Deschen , bis 1938 Neu Descherin
Deschen mit Deschener Moor, Forsthaus Reussenhof, Forstkolonie Willkehler Moor; vor 16.07.1938 Neu Descherin gehört zum Kirchspiel Heinrichswalde.
Am 22.5.1893 Eingliederung der Landgemeinde Kleinpödszen in die Landgemeinde Neu Descherin
Der Siedlungsplatz existiert nicht mehr. Ein russischer Name ist nicht bekannt.
Einwohner: 1905 – 255; 1910 – 230; 1925 – 233; 1933 – 345; 1939 – 310
Zur Geschichte:
Amtsbezirk Argelothen/Argendorf (1874–1945)
Der Amtsbezirk Argelothen (ab 1939: Amtsbezirk Argendorf) bestand zwischen 1874 und 1945. Anfangs gehörten zwölf Orte zu ihm, am Ende waren es nur noch vier Gemeinden: Argendorf, Hohensprindt, Deschen und Argenfelde
Das bis 1938 Argelothen genannte Dorf bestand vor 1945 aus mehreren kleinen und großen Höfen und einer westlich des Ortes gelegenen Försterei des Staatsforsts Schnecken (heute russisch: Maiskoje). Am 26. März 1874 wurde Argelothen Amtsdorf und damit namensgebend für einen neu errichteten Amtsbezirk, der – am 18. April 1939 in „Amtsbezirk Argendorf“ umbenannt – bis 1945 zum Kreis Niederung (ab 1938 „Kreis Elchniederung“) im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte.
Am 6. Februar 1893 vergrößerte sich Argelothen um die Landgemeinden Alt Descherin und Lengkehlischken (beide heute nicht mehr existent), die eingemeindet wurden.
Im Jahre 1910 waren in Argelothen 217 Einwohner gemeldet. Ihre Zahl betrug 1925 bereits 225, 1933 noch 219 und 1939 220. Am 3. Juni – amtlich bestätigt am 16. Juli – des Jahres 1938 wurde Argelothen aus ideologisch-politischen Gründen der Vermeidung fremdländisch klingender Ortsnamen in „Argendorf“ umbenannt.
In Kriegsfolge kam der Ort 1945 mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion und erhielt 1946 die russische Bezeichnung „Priosjorje“. Ein Jahr später wurde das Dorf in den Rajon Slawsk (Kreis Heinrichswalde) und zugleich in den Gastellowski selski sowjet (Dorfsowjet Gastellowo (Groß Friedrichsdorf)) eingegliedert. Aufgrund einer Struktur- und Verwaltungsreform ist Priosjorje heute mit seinen (Stand: 14. Oktober 2010) 356 Einwohnern eine als „Siedlung“ (russisch: possjolok) eingestufte Ortschaft im Verbund der Slawskoje gorodskoje posselenije (Stadtgemeinde Slawsk). (Quelle: Wikipedia)
Kartoffelernte bei Gottschalks in Deschen
„Von Heinrichswalde nach Deschen…“ von Gudrun Stempel
im Heimatbrief 62, Weihnachten 2015, Seiten 65 – 67 und im Heimatbrief Nr. 64, Seite 47 u. 48
Die in den nachstehenden Heimatbrief-Artikeln benannten Lageskizzen und Einwohnerlisten wurden von Frau Stempel weiter aktualisiert und sind am Ende in ihrer zzt. aktuellen Fassung aufgeführt.
Familie Bajohr aus Deschen (vor 1938 Neu-Descherin)
Die Entfernung des Dorfes Deschen von Heinrichswalde betrug ca. 2 km. Im Juni 1926 hatte das damalige Neu-Descherin 223 Einwohner (lt. „Großes Deutsches Ortsbuch“).
