Wappen des Kreises Elchniederung

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Die Kirche im Kreisort Heinrichswalde
Kirchspiel Schakendorf

Das Kirchspiel Schakendorf ( Schakuhnen )  gegr. 1675. (Russischer Name: Lewobereschnoe - ЛДĐČĐŸĐ±Đ”Ń€Đ”Đ¶ĐœĐŸĐ”) Kirchspielvertr.: Ines Laue

ID9864-Schakendorf-en2Das GrĂŒndungsjahr des Kirchspiels Schakendorf, 1675, bleibt mit einem kleinen Fragezeichen versehen, da schon 1595 in der „Preußschen Landtafel" eine heilige Linde in Schakunicken erwĂ€hnt wird. Teile des Kirchspiels waren also schon frĂŒher besiedelt, die gĂŒnstige Lage auf einem SandrĂŒcken am Rußstrom eignete sich als Handelsweg nach Memel, in das Baltikum und nach Russland.

1697 wurde der erste Kirchenbau errichtet, der zuerst nur aus einer hölzernen Kapelle bestand. 1745 wird die Kirche aus Feldsteinen neu aufgebaut, 1855/56 erfolgt der Anbau eines ca. 31m hohen Turmes. Vom Kirchturm aus konnte man weit ĂŒber das flache Land schauen. WĂ€hrend der Kirchen - und Schulvisitationen, bei denen bis zum l. Weltkrieg alle Schulklassen von der Gemeinde in der Kirche ĂŒberprĂŒft wurden, nutzten die Kinder die Gelegenheit zu dieser schönen Aussicht.

Um 1890 hat das Kirchspiel Schakuhnen, wie es damals noch hieß, 4380 Mitglieder. Der Gottesdienst wird auf Deutsch und Litauisch gehalten.

Um 1900 wurde durch den Memel-Ruß-Deich die Hochwassergefahr gebannt, feste Kiesstraßen wurden möglich. Mit dem Anschluss an die Bahnstrecke Tilsit-Königsberg durch die Niederungsbahn 1911 erlebt Schakuhnen einen großen Aufschwung. 1944 gab es in Schakendorf, wie es seit 1938 hieß, eine dreiklassige Schule, eine WindmĂŒhle, eine Molkerei, Gendarmerie, Poststation und Zollstation. Neben einem TextilgeschĂ€ft und zwei Gasthöfen gab es einige Handwerker.

Die Kirche hat zwar den 2. Weltkrieg ĂŒberdauert, wurde aber 1952/53 vom MilitĂ€r mit Hilfe der Bevölkerung abgebaut, weil Steine fĂŒr den Straßenbau benötigt wurden. Dabei sollen unter dem Turmdach GoldmĂŒnzen gefunden worden sein.

Neuer Ortsname 1938

Alter Ortsname

Einwohner 1938

DĂŒnen

Ackmenischken

358

Friedberg, Valtinhof

Lebbeden mit Labben, Abschrey, Valtinkratsch

270

HochdĂŒnen

Schillgallen

126

Ibenhorst, Forst Bredschul

Gutsbezirk Ibenhorst

378

Ibenstrom, Skirwieth

Elchwinkel, Kerschkallen, Skirwieth,

 

JÀgerhöh

Schudereiten, Staldschen

364

Kleeberg

Jodischken, Tirkseln, Girgsden, JĂ€kischken

247

KleindĂŒnen mit Elchhof

Nausseden mit Jodraggen

162

Kleinsommershöfen

Wieszeiten

100

Perkuhnen

Perkuhnen

102

Schakendorf

Schakuhnen

367

Schneiderende

Schneiderende

119

Schorningen

Katrinigkeiten

119

Stucken

Spucken, Jodischken

240

Gesamt 13

 

2.904

Schillgallen -der Ort und seine Kirche

Schillgallen war eine kleine Ortschaft, die ehemals zum Kreis Heydekrug gehörte. Im Zuge der politischen UmwĂ€lzungen infolge des Ersten Weltkriegs wurde Schillgallen - wie alle sĂŒdlich der Memel gelegenen Gebiete dieses Kreises - in den dortigen Kreis Niederung (nach 1938:,,Elchniederung'') ĂŒberfĂŒhrt.

