerade aufbrechen.

Das Thema Elch verl├Ąsst uns nicht. Am n├Ąchsten Tag, dem 7.Februar, wird der lebensgro├če Elch, der von Alik Miksta aus unz├Ąhligen in der Elchniederung gefundenen Hufeisen geschaffen wurde, in einem feierlichen Vertrag den Bewohnern der Gemeinde Slawsk ├╝bergeben. Anschlie├čend werden wir vom Landrat des Rayon Slawsk zum Festessen im Bankettsaal seiner Gastst├Ątte eingeladen, die in Sichtweite der Kirche liegt. Abends geht es feierlich weiter, denn Wolfgang verw├Âhnt uns mit einem Risotto.

10 ├ťbergabe des Elchs

Am Freitag fahren wir ├╝ber Tilsit entlang der Ragniter Stra├če, wo meine Urgro├čmutter Maria Lepa geb.Schulz (1860-1946) nach ihrer Scheidung vom Arzt Lepa ein recht armseliges Leben f├╝hrte und am Fenster zur Stra├če hin Socken zur Aufbesserung ihres Lebensunterhalts strickte, nach Ragnit. Im "Deutschen Haus" geht es in den gro├čen R├Ąumlichkeiten recht ├╝bersichtlich zu. Au├čer uns lassen es sich nur zwei junge Russinnen dort gutgehen. Ich genie├če meine Blinis und einen Cappuccino. Gegen├╝ber vom "Deutschen Haus" besuchen wir einen kleinen Kaufmannsladen. Vom Embargo der EU ist nichts zu sp├╝ren. Es scheint hier wie auch in Slawsk in den neuen Superm├Ąrkten alles zu kaufen zu geben. Es sieht eher so aus, als ob im Land die Chance genutzt wird, in mehr Eigeninitiative neue wirtschaftliche M├Âglichkeiten auszusch├Âpfen. In Ragnit sind die Stra├čen noch vereister und glatter als in Slawsk. So schleiche ich die wenigen Schritte zum rettenden Auto zur├╝ck. Nat├╝rlich besuchen wir wieder einmal die Burgruine Ragnit. Im Schnee kannte ich das geschundene, immer noch eindrucksvolle Bauwerk, noch nicht. Der gro├če neue Grenz├╝bergang bei Ragnit liegt weiterhin ungenutzt brach.

Deutsches Haus    Magazin Ragnit     Ruine Ragnit

Am Samstag, den 9. Februar 2019, geht es zur├╝ck nach Hause. Um 5.40 Uhr russischer Zeit (4.40 Uhr MEZ) starten wir, warten 1 1/4 Stunden an der russisch- polnischen Grenze und kommen nach 13 Stunden wieder gut in Zwenkau bei Barbara Dawideit an. Am n├Ąchsten Morgen fahre ich von dort Richtung L├╝neburg. In Artlenburg habe ich dann Zeit, ein Resum├ęe dieser 9 Tage in der winterlichen Elchniederung zu ziehen. Trotz meiner st├Ąndigen Hustenanf├Ąlle, unter denen aber vor allem meine armen Mitreisenden zu leiden hatten, war es ein tolles Erlebnis f├╝r mich!

Gabriele Bastemeyer, Ginsterweg 37, 21380 Artlenburg, Tel. 04139 - 7364          Bastemeyer@t-online.de
Fotos: G.Bastemeyer u. H.W.Nienke

Kirchenschiff Heinrichswalde. Gesehen von der Holztreppe.

Lidia Lobakina u. Wolfgang Nienke beim Gottesdienst

Slawsk (Heinrichswalde) mit Neuschnee Februar 2019

Mennonitenkirche in Adlig Prokaken um 1930

Kirchenruine in Leninskoje (Weidenau/Prokaken)

Inse mit Sturmmast und Autos der Angler auf dem Eis

Kurisches Haff bei Inse mit Eischollen, die in drei Barrierewellen vor der K├╝ste entstehen

Blick auf das Kurisches Haff bei Inse

Autorin Gabriele Bastemeyer im Schilfbereich
auf d├╝nnem Eis des Haffes vor Inse (Pritschaly)

Altes aber funktionierendes Hebewerk
 bei Rogainen

Vertragsunterzeichnung zur Schenkung des Hufeisen-Elches von der KG ÔÇ×Elchniederung“ e.V. an den Rajon Slawsk durch B├╝rgermeister Kondratow und Gesch├Ąftsf├╝hrerin Barbara Dawideit

Teilnehmer bei der Vertragsunterzeichnung. Dabei B├╝rger der Stadt, der Schaffer des Elches Alik Mikschta (vor der S├Ąule rechts), Landrat Rudenkow
 (rechts neben B. Dawideit), B├╝rgermeister Kondratow (links neben B. Dawideit) Vertreter der Duma in Moskau (r. mit Bart) und Kaliningrad (ganz rechts).

Ragnit (Neman) Gasthof mit K├Ąsemanufaktur und Verkauf

Ragnit. Kleines Magazin (Lebensmittel) gegen├╝ber vom Deutschen Haus

Burgruine in Ragnit (Neman)
Deutschordensburg um 1400 erbaut

Elchsucher - v.l. Dieter Wenskat, Gabriele Bastemeyer, Barbara Dawideit und Wolfgang Nienke

Der Hufeisen-Elch noch vor dem winterlichen Anwesen von Nadja und Alik Mikschta in Slawsk (Heinrichswalde)

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Reiseberichte ab 2019

Wappen des Kreises Elchniederung
Die Kirche im Kreisort Heinrichswalde