Von Heinrichswalde führte die Grünbaumer Allee bis zum Linkuhner Kanal. Nach Überquerung der steinernen Brücke verlief die Allee weiter in südlicher Richtung am Gut Stadie (0) und der Revierförsterei Reußenhof, welche sich links der Allee befanden vorbei, bis zum zur Gemarkung Grünbaum gehörenden Gehöft Klein (1). Der Besitzer Herr Klein betrieb neben der Landwirtschaft auch eine bei Einheimischen, Heinrichswaldern und auch bei den Einwohnern vom ca. 10 km entfernten Tilsit sehr beliebte Ausflugsgaststätte. Auf dem Gaststättengelände befand sich an einem Teich sogar eine kleine Badeanstalt (2) mit 6 Umkleidekabinen. In einem Saal des Gasthauses wurden in den 30er Jahren auch kleine Theatervorstellungen durchgeführt. Die Familie Klein gehörte zu den wohlhabendsten Einwohnern der Umgebung. Vor dem Anwesen Klein bog in östlicher Richtung eine Landstrasse nach Deschen ab, die von den Einwohnern wegen ihres Kiesbelages als„Grand Chaussee“ bezeichnet wurde.
Zu beiden Seiten dieser Chaussee lagen nun in Richtung Lindental bis zum neuen Friedhof größere und kleinere Höfe und Insthäuser.
Nördlich der Strasse wohnten u.a. die Familien Stalzer (3), Brück (5) und die Familie Bruno Szameitat (6). Die Familie Brück wohnte in einem Mietshaus.
Auf der südlichen Strassenseite stand ein 6-Familienhaus (4a) des Eigentümers Klein. Familie Petz (4) wohnte daneben in einem Einfamilienhaus. Nördlich des Anwesens von Szameitat befand sich der Hof von Betty Westphals Eltern (23). Diese Familie war sehr kinderreich. Aus zwei Ehen Herrn Westphals waren 21 Kinder hervorgegangen.
Da es in Deschen 5 Familien Westphal gab, unterschieden die Dorfbewohner sie nach Spitznamen. Obiger Westphal wurde „Rehbock“ genannt; vermutlich ging er auch zur Jagd.
Südlich der „Grand Chaussee“ wohnten die Familie Riechert (Richard?) (7) und Frau Kasper (8). Frau Kasper, verwitwete Jankowski, rief ihre einzige Kuh immer mit dem Namen „Dohrke“ abends in den Stall. Zwischen den Gehöften der FamilienWiese (9) und Paul Stegat (10) an der Chaussee lag der alte Friedhof, der von den Einwohnern auch Kolonistenfriedhof genannt wurde. Südlich der Strasse befand sich der Hof von Ludwig Gronau (28), genannt „Lude“, sowie das größere Anwesen der Familie Matzke 1 (29). Unmittelbarer Nachbar war die Familie Franz Odau (30). Herr Odau war der Gemeindesteuerkassierer. Weiter in Richtung Lindental lebte auf der südlichen Strassenseite bis 1933 die Familie Ernst Koslowsky (11). Ernst Koslowsky war mit der jüngsten Schwester meines Großvaters Friedrich Bajohr verheiratet. Danach wohnte auf diesem Hof die Familie Richard Redetzky (11), die Eltern und Geschwister von Frau Hildegard Malt, geb. Redetzky.
Auf der gegenüber liegende Straßenseite stand der Hof der Familie Gaedtke (12).
Nachbar der Familie Redetzky war die Familie Hugo Westphal (13).
Neben deren Grundstück lag der Hof meines Großvaters Friedrich A.H. Bajohr (14). Weiter in Richtung Lindental befand sich ca. 70 m entfernt der neue Friedhof.
Ihm gegenüber stand der Hof der Eltern von Ernst Koslowsky (15). Dahinter in Richtung Norden wohnten die Familien Sudau (16), der Bruder von Paul Stegat (17) und Frau Stuhlemmer, geb. Rauter (18). Dieses Anwesen lag schon auf dem Gebiet von Lindental.
Der Hof der Eltern von Kurt Kattenberg 2(38) und auch der Hof einer weiteren Familie Kattenberg 1(19) gehörten ebenfalls zu Lindental. Die beiden Familien Kattenberg waren nicht miteinander verwandt. Weiter östlich an der Chaussee wohnte Familie Kropat (32).