,,Schillgallen'' ist eine Eindeutschung des litauischen Namens „Silgaliai“ die Bedeutung erklĂ€rt sich aus lit. „silas“ = „Heide“ und „galas'' = ,,Ende“, der Name bezeichnet also einen Ort, der am Rand eines Heidegebietes liegt. In „Preußisch Litauen“ gab es mehr als ein halbes Dutzend weiterer Ortschaften mit demselben Namen.Schillgallen (Kreis Heydekrug/Elchniederung) wurde 1938 im Zuge der „Germanisierung“ von „artfremden“ Ortsnamen in „HochdĂŒnen“ umbenannt; es ist nicht anzunehmen, dass sich diese Bezeichnung in den verbleibenden sieben Jahren bis zur Vertreibung im Allgemeinbewusstsein entscheidend durchgesetzt hat, sodass es hier bei „Schillgallen“ verbleiben soll. Mit der kriegsbedingten RĂ€umung des Gebiets hat auch Schillgallen als Ortschaft aufgehört zu existieren; es kam nicht mehr zu einer Neubesiedlung, und der Ort erhielt auch keinen neuen - russischen - Namen.

Schillgallen war, wie schon erwÀhnt, ein kleiner Ort, der zuletzt kaum mehr als 120 Einwohner zÀhlte. Aus einer 1789 datierenden PrÀstationstabelle ergibt sich, dass damals ganze 16 Familien den Ort bevölkerten. Wann genau Schillgallen besiedelt wurde, ist nicht bekannt, aber der Ort muss noch um einiges Àlter gewesen sein, wird er doch schon um 1700 im Kirchenbuch von Karkeln erwÀhnt. Nach 1710 gehörte Schillgallen zum neu errichteten (evangelischen) Kirchspiel Schakuhnen.

Wenn man die Landstraße von Kaukehmen Richtung Kallningken fĂ€hrt, liegt Schillgallen rechter Hand. Nur eine kurze Wegstrecke hinter dem Abzweig nach Schakuhnen fĂŒhrt ein unbefestigter Weg in Richtung Russ-Strom. Nach vielleicht zwei Kilometern gelangt man zu dem, was vor einem Dreivierteljahrhundert einmal Schillgallen war: Ein gespenstischer und andererseits auch wieder Ă€ußerst friedlicher Eindruck.

Es existiert - soweit ersichtlich - kein altes GebĂ€ude mehr. Aber anders als bei manchem ,,verschwundenen'' Ort im Kreis Niederung, bei dem man vor einer mehr oder weniger großen BrachflĂ€che steht und nur anhand alten Kartenmaterials ,,weiß'', dass sich an der fraglichen Stelle frĂŒher diese oder jene Ansiedlung befunden hat, kann man in Schillgallen noch heute die Strukturen erkennen, in denen es seinerzeit bebaut war. Alte BĂ€ume, die nicht von der Natur, sondern von Menschenhand in regelmĂ€ĂŸigen Reihen gesetzt wurden, lassen noch heute von einander abgegrenzte Parzellen erkennen, und die von geraden Baumreihen umrahmten FreiflĂ€chen zeigen an, wo sich vor 75 Jahren noch Höfe befunden haben. Man spĂŒrt geradezu - viel mehr als bei den aufgezeigten BrachflĂ€chen -, dass hier einmal Menschen gelebt haben.

Neben der geordneten Struktur eines nicht mehr existierenden Ortes gibt es auch ein großes Maß an „Unordnung“. Denn selbstredend hat ĂŒber Jahrzehnte hinweg der Wildwuchs der Natur das einst von Menschen kultivierte GelĂ€nde nachhaltig ĂŒberwuchert. Man kann fĂŒr die Vergangenheit ebenso wie fĂŒr die Zukunft erahnen, waseinst gewesen ist und was einst sein wird - eine geschichtliche Momentaufnahme, bei der man regelrecht Zeitzeuge wird, wie sich die Natur alles ,,Zivilisierte'' zurĂŒckholt, wenn der Mensch verschwunden ist.

