Horst Frischmuth

Der 5. Kreisvertreter von 1970 – 1993 war Horst Frischmuth aus Rokitten.
Auszüge vom Heimatbrief Nr. 14 1990

Horst Frischmuth wurde am Donnerstag, 02. Dezember 1920, um 8.30 Uhr als Sohn des Landwirts Leo Frischmuth und seiner Ehefrau Margarete geb. Reimer auf deren Gut Rokaiten (Rokitten, russ. Kamskoe – Камское – der Ort existiert nicht mehr) bei Neukirch geboren. Eingebettet in eine intakte Familie wuchs er mit seiner um 6 Jahre jüngeren Schwester Hannalore, genannt „Mausi“, in ländlicher Freiheit und engem Kontakt zu den Tieren des elterlichen Hofes auf. Die Wärme seines Elternhauses, die Erziehung zu preußischer Korrektheit und Verpflichtung den Mitarbeitern seiner Eltern gegenüber und die Liebe zu seiner Heimat – der Elchniederung – waren richtungsweisend für sein späteres Leben. Nach dem Abitur im März 1939 am Staatlichen Reform-Real-Gymnasium in Tilsit, leistete er seine Arbeitsdienstpflicht bei der Abteilung 1/41 in Kloken bei Kuckerneese (Kaukehmen) ab. Im Krieg wurde ihm nach einer schweren Verwundung der rechte Unterschenkel amputiert. Auf dem Seeweg gelangte er zum Kriegsende nach Dänemark. Dort wurde er als Dolmetscher bei Kapitulationsverhandlungen in Nordjütland eingesetzt. Schließlich wurde ihm die Betreuung der Flüchtlingsläger in Nordjütland übertragen.

Durch seine korrekte, harte Art gegenüber den dänischen Bewachern konnte er den nahezu 2.000 ostpreußischen Frauen, Kindern und alten Männern das Schicksal in den Lagern erleichtern. Im Anschluss an die Organisation der Flüchtlingsläger wurde Horst Frischmuth Chef der Operationsabteilung des Sprengkommandos Dänemark, das die deutschen Munitionsbestände sprengen und die Minenfelder aufnehmen musste. Nach seiner Entlassung als Major aus Englischer Kriegsgefangenschaft, am 05.02.1946 in Flensburg, konnte er voller Glück seine Eltern und Schwester in Tolk bei Schleswig in die Arme nehmen.
Er baute sich nach einer kaufmännischen Ausbildung und einigen Semestern Jura und Volkswirtschaft – mit Ausdauer und ungebrochenem Lebensmut in Hannover eine neue Existenz auf. Dieser Stadt ist der äußerst bewegliche und im Grunde konservative Preuße bis heute treu geblieben. Seine Liebe zur Heimat, die innere Verpflichtung gegenüber seinen Landsleuten sowie die oftmals unerschütterliche Liebe zu den Menschen, bestimmten weiterhin sein Leben.
Im April 1946 gründete Horst Frischrnuth mit einigen Landsleuten in Hannover die erste örtliche Gruppe der Landsmannschaft Ostpreußen in der Bundesrepublik Deutschland. Er war auch Mitbegründer der Landsmannschaft Ostpreußen 1948 sowie Organisator des ersten Ostpreußentreffens in der Bunderepublik, zu dem 1949 mehr als 100.000 Ostpreußen nach Hannover gekommen waren.
Für seine Landsleute aus der Elchniederung organisierte er u.a. Treffen mit Paul Nötzel, Bäckermeister aus Kuckerneese (Kaukehmen) und Johannes Klaus, dem letzten Kreisbürodirektor des Landratsamtes in Heinrichswalde und späteren 1. Kreisvertreter. Mit letzterem war er maßgeblich an den Verhandlungen zur Begründung der Patenschaft mit dem Landkreis Grafschaft Bentheim am 28.08.1955 beteiligt. Als nach dem Tode des Kreisvertreters Johannes Klaus am 06.07.1966, der „Bullenkönig“ Otto Buskies aus Herdenau (Kallningken) Kreisvertreter wurde, wurde Horst Frischmuth zu seinem Stellvertreter gewählt und nach dem Tode des Otto Buskies, am 29.01.1970, zum Kreisvertreter.
Aufgrund seiner Erfahrungen wurde er in verschiedene Gesellschaften, internationale Organisationen sowie öffentliche Ämter berufen worden. Ausgezeichnet wurde er mit Ehrenzeichen der Landsmannschaft Ostpreußen, der Goldenen Ehrennadel der Landsmannschaft Ostpreußen – Landesgruppe Niedersachsen, diverser Auszeichnungen in – und ausländischer Verbände und Organisationen. Für seinen nimmermüden Einsatz für seine Landsleute und sein Vaterland wurde er am 24.04.1980 vom Bundespräsidenten den „Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland am Bande“ ausgezeichnet. Wegen Krankheit legte er 1982 einige Ehrenämter nieder und widmete sich nur der Elchniederung. Die Herausgabe der Heimatbriefe und die Kirchspieltreffen in Steinhude kommen aufgrund seines Einsatzes zustande. Am 02.12.1985 heiratet er wieder.
Mit der Schaffung der Totengedenkstätte, die am 26.04.1991 in der Kirche in Steinhude eingeweiht wird, geht sein Herzenswunsch und sein ganz großes Anliegen an die Nachkommen unserer Landsleute in Erfüllung.

 

Siehe Heimatbrief Nr. 22 1995

Leider musste Horst Frischmuth, der sein Amt 1993 aufgrund von Unstimmigkeiten niederlegte, aus der Kreisgemeinschaft Elchniederung 1995 ausgeschlossen werden.