Südlich der Chaussee lagen in etwas größerer Entfernung der Hof von Frau Helene Jankowski, geb. Rauter (25), welche eine Schwester von Frau Stuhlemmer war und der Hof der Familie Gerhard (24). Herr Gerhard war Schrotthändler. Südöstlich davon befanden sich die Höfe von Familie Kose (27) und der Hof des Schmiedes Emil Westphal (26). Herr Westphal war ein Bruder von Fritz Westphal. Nur diese beiden Familien Westphal waren miteinander verwandt. Das Anwesen von Familie Matzke 2 (31) lag im Dorfinneren südlich der „Grand Chaussee“. Zur Unterscheidung von der anderen Familie gleichen Namens wurde Herr Matzke „Krissier“ genannt; einer seiner Vorfahren war vermutlich beim Militär Kürassier gewesen.
Das Anwesen von Fritz Westphal (35) befand sich in der Nähe der Mühle von Deschen. Herr Fritz Westphal, der Vater von Käthe Schönicke, geb. Westphal, war bis 1933 Bürgermeister von Deschen. Weiter im Dorfinneren in südlicher Richtung lagen die Höfe von Familie Adolf Westphal (37) und Familie Morgenroth (36). Untermieter im Haus von Morgenroths war die Familie Kessler.
Unterhalb der Mühle in östlicher Richtung wohnte die Familie Kallweit (33). Noch weiter südlich, nahe Skroblienen, war der Hof von Familie Zenthöfer (34). Ab 1933 war Herr Zenthöfer Bürgermeister.
Im südwestlichen Teil des Ortes lag der Hof der Eltern vun Gerda Tinken, geb. Reschies (20).
Das Wohnhaus der Familie Kadereit (21) stand sich in der Nähe von Mühle und Schule in Grünbaum. Auf dem Anwesen der Familie Kröhnke (22) befanden sich Post und Standesamt von Grünbaum. Frau Kröhnke hatte damals als einzige Frau in ganz Deutschland das Amt des Standesbeamten inne.
Die Deschener hatten wie die meisten Ostpreußen auch Humor, wie die nachfolgenden Verse bezeugen.
Nachbarschaftsreime
De Bajohr des es e gooder Mann;
De Westphal drägt dem Hot verkiehrt;
De Lord vom Gädtke es e scharper Hund;
De Redetzky schlacht dat Schwien;
De Stegat de nemmt dem Plutz und
haut dem Lude ver de Schnutz;
Bim Matzke es et glatt ver de Deer;
Franz Odau schrieght : de Dittkes her!
(Die Verfasserinnen der Nachbarschaftreime waren meine Mutter Erna B.Bajohr und ihre Schwester Gerda A.Bajohr.)
Grundlage des vorstehenden Berichtes sind mündliche und schriftliche Angaben meiner lieben Ostpreußinnen Käthe Schönicke, geb. Westphal und Hildegart Malt, geb. Redetzky, denen ich auf diesem Wege noch einmal ganz herzlich danke.
Über Ergänzungen und eventuelle Richtigstellungen zum obigen Beitrag würde ich mich sehr freuen.
Gudrun Stempel, Brahmsweg 44, 06667 Weißenfels
Tochter von Erna Betty Weidenbach, geb. Bajohr.
Heimatbrief 62, Weihnachten 2015, Seiten 65 – 67
Ergänzung zum Artikel „Von Heinrichswalde nach Deschen…“
im Heimatbrief 62, Weihnachten 2015, Seiten 65 – 67
Nach Veröffentlichung des Berichtes konnte ich mit einigen ehemaligen Einwohnern von Deschen und Lindenthal ins Gespräch kommen und bedanke mich bei allen, die mir Informationen über meinen Geburtsort und die damaligen Einwohner gegeben haben.
Ganz besonders herzlich danke ich Herrn Heinz Stegat, gebürtiger Lindenthaler und seiner Frau Annemie. Sie scheuten keine Mühe, um mir zu helfen und fuhren zu Herrn Max Frischmuth, einem ehemaligen Einwohner von Deschen. Herrn Frischmuth danke ich ebenfalls sehr, denn mit seiner Hilfe korrigierten und ergänzten meine lieben Ostpreußenfreunde Annemie und Heinz meine Unterlagen.
Gewissermaßen als „Nachschrapsel“ zum oben angeführten Bericht im Heimatbrief 62 entstanden der nachfolgende Lageplan und die dazugehörige Einwohnerliste.