Schillgallen - ein kleiner Ort, wie es viele gegeben hat, und doch hebt ein Umstand ihn gegenĂŒber allen anderen Ortschaften und Dörfern des Kreises Niederung hervor: In einer Gegend, in der die ĂŒberwĂ€ltigende Mehrheit der Bevölkerung evangelisch war, befand sich hier die weit und breit einzige katholische Kirche.

Schon in Ordensritterzeiten war man kurz nach der Reformation zum evangelischen Glauben ĂŒbergetreten, und so war „Preußen“, das nach der Verweltlichung des Ordens gebildet wurde, ein evangelischer Staat. Zu jenen Zeiten galt der Grundsatz, dass die Bevölkerung, was den Glauben anging, dem Herrscherhaus folgte - zu folgen hatte!-, und das war dann fĂŒr die folgenden Jahrhunderte gelebte RealitĂ€t fĂŒr (nahezu) alle. Das war nicht nur selbstverstĂ€ndlich fĂŒr die zahlreichen evangelischen GlaubensflĂŒchtlinge, die der Preußenkönig ins Land geholt hatte; auch die noch zahlreicheren („von Hause aus“ katholischen) Litauer, die sich im Zuge der Urbarmachung und Besiedlung in der Gegend niederließen, wurden evangelisch.

NatĂŒrlich gab es auch Katholiken in Ostpreußen, aber die katholische Kirche als solche hatte es vor dem aufgezeigten Hintergrund schwer, hier Fuß zu fassen. Das lag weniger an einer dem Katholizismus feindlichen Einstellung des protestantischen preußischen Staates - der Gedanke der ,,Glaubensfreiheit'' war in Preußen sicherlich weiterentwickelt als vielfach sonst -, als vielmehr daran, dass es einfach zu wenig GlĂ€ubige gab. So dauerte es nach der GrĂŒndung des preußischen Königreichs noch einmal mehr als ein Jahrhundert, bis die erste katholische Gemeinde im Kreis Niederung gebildet wurde - in Schillgallen!

Die ersten katholischen Kirchenregister wurden 1823 angelegt, und wÀhrend es in der Gegend ein gutes Dutzend evangelischer Sprengel gab, hatte der katholische Pfarrer das gesamte Gebiet allein zu betreuen; seine Pfarrei erfasste auch zahlreiche Ortschaften auf der nördlichen Seite der Memel.

Ja, in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens wurden im katholischen Kirchspiel Schillgallen auch Amtshandlungen zu Personen aus Ortschaften vorgenommen, die gar nicht zu Preußen, sondern zum angrenzenden - damals ip. Russland liegenden - litauischen Kerngebiet ,,Szamaiten'' gehörten. Die Situation Ă€nderte sich erst, als in den 1850er Jahren in Szibben (bei Heydekrug) ein weiteres katholisches Kirchspieleingerichtet wurde, das fĂŒr die - bis dahin zu Schillgallen gehörenden - Ortschaften im Memelland zustĂ€ndig wurde. Der Betrieb lief sehr langsam an. 1854 war eine Kirche errichtet, in der der Pfarrer von Schillgallen alle drei Wochen Gottesdienst abhielt. Die Kirchenregister wurden zunĂ€chst noch in Schillgallen gefĂŒhrt. Ab 1861 dann gab es in Szibben eigene BĂŒcher, und die KirchenbĂŒcher von Schillgallen enthielten im Wesentlichen nur noch EintrĂ€ge von Bewohnern sĂŒdlich der Memel; aber das Kirchspiel erfasste immer noch die gesamte Gegend, die auch als „Tiefe Niederung“ bekannt ist und in der es zur selben Zeit mit Kaukehmen, Lappienen, Schakuhnen, Kallningken, Karkeln und lnse immerhin sechs evangelische Kirchengemeinden gab.

Die KirchenbĂŒcher von Schillgallen sind offenbar im Wesentlichen bis heute in Form von Mikrofilmen erhalten. Die Liste des Leipziger Staatsarchivs weist einen kompletten Bestand von 1823 bis 1874 aus, und in einem polnischen katholischen Archiv sollen sich sogar Mikrofilme mit Registern bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhundertsbefinden. Im Internet sind die Register von Schillgallen fĂŒr den Zeitraum 1823-1877 erfasst (also drei Jahre mehr als bei den sonstigen Mikrofilmen, die auf der vorliegenden Website veröffentlicht sind). Bei „ancestry“ ist freilich nur das Heiratsregister ins Netz gestellt; alle drei Register des fraglichen Zeitraums finden sich hingegen bei „familysearch“.

Im Vergleich zu den evangelischen KirchenbĂŒchern aus demselben Zeitraum und derselben Region lassen sich, was die Register von Schillgallen betrifft, einige Besonderheiten entnehmen.

So fĂ€llt auf, dass ein erheblicher Anteil derjenigen, die die Dienste des katholischen Pfarrers in Anspruch nahmen, polnische Namen trugen. Offenbar handelte es sich um Polen, die als Wanderarbeiter ins Land gekommen waren. In Polen war (und ist man noch heute) weit ĂŒberwiegend katholisch, und in einer sich stetig entwickelnden Landwirtschaft sind ArbeitskrĂ€fte - auch von außerhalb der Region - stets gefragt, und so verwundert es nicht, wenn anders als in den KirchenbĂŒchern der umliegenden evangelischen Kirchspiele - in den Registern der katholischen Kirche von Schillgallen besonders viele Namen polnischen Ursprungs zu finden sind.

Ebenso wie auf evangelischer Seite im Hinblick auf den hohen Bevölkerungsanteil an litauischen Muttersprachlern seitens der Kirchenleitung Wert darauf gelegt wurde, dass der örtliche Pfarrer neben Deutsch auch das Litauische beherrschte, scheint diekatholische Kirche der anders zusammengesetzten Klientel Rechnung getragen zu haben.

Zumindest in den ersten Jahrzehnten waren Pfarrer vor Ort, die einen polnisch klingenden Namen hatten, und es scheint so, dass sie auch die polnische Sprache beherrschten. Zumindest lassen ihre EintrĂ€ge ĂŒber polnische Beteiligte keine orthographischen AuffĂ€lligkeiten erkennen; im Gegenteil finden hĂ€ufig diakritische Zeichen Verwendung, die nur das polnische, nicht aber das deutsche Alphabet kennt.

Im gleichen Zeitraum weisen die Register von Schillgallen geradezu eklatante SchwĂ€chen bei der Niederschrift deutscher und litauischer Personen- und Ortsnamen auf. Die Namen sind oft derart verballhornt, dass nur mit MĂŒhe oder gar nicht mehr erkennbar wird, wie sich die fragliche Person selbst genannt haben mag; immer wieder findet sich in den ersten Jahrzehnten auch eine Tendenz der RegisterfĂŒhrer, deutsche und litauische Namen mit polnischen Endungen zu versehen. Auch tauchen immer wieder Ortsbezeichnungen auf, die man selbst bei fundierter Kenntnis der Geografie der Region keiner bekannten Siedlung zuzuordnen vermag.