Diese Angaben entsprechen meinem derzeitigen Wissensstand. Für weitere Ergänzungen und Korrekturen wäre ich sehr dankbar.
Gudrun Stempel, Brahmsweg 44, 06667 Weißenfels
(Enkelin von Friedrich August Hermann Bajohr)
Heimatbrief 64, Weihnachten 2016, Seite 47 u. 48
Diese Angaben entsprechen meinem derzeitigen Wissensstand. Für weitere Ergänzungen und Korrekturen wäre ich sehr dankbar.
Gudrun Stempel (Enkelin von Friedrich August Hermann Bajohr)
Brahmsweg 44 06667 Weißenfels Tel.: 03443 801490 E-Mail : volker.stempel@web.de
Deschen Grundriss Hof Bajohr
Neues zur Familie Bajohr aus Deschen (vor 1938 Neu Descherin)
Im Heimatbrief 62 (Weihnachten 2015), S.49-52, berichtete ich schon einmal über meine Familie aus Deschen. Meine Großeltern, Friedrich August Hermann Bajohr und Anna Emilie geb. Sakautzky, übersiedelten Ende der 1920er Jahre mit ihren Kindern Gertrud, Gerda, Erna und Bruno von Heinrichswalde nach Neu Descherin, das 1938 in Deschen umbenannt wurde.
In unmittelbarer Nähe des auf einer Anhöhe angelegten Friedhofs -genannt Birkenfriedhof- an der Grant-Chaussee (benannt nach „Grant“, also Schotter) befand sich ihre neuerworbene Hofstelle.
Mein Großvater errichtete trotz der schwierigen damaligen Wirtschaftslage und seiner im 1. Weltkrieg erlittenen körperlichen Beeinträchtigung auf diesem Grundstück über einem gemauerten Steinfundament ein Wohnhaus in Holzbauweise. Die dazu erforderlichen Baumstämme wurden bearbeitet und von außen mit senkrechten Brettern verkleidet. Die Wände der Innenräume wurden mit Lehm verputzt und anschließend tapeziert. Das Dach erhielt eine Ziegeldeckung. Alle Wohnräume hatten Doppelfenster. Die Abstände zwischen den festinstallierten Innenfenstern und den lediglich vorgehängten Außenfenstern wurden zum Kälteschutz im unteren Bereich mit Papier ausgestopft. Im Frühjahr konnten so bei wärmeren Temperaturen die mobilen Außenfenster wieder entfernt und eingelagert werden. Die Fußböden in den Räumen waren alle gedielt, ebenso die Veranda (das Vorhaus).
Meine Mutti Erna Bajohr verehelichte Weidenbach vor dem Wohnhaus ihrer Eltern Friedrich und Anna Emilie Bajohr in Deschen.
Im Wohnzimmer stand ein großer grüner Kachelofen, der von der Küche aus mit Holz, selten mit Kohle, beheizt wurde. In der Küche befand sich ein Herd aus schwarzem Metall mit einer für das Brot- und Kuchenbacken geeigneten großen Backröhre. Am Spülbecken war eine kleine Pumpe installiert, die das zum Waschen und Reinigen benötigte Wasser aus dem Brunnen lieferte, der sich im Hof befand. Der Betrieb der Hauswäschemangel erfolgte durch eine große Handkurbel. Glut aus dem Küchenofen erhitzte das eiserne Bügeleisen. Zur Kühlung von Speisen wurde eine mit Blech ausgeschlagene Kiste, die mit Eisstücken gefüllt war, benutzt. Das Eis wurde im Winter in größeren Blöcken von den gefrorenen Gewässern geholt und im Keller eingelagert.
Die Betten im großen Schlafzimmer hatten als Unterlage einen Strohsack. Darauf wurde ein Unterbett gelegt und mit einem Laken bedeckt. Ein dickes Oberbett war die Zudecke. In diesem Raum standen ein Kleinkinderbett und auch eine Wiege. Im kleineren Zimmer befanden sich die Schlafgelegenheiten der älteren Kinder. Nach der Fertigstellung des Wohnhauses baute mein Großvater noch Ställe für die Rinder, Schweine, Pferde und Kleintiere (Geflügel und Kaninchen). Weiterhin eine mobile Heubaracke, einen Schuppen für die Ackergeräte und den Landauer, außerdem eine Mietengrube auf einem Ziegelfundament, ein Toilettenhäuschen und einen Lagerplatz für Dung.