Hat es nach allem den Anschein, als hĂ€tten sich die Pfarrer von Schillgallen- zumindest in den ersten Jahrzehnten- wenig MĂŒhe gegeben, sich mit den sprachlichen Gegebenheiten vor Ort vertraut zu machen, so kommt dies besonders bei der Behandlung der Vornamen - besonders der litauischer Vornamen - zum Ausdruck. GĂ€ngige Vornamen wie „Kristups“, „Mikkelis“, „Maryke“ oder „Elske“ kommen praktisch nicht vor, sondern es finden sich durchweg deutsche Entsprechungen, wobei die mangelnde sprachliche Kompetenz ein ums andere Mal deutliche wird: So erscheint ĂŒber Jahre hinweg ein „Anussis“ als ,,Anton'', ein „Endrikis“ als „Andreas“, eine „Urte“ als „Ursula“, und selbst der „gute deutsche“ Vorname „Erdmuth“ erscheint in den BĂŒchern von Schillgallen hĂ€ufig als „Martha“ - alles Fehler, die nur noch KopfschĂŒtteln hervorrufen.

Die Register von Schillgallen lassen im Übrigen erkennen, dass es nach der GrĂŒndung der Pfarrei zu einem deutlichen Zuzug katholischer Bewohner in den Kirchort selbst gekommen sein muss. Vergleicht man die Zahl der Eheschließungen unter Beteiligung von katholischen Brautleuten aus Schillgallen mit der desselben Zeitraums im Heiratsregister der (fĂŒr Protestanten aus Schillgallen zustĂ€ndigen) evangelischen Kirche von Schakuhnen, so ergibt sich fĂŒr Schillgallen sogar ein leichtes Übergewicht von„katholischen“ gegenĂŒber „evangelischen“ Hochzeiten. FĂŒr eine Region, in der der Anteil an Katholiken im marginalen Bereich lag, ein geradezu erstaunliches Ergebnis. Schließlich ist, was die KirchenbĂŒcher von Schillgallen betrifft, noch ein besonderer Hinweis geboten: Der Umstand, dass es in der „Tiefen Niederung“ und im nördlich angrenzenden Memelgebiet noch zu Anfang des 19. Jahrhunderts kein umfassend geregeltes katholisches Kirchenleben gab - die nĂ€chsterreichbaren katholischen Kirchengemeinden befanden sich in Tilsit bzw. in Memel-, fĂŒhrte dazu, dass die vereinzelt in der Region lebenden Katholiken bei Taufen, Eheschließungen und Sterbefallen regelmĂ€ĂŸig nicht den weit entfernt residierenden katholischen Geistlichen in Anspruch nahmen, sondern den Pfarrer der fĂŒr den jeweiligen Wohnsitz zustĂ€ndigen evangelischen Kirche aufsuchten. Dementsprechend finden sich in den evangelischen KirchenbĂŒchern von Preußisch Litauen immer wieder vereinzelte Hinweise darauf, dass es sich bei einer konkret betroffenen Person um einen „Katholiken“ oder „Papisten2 handele.

Als 1823 in Schillgallen das katholische Kirchspiel eingerichtet wurde, brauchte es lĂ€ngere Zeit, bis sich dieses - mehr oder weniger - in der Region „etabliert“ hatte. Die Zahl der jĂ€hrlichen EintrĂ€ge in den Kirchenregistern nahm zwar stetig zu, aber es dauerte gleichwohl Jahrzehnte, bis sie sich auf einem „normalen“ Stand eingependelt hatte.

Im Übrigen war das aufgezeigte Problem, dass die relativ wenigen katholischen GlĂ€ubigen ĂŒber ein großes Gebiet verstreut lebten, durch die Errichtung des Kirchspiels Schillgallen zwar gemildert, aber letztlich nicht beseitigt. Der neue Kirchenkreis war derart groß, dass fĂŒr viele Angehörige der Weg zum nunmehr zustĂ€ndigen Pfarrer in Schillgallen nach wie vor extrem weit und im Alltag praktisch nicht zu bewĂ€ltigen war; die nördlich der Memel lebenden Katholiken waren gar, wenn schlechte Witterung eine Überquerung des Stromes unmöglich machte, vom Kontakt mit „ihrem“ Pfarrer abgeschnitten.