Zur Beleuchtung der Wohnräume dienten Petroleumlampen. Im Dorf Neu Descherin hatten damals nur die Familien Klein, Matzke und Odau einen Anschluss an das öffentliche Stromnetz. Das Radio wurde mit Batterien betrieben. Zur Erntezeit fuhr ein mit Dieselmotor angetriebener Traktor mit angeschlossener Dreschmaschine zur Leihe zu den Höfen ohne Stromanschluss.
Das direkt am Haus gelegene Land diente als Obst- und Gemüsegarten. Im Vorgarten wuchsen Blumen und Büsche, darunter auch ein großer Schneeballstrauch, dessen Zweige weit über den Zaun zur „Grant-Chaussee“ reichten. Obst wurde entweder zu Marmelade und Saft verarbeitet oder wie Gemüse auch eingekocht. Große Steintöpfe dienten z.B. zur Aufbewahrung von Sauerkraut. Kartoffeln, Rüben und anderes Wurzelgemüse lagerten in der Mietengrube. Tierische Erzeugnisse wurden durch Einkochen oder Räuchern haltbar gemacht. Aus der Milch wurde Butter hergestellt. Für die eigene Familie nicht benötigte Mengen der landwirtschaftlichen Produkte verkaufte meine Großmutter auf dem Wochenmarkt in Heinrichswalde.
Viele Informationen meiner heutigen Ergänzungen für den Heimatbrief erhielt ich durch eine bis heute bestehende Verbindung zu Frau Maria Canzler geb. Klung. Ungeachtet der enormen Arbeitsbelastung durch Familie, Haus- und Landwirtschaft hatte meine Großmutter die Maria und deren beide Brüder als Pflegekinder in ihre Obhut genommen. Maria Klung, die am 20. Dezember 1936 in Tilsit geboren wurde, konnte aufgrund familiärer Umstände erst mit mir zusammen am 30. August 1942 in der evangelische Kirche Heinrichswalde getauft werden. Meine Großmutter und Maria flohen am 20. Oktober 1944 mit einem Flüchtlingstreck von Deschen über Heinrichswalde, Groß Friedrichsdorf, Kreuzingen und durch das Samland nach Deutschland. Marias Brüder waren schon bei anderen Pflegeeltern untergekommen. Maria lebte auch nach der Vertreibung bis zu ihrer Verheiratung bei meinen Großeltern in Ostfriesland. Meine Großeltern haben sich trotz schwerster Schicksalsschläge wie Verlust des einzigen Sohnes, Vernichtung ihrer Existenzgrundlage und der Vertreibung aus der angestammten Heimat immer wieder den Herausforderungen des Lebens gestellt und nie aufgegeben. Für diese Lebensleistung und Geisteshaltung zolle ich meinen Großeltern bis heute allergrößten Respekt.
Höchste Wertschätzung und Dankbarkeit empfinde ich auch gegenüber meinem Vater Heinz F. Weidenbach, der sich nicht entmutigen ließ und uns Kinder bis in das Erwachsenenalter begleitete, ungeachtet eigener traumatischer Lebensereignisse als Wehrmachtsoldat, jahrelanger Kriegsgefangenschaft und des Verlusts seiner jungen schwersterkranken Frau, unserer Mutter.
Die Erstellung meiner Berichte in den Heimatbriefen war mir, Jahrgang 1942, nur möglich durch die von meinem Vater übergebenen, von ihm selbst im hohen Alter aufgearbeiteten Informationen.
Grabstein meines Urgroßvaters Carl August Bajohr, der 1861 auf dem Gut Adlig Heinrichswalde geboren wurde als Sohn des Knechts Johann August Bajohr. Er starb 1941 in Groß Friedrichsdorf (Foto Bastemeyer 2019, in der Kirche Heinrichswalde).
Gudrun Stempel, Brahmsweg 44, 06667 Weißenfels
(Enkelin von Friedrich August Hermann Bajohr)
Heimatbrief 82, Weihnachten 2025