Es mögen diese praktischen Hindernisse, oft aber auch nur BequemlichkeitsgrĂŒnde gewesen sein, die dazu gefĂŒhrt haben, dass viele Katholiken auch nach 1823 fĂŒr kirchliche Handlungen weiterhin den besser erreichbaren evangelischen Geistlichen aufsuchten. Wer etwa vor 1823 schon 10 Kinder beim evangelischen Pfarrer hatte taufen lassen, sah sich nicht unbedingt veranlasst, sich fĂŒr das 1.824 geborene elfte Kindextra nach Schillgallen zu begeben. Und da die katholischen Pfarrer (anders als ihre evangelischen Amtskollegen) - zumindest in den ersten Jahrzehnten - wohl erheblich besser Polnisch als Litauisch beherrschten, mögen fĂŒr manchen litauischen Muttersprachler in der Region auch sprachliche Probleme (oder herkunftsbedingte AnimositĂ€ten) eine Rolle gespielt haben.

Vor dem aufgezeigten Hintergrund erklĂ€rt es sich, dass man sich, wenn man sich mit den Registern des katholischen Kirchspiels von Schillgallen befasst, immer bewusst sein muss, dass man eine Familie möglicherweise nicht vollstĂ€ndig erfasst, wenn man sich auf die Durchsicht dieser Register beschrĂ€nkt. Vielmehr wird sich bei konkreten Recherchen hĂ€ufig zeigen, dass man zu ein und derselben Familie sowohl in den BĂŒchern von Schillgallen als auch in den evangelischen Registern der Gegend fĂŒndig wird.

Das gilt nicht nur fĂŒr die FĂ€lle, in denen etwa ein Ehepaar in Schillgallen nur 1824 mit einer Taufe verzeichnet ist und die Vermutung naheliegt, dass sie schon vor Einrichtung des Kirchspiels Kinder hatten, die - notgedrungen - in einem der evangelischen Kirchspiele getauft worden waren. Auch in spĂ€teren Jahrzehnten gibt es immer wieder katholische und gemischt-konfessionelle Familien, die sich nur dann vollstĂ€ndig mit Eheschließung und allen Geburts- und SterbevorgĂ€ngen erfassen lassen, wenn man neben den Registern von Schillgallen auch die Register der ggf. fĂŒr den Ort zustĂ€ndigen evangelischen Sprengel durchforstet.

Die Situation wird noch dadurch erschwert, dass die Klientel der katholischen Kirche sich in weitaus stĂ€rkerem Maße als die der evangelischen „Konkurrenz“ aus Angehörigen der „einfachen“' Bevölkerung zusammensetzte. Etablierte Kölmerfamilien, deren Vorfahren Jahrhunderte zuvor ins Land gekommen waren, waren nahezu ausnahmslos evangelisch. Die Landwirtschaft, die die Region prĂ€gte, benötigte aber auch billige ArbeitskrĂ€fte - insbesondere Saisonarbeiter-, und bei diesen handelte es sich vielfach um Wanderarbeiter, die es aus wirtschaftlichen GrĂŒnden aus den katholisch geprĂ€gten NachbarlĂ€ndern nach „Preußisch Litauen“ getrieben hatte. Die ungewöhnlich hohe Anzahl an „polnischen“ Namen, die man in den KirchenbĂŒchern von Schillgallen antrifft, belegt dies nachdrĂŒcklich.

Vor dem sozialen Hintergrund der katholischen Bevölkerung in der Region wird verstĂ€ndlich, dass diese deutlich weniger „sesshaft“ waren als andere Bewohner. Und so finden sich unter den katholischen Familien, die in Schillgallen mit einem halbenDutzend oder mehr Kindern verzeichnet sind, nur sehr wenige, die diese alle an ein und demselben Ort bekommen haben, und nicht immer wird die Kirche in Schillgallen fĂŒr die Betreffenden gut erreichbar gewesen sein. Wer daher, um seine katholische Ahnenlinie vollstĂ€ndig zu erlassen, auch die evangelischen Register ĂŒberprĂŒfen möchte, wird gezwungen sein, ggf. die BĂŒcher gleich mehrerer Kirchspiele einzusehen.

 Dr. Witold Peuster